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Über Umwege zum Traumjob

Mit der Aktion „Ich bin gut“ versucht das Jobcenter Menschen zu vermitteln, deren Fähigkeiten nicht sofort erkennbar sind. Die SZ stellt das Beispiel von Bettina Losse vor.

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Von Bettina Klemm

Ein Lächeln oder ein stillschweigender Blick als Dankeschön sind Bettina Losse viel Wert. Sie hat im September 2010 ihre dreijährige Ausbildung als Altenpflegerin beim TÜV Rheinland Bildungswerk begonnen. Praktische Kenntnisse erwirbt sie bei der Firma „Häusliche Krankenpflege Vera Herzog“.

Betty, wie sie von allen genannt wird, findet ihren Weg über Umwege. „Ich habe einen qualifizierten Hauptschulabschluss. Vielleicht war ich nur zu faul, um Englisch zu lernen“, sagt die 23-Jährige. Nach der Schule hat sie sich für ein berufsvorbereitendes Jahr entschieden. Doch schnell merkte sie, dass die Fachrichtung Handel ihr nicht liegt. Erzieherin wollte sie werden, doch dazu reicht in Sachsen ihr Schulabschluss nicht. „Deshalb habe ich mich für die Ausbildung als Sozialassistentin entschieden“, sagt sie. Vielleicht hätte sie damit als Hilfskraft in Kinder- oder Altenpflegeeinrichtungen arbeiten können.

Doch nach eineinhalb Jahren wurde sie im Frühjahr 2008 schwanger – eine Risikoschwangerschaft. Ein gesundes Kind war ihr das Allerwichtigste, deshalb kündigte sie im Sommer 2008 ihre Ausbildung. Eine wirkliche Perspektive, um einmal davon leben zu können, sah sie in ihr ohnehin nicht. Im Oktober 2008 wurde ihre Tochter Emily Isabell geboren. Die Beziehung zum Kindsvater ging jedoch wenige Monate später in die Brüche. Alleinstehend, mit Kind und ohne Berufsabschluss – keine guten Voraussetzungen.

„Ich wollte arbeiten, um für uns sorgen zu können. Ohne Job bekam ich aber keinen Krippenplatz. Deshalb habe ich mich an den Jobladen vom Frauenförderwerk gewandt“, erzählt sie. Für sie war das eine Haltestelle, denn eigentlich wollte sie einen Berufsabschluss. Ihre Fallmanagerin im Jobcenter Kerstin Seilmayer habe ihr immer wieder Mut gemacht und Angebote unterbreitet. „Wir finden etwas.“ Betty arbeitete in einer Küche und als Krankenpflegehelferin, parallel suchte sie einen Ausbildungsplatz. Sie erzählt: „Frau Seilmayer hat mir Türen geöffnet und viele Hindernisse überwunden. Irgendwann habe ich schließlich einen Bildungsgutschein bekommen.“ Nach einem Gespräch mit der Jobvermittlerin habe das Bildungswerk getestet, ob Betty auch für den Beruf gesundheitlich und psychisch geeignet ist. „Sie brauchte auch eine Lösung für die Betreuung ihrer Tochter“, erinnert Schulleiterin Silke Nebe. Diese fand Betty schließlich dank der ehrenamtlichen Oma Gitti. Brigitte Krause wohnt in unmittelbarer Nähe und springt ein, wenn es ihr möglich ist. „Ich mache das gern. Es ist inzwischen ein Geben und Nehmen. Und ich bin froh, dass Betty so gute Leistungen erreicht“, sagt sie.

Noch lebt Betty von Hartz IV. Aber sie hat schon jetzt mehrere Jobangebote, sodass ihr um die Zukunft nicht mehr bange ist.