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Überfall am Bahnhof war vorgetäuscht

Ein 17-Jähriger aus Kamenz hat Ausländern seine schweren Gesichtsverletzungen in die Schuhe geschoben. Warum?

© René Plaul

Von Frank Oehl

Kamenz. Was die Ermittler von Anfang vermutet hatten, ist jetzt bittere Realität: Ein 17-Jähriger, der im Norden von Kamenz wohnt, hat gestanden, einen angeblich auf ihn stattgefundenen Angriff frei erfunden zu haben. Dies teilt die Polizeidirektion Görlitz am Montag in ihrer Tagespresseinformation mit. So habe die Kriminalpolizei „nach umfangreichen Ermittlungen zweifelsfrei“ klären können, dass sich ein Angriff auf den jungen Mann am Kamenzer Bahnhof nicht ereignet hat.

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Aufregung während des Forstfestes

Das angebliche Geschehen vom frühen Morgen des Forstfestmontags hatte in der Stadt und darüber hinaus für einige Aufregung gesorgt. Gerade während des großen Schul- und Heimatfestes waren viele heutige und ehemalige Kamenzer miteinander im Gespräch, sodass sich der von der Mutter des 17-Jährigen angezeigte Vorfall wie ein Lauffeuer in der Stadt verbreitetet hatte. Insbesondere irritierte dabei die Tatsache, dass die Polizei das angebliche Geschehen vom Montagmorgen nicht vermeldet, sondern erst auf Nachfrage reagiert hatte. Anrufer in der Redaktion warfen sogar sowohl der Ordnungsmacht, als auch der Zeitung „Vertuschung eines Ausländerübergriffs“ vor. Wie sich jetzt herausgestellt hat, war die eintägige Zurückhaltung der Polizei aber das richtige Herangehen an einen komplizierten Sachverhalt gewesen, der sich offenbar nicht so zugetragen haben konnte, wie der junge Mann ihn geschildert hatte.

Eine Art Säure im Gesicht

Der junge Mann hatte angegeben, am 22. August auf dem Bahngelände gegen 5 Uhr von mehreren maskierten und arabisch sprechenden Personen angegriffen und verletzt worden zu sein. Ihm sei eine Art Säure ins Gesicht gespritzt worden. Die Polizei hatte bei Bekanntwerden des Sachverhaltes sofort reagiert und war mit einen großen Kräfteaufgebot aktiv geworden. So kamen unter anderem auch Diensthunde und Kriminaltechniker zum Einsatz. Polizeisprecher Thomas Knaup: „Die Ermittlungen der Kriminalpolizei wurden in alle Richtungen geführt, da frühzeitig Ungereimtheiten in den Schilderungen der Tat zu entdecken waren.“

Mit Hubschrauber ins Spezialkrankenhaus

Äußerst schwierig war allerdings die Tatsache zu bewerten, dass der 17-Jährige tatsächlich schwere Haut- und Augenreizungen aufwies. Nachdem die Mutter des Jungen etwa zwei Stunden später den angeblichen Überfall gemeldet hatte, musste der Junge sogar mit einem Rettungshubschrauber in ein Spezialkrankenhaus geflogen werden, wo man ihn auch auf eine Operation vorbereitete. Schnell gab es bei den Beamten aber Zweifel an der Darstellung. So konnten vor Ort – der Bahnhof ist um die Zeit bereits recht belebt – keine Zeugen des geschilderten Geschehens ausfindig gemacht werden. Auch die Suche mit Fährtenhunde ergab nichts. Offenbar war der 17-Jährige nur kurz am Bahnhof gewesen. Wie es sich jetzt herausstellte, hatte er sich die Verletzungen mit Feuer selbst zugezogen. Die Kriminalpolizei ermittelt nun gegen den Jugendlichen, da er eine Straftat vorgetäuscht hat.

Gerüchte über Probleme

Dabei wird auch nach den Hintergründen zu suchen sein – insbesondere zum Motiv. Wie in der Stadt gemunkelt wird, könnte der 17-Jährige Probleme in jenem Lehrbetrieb haben, zu dem er sich angeblich um 5 Uhr in den Zug nach Dresden habe setzen wollen. Warum er in der eh angespannten Lage ausgerechnet Asylbewerbern eine Schuld in die Schuhe schieben wollte, müsste auch geklärt werden.