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Uhrenkauf auch am Sonntag?

Glashütte unterstützt den Plan einer Uhrenfirma, die Innenstadt zu beleben. Das könnte noch in diesem Jahr gelingen.

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© Karl-Ludwig Oberthür

Von Maik Brückner

Glashütte. Bisher ist der Uhrenhersteller Nomos Glashütte bekannt dafür, dass er hochwertige Uhren zu erschwinglichen Preisen baut. Nun wagt sich das Unternehmen auf ein neues Feld – den Tourismus. Den möchte die Firma ankurbeln. Künftig will Nomos Glashütte auch am Sonntag seine Glashütter Boutique, das Kaufhaus, öffnen. Bisher ist das nicht möglich. Denn auch in Glashütte gilt das sächsische Ladenöffnungsgesetz, das so etwas untersagt. Das hat Auswirkungen. Wer an einem Sonntag nach dem Besuch des Uhrenmuseums auf dem Geschmack gekommen ist und sich eine Glashütter Uhr kaufen will, kann sich an den Uhrengeschäften der Stadt nur die Nase platt drücken. Die Besucher „fahren dann enttäuscht zurück in ihre Pension nach Dresden“, sagt Uwe Ahrendt, Geschäftsführer von Nomos Glashütte.

Er möchte das gern ändern und hat schon eine Idee, wie das zu schaffen ist. Glashütte muss offiziell als Ausflugsort eingestuft werden. Ahrendt meint, dass die Stadt die Voraussetzungen dafür erfüllt.

Festgeschrieben sind diese im Gesetz. Demnach können Kommunen oder Stadtteile Ausflugsorte werden, „wenn ein besonderes Besucheraufkommen gegeben ist“, erklärt Holm Felber, Sprecher der Landesdirektion Sachsen. „Diese Voraussetzung ist erfüllt, wenn die Gemeinde durch besondere touristische Anziehungspunkte Ziel eines erheblichen überregionalen Tagesausflugsverkehrs ist“.

Und das trifft für Glashütte zu, sagt Ahrendt. Seit der Eröffnung des Uhrenmuseums kommen immer mehr Besucher in die Uhrenstadt an der Müglitz. Im vergangenen Jahr waren es rund 40 000. Von solchen Zahlen können andere Gegenden der Welt nur träumen. „Dabei ist unser Glashütte ja – wenn wir ehrlich sind – fremdenverkehrstechnisch nicht in jeder Hinsicht allererste Güte“, sagt Uwe Ahrendt. Seine Firma möchte einen Beitrag leisten, das zu ändern. Und nicht nur die. Auch das Uhrengeschäft Hofmann will sein Geschäft am Sonntag öffnen, sobald das möglich ist. „Wir wollen das gern austesten“, sagt Inhaber Walter Kansy. Auch seine Mitarbeiterin, die frühere Inhaberin Monika Hofmann, habe schon öfters Besucher gesehen, die sonntags vor dem Geschäft standen und offenbar etwas kaufen wollten. Deshalb unterstützt Kansy den Nomos-Vorstoß. Der könne dazu beitragen, dass der Museumsvorplatz am Sonntag belebt wird. Dazu werde sicher auch die Bäckerei Bärenhecke beitragen, die vor wenigen Tagen dort ein Café eingerichtet hat, das auch am Wochenende öffnet.

Noch ist offen, ob und wann Glashütte Ausflugsort werden kann. Das Rathaus bemüht sich seit Juni um den Titel, erklärte Bürgermeister Markus Dreßler (CDU) in der jüngsten Stadtratssitzung. Nach dem ersten Antrag sei man gebeten worden, Unterlagen nachzureichen. Unter anderem wurde gefordert, dass der Stadtrat das Vorhaben unterstützt. Das tat er einmütig.

Nun ist die Landesdirektion am Zug. „Die Prüfung und Anerkennung als Ausflugsort dauert in der Regel etwa drei Monate“, sagt Sprecher Felber. Die Verfahrensdauer werde wesentlich davon beeinflusst, wie detailliert und aussagefähig die vorgelegten Unterlagen der antragstellenden Kommune sind. Sollte die Prüfung positiv für Glashütte ausfallen, wird das im Sächsischen Amtsblatt bekannt gegeben.

Danach dürfen dann die Geschäfte auch sonntags öffnen, die ausschließlich oder im erheblichen Umfang Artikel des Reisebedarfs, Sportartikel, Badegegenstände, Devotionalien sowie Uhren verkaufen. Anders als bei verkaufsoffenen Sonntagen dürften die Geschäfte in Glashütte dann in der Zeit von 11 bis 20 Uhr für die Dauer von acht Stunden geöffnet sein. Für die Kontrolle und Aufsicht ist das Rathaus zuständig.

Geht der Plan der Glashütter auf, wären sie die 119. Kommune in Sachsen, die als Ausflugsort gilt. Bisher haben diesen Status laut Landesdirektion unter anderem Annaberg-Buchholz, Zittau, Bautzen und Ebersbach. In Dresden gilt die Regelung in der inneren Altstadt sowie in der Neustadt.