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Uhu landet in Jonsdorf

Günter Schönfelder aus Schönbrunn hat eine neue Skulptur geschnitzt – und bereichert damit das Zittauer Gebirge.

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© Matthias Weber

Von Birgit Hollstein

So richtig niederlassen mag sich der Uhu vor dem idyllisch gelegenen Blockhaus wohl nicht. Zumindest sind seine Flügel himmelwärts gerichtet, als möchte er starten, um einen günstigen Landeplatz zu suchen. Aber das müssen andere für ihn tun. Er kann es nicht, denn er ist aus Holz. Günter Schönfelder aus dem Großhennersdorfer Ortsteil Schönbrunn hat ihn in nur drei Wochen geschnitzt. Sein Kunstwerk formte er aus dem Holz einer Eiche mit dem Stammdurchmesser von 1,20 Meter. „So eine starke Eiche zu bekommen, ist nicht leicht“, sagt Schönfelder. Aber dank der Hilfe von Andreas Harazin, dem Geschäftsführer des gleichnamigen Zittauer Baumdienstes, konnte er mit der Arbeit beginnen. Die Firma lieferte ihm das Holz.

Nun ist der Uhu fertig und bringt mit einem Gewicht von drei Zentnern etwa
45-mal so viel auf die Waage wie sein lebendiges Vorbild. Der schafft es nur auf etwas über drei Kilogramm. Günter Schönfelder hat seine genaue Vorstellung, wo sich sein König der Nacht niederlassen kann. Wichtig ist ihm, dass er sich in die Landschaft integriert. „Je besser er sich einfügt, umso größer ist die touristische Bereicherung für die Region“, sagt er.

Bei all seinen Arbeiten habe er darauf großen Wert gelegt. Ein Beispiel dafür ist der Eremit auf dem Herrnhuter Skulpturenpfad. „Der Standort am Rande des Weges erschien mir für den Einsiedler am geeignetsten“, erzählt er. So sitzt nun der bärtige Alte da, nahe einer kleinen Hütte und von Bäumen umgeben. Durch seine Lebensjahre reich an Erfahrung, schaut er den Vorüberziehenden auf dem Skulpturenpfad zu. Zumindest die fein herausgearbeiteten Gesichtszüge könnten einen das glauben machen. Manche Figuren passen sich so gut an ihrem Standort an, dass sie mit ihrer Erscheinung auf eine wahre Begebenheit hinweisen. So erinnert das Mädchen in den Jonsdorfer Mühlsteinbrüchen mit dem Körbchen in den Händen an die Zeit der Steinbrecher. Es bringt den Arbeitern Essen, damit sie ihre Arbeit nur kurzzeitig zu unterbrechen brauchen. Der Sandstein sei bis Anfang des 20. Jahrhunderts abgebaut worden und sehr gefragt gewesen. Günter Schönfelder berichtet, dass er bis nach Russland exportiert wurde.

Der Uhu würde sich gut in den Weißen Bruch, einer der vier Mühlsteinbrüche in Jonsdorf, einfügen, um die Touristen angenehm zu überraschen. Davon ist Günter Schönfelder überzeugt. Nur dabei gibt es ein kleines Problem. An der betreffenden Stelle steht eine Frau auf ein Geländer gestützt und lässt den Blick in die Ferne schweifen. Auch sie hat der leidenschaftliche Schnitzer geschaffen. Das ist lange her. Heute möchte er sie am liebsten gegen den Vogel austauschen. „Einerseits ist es schön, wenn sie von den Touristen gut angenommen wird. Andererseits entspricht die Frau nicht mehr meinen Ansprüchen“, schätzt er seine Arbeit ein.

Mit dem Austausch sind nicht alle einverstanden. „So einfach geht das nicht“, sagt Peter Pachl, ehemals Vorsitzender vom Jonsdorfer Gebirgsverein. „Die Frauenfigur ist Eigentum der Gemeinde. Herr Schönfelder hat sie ihr als ABM-Kraft überlassen.“ Auch hält Pachl den Standort nicht unbedingt für den geeignetsten. „Ein Platz für den Uhu sollte authentisch mit dem Lebensraum des lebendigen Vogels sein“, begründet er seine Meinung. Beim Aufstellen hilft er gern.

Mittlerweile ist klar, wo der König der Nacht seinen endgültigen Landeplatz finden wird: im Jonsdorfer Wald, in der Nähe des Hochwaldmännleins. „Es gab auch andere Vorschläge“, sagt Bettina Schäfer, die stellvertretende Vorsitzende des Gebirgsvereins und Koordinatorin für Wanderungen. Der Standort für den Uhu musste dabei gewisse Anforderungen erfüllen. So muss er mit einem Fahrzeug zu erreichen sein. Von dem Platz aus muss sich die Figur auf den Felsen hochhieven lassen und sie muss sicher stehen, nicht zuletzt um Vandalismus zu vermeiden. Unterstützung beim Aufstellen des Vogels sichert auch Reinhard Vogt, der Bauhofleiter der Gemeinde Jonsdorf, zu. Und dank des nun gefundenen Platzes musste er sich zum Bleiben oder Verschwinden der Frauenfigur in den Mühlsteinbrüchen nicht mehr äußern.