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Uhu-Paar sorgt für Aufregung in Jonsdorf

Die geschützten Vögel hatten im Nonnenfelsengebiet gebrütet. Das Landratsamt sperrte daraufhin Waldteile, was in der Gemeinde kaum einer wusste.

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Von Mario Sefrin

Jonsdorf. Die Aufregung war groß: Als das Görlitzer Landratsamt im März mit einer allgemeinen Verfügung den Klettersteig am Nonnenfelsen wegen eines Uhu-Pärchens sperren ließ, stand beim Wirt des Hotels „Gondelfahrt“ die Tür nicht mehr still. „Viele Wanderer und Kletterer fragten mich, warum der Klettersteig nicht mehr benutzt werden kann“, berichtete Hotelier Robert Schwerdtner in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Schwerdtner, der für die Fraktion Freier Wähler – Bürgerforum selbst im Gemeinderat sitzt, wusste zum damaligen Zeitpunkt aber auch nichts Genaues und musste den Unmut der Touristen erst einmal über sich ergehen lassen.

Das Landratsamt hatte die Sperrung bis zum 31. August dieses Jahres verordnet. Das von der Beschränkung betroffene Gebiet umfasste dabei den Klettersteig, die Klettergipfel „Kleine Bärbel“, „Neue Schluchtenwand“, „Nonnenturm“ und „Barbarine“ sowie die zu diesen Gipfeln führenden Kletterwege. Zwar hatte das Landratsamt für Ende Juni eine Zwischenprüfung angekündigt – die Saison am Jonsdorfer Klettersteig sowie mehrerer Klettergipfel in der näheren Umgebung aber wäre gelaufen gewesen.

Mittlerweile wissen Robert Schwerdtner und die anderen Gemeinderäte sowie die Gemeindeverwaltung mehr über die Hintergründe der plötzlichen Aktion von Amts wegen. Grund für die Sperrung des beliebten Klettersteigs war ein Uhu-Paar, das sein Nest in unmittelbarer Nachbarschaft zum Steig gebaut hatte. Da der Uhu zu den streng und besonders geschützten Tierarten gehört, hatte das Landratsamt die Horstschutzzone „Nonnenfelsen“ gesperrt und jegliches Betreten der Fläche und Besteigen der dortigen Felsen sowie des Klettersteigs untersagt. Mit solchen Maßnahmen sollen die Brut- und Wohnstätten der geschützten Tierarten behütet werden. Das Problem: In der Gemeinde wusste kaum jemand etwas von der Verfügung, auch die Verwaltung samt Bürgermeister war davon überrascht worden. „Die Stadt Zittau als Eigentümer der Waldflächen und der Deutsche Alpenverein waren informiert worden, die Gemeinde aber nicht“, sagt der Jonsdorfer Bürgermeister Christoph Kunze (Freie Wähler). Zwar war die Allgemeinverfügung auch im Landkreis-Journal veröffentlicht worden, „aber so etwas übersieht man schon mal schnell“, so Kunze. „Zumal auf den ersten Blick auch nicht ersichtlich war, dass es um Jonsdorf ging.“

Mittlerweile hat sich das Problem geklärt: „Die Eier wurden zerbrochen am Fuß eines Felsens gefunden“, sagt Christoph Kunze. Der Klettersteig ist wieder geöffnet und nutzbar. Sollte wieder einmal ein solcher Fall eintreten, dann wünscht sich der Jonsdorfer Bürgermeister, dass man auch an die Gemeinde denkt: „Ein kleiner Hinweis wäre schön“, sagt Kunze.