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Um das Überleben

Kommentar. Peter Weißenberg über die Krise bei Volkswagen.

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Ein erfolgreiches Unternehmen kann man nur mit den Arbeitnehmern führen – nicht gegen sie. Dieses Glaubensbekenntnis hat Bernd Pischetsrieder gestern öffentlich abgelegt. Der VW-Chef hat bloß nicht gesagt, woher diese Arbeitnehmer kommen sollen. Er ist schließlich Diplomat.

Denn ein Konzernlenker bei Europas größtem Autobauer muss in Wolfsburg die hässliche Wahrheit hübsch verpacken: Im Stammland Niedersachsen bekommen die Mitarbeiter mehr Lohn als in fast jeder anderen VW-Fabrik – aber sie leisten eher weniger als ihre Kollegen in Dresden, Mlada Boleslav oder Shanghai.

Diese Fakten lassen sich nicht wegdiskutieren. Aber Pischetsrieder kann sie nicht allzu offen ansprechen – sonst kegelt die Niedersachsen-Lobby aus Spitzengewerkschaftern und dem Land ihn aus dem Amt. Deswegen hat der Bayer gestern bei der Vorlage der Bilanzzahlen auch nur ganz allgemein und einmal mehr betont, dass es „ums Überleben“ gehe.

Diese Erkenntnis ist aber nicht übertrieben. Einstige Branchengrößen wie Fiat oder Rover belegen, was passiert, wenn Firmenchefs immer nur auf Kosten der Arbeiter außerhalb des Gründungslandes sparen – oder gar auf Kosten der Kunden. Auch die IG Metall muss Pischetsrieders Konzept deshalb aktiv mitgestalten. Denn anhaltenden Erfolg für die Arbeitnehmer kann man nur mit den Chefs erreichen, nicht gegen sie.