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Umarmung statt Handkuss

Nur sechs Stunden nach Amtseinführung kommt Frankreichs Präsident nach Deutschland.

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Von Michael Fischer

Es ist kaum möglich, die Eleganz eines Jacques Chirac bei der Begrüßung zu übertreffen. Der neue französische Präsident Nicolas Sarkozy versuchte auch gar nicht, seinem Vorgänger nachzueifern, als er am Mittwochabend im Ehrenhof des Kanzleramts aus dem Auto stieg. Statt mit einem Chiracschen Handkuss begrüßte er Bundeskanzlerin Angela Merkel mit einer herzlichen Umarmung und Küssen auf beide Wangen. Beim Posieren für die Fotografen legte er ihr mehrmals kumpelhaft die Hand auf die Schulter. Auch bei einer anschließenden Pressekonferenz überschüttete Sarkozy seine Gastgeberin mit Freundlichkeiten: „Liebe Angela, ich setze großes Vertrauen in dich, ich empfinde große Freundschaft für dich.“

Die deutsch-französischen Beziehungen lobte Sarkozy in den höchsten Tönen. „Ich möchte der deutschen Regierung und der deutschen Bevölkerung sagen, dass für Frankreich die deutsch-französische Freundschaft heilig ist“, sagte er. „Nichts wird diese Freundschaft infrage stellen.“ Merkel bedankte sich für den schnellen Besuch Sarkozys. Die Geste mache deutlich, dass Deutschland und Frankreich einander brauchten.

Die Reise nach Berlin war eine der ersten Amtshandlungen des Präsidenten nach dem Einzug in den Elysee-Palast. Sechs Stunden nach Amtsübernahme landete er in Berlin-Tegel. Für die erste Auslandsreise eines neuen Staatsoberhaupts ist das zumindest rekordverdächtig. Merkel reiste erst am Tag nach ihrer Vereidigung im Bundestag nach Paris und Brüssel.

Schnitzel statt Eisbein

Sarkozy begründete die Eile mit den politischen Notwendigkeiten. „Zu lange zu warten heißt, dass die Dinge nur noch viel komplizierter werden“, sagte er und gab damit seine Devise vor allem für die Bemühungen um eine EU-Verfassung aus. „Die erste dringende Aufgabe ist, Europa aus seiner Lähmung zu befreien. Es ist wirklich Eile geboten.“ Merkel glaubt, in Sarkozy einen neuen Verbündeten für das wichtigste Ziel ihrer EU-Ratspräsidentschaft gefunden zu haben. Zusammen mit ihm will sie beim EU-Gipfel im Juni den Verfassungsprozess wieder in Gang bringen. Die Bundeskanzlerin sagte, sie setze auf eine „sehr, sehr enge Abstimmung“ mit Sarkozy.

Schon beim Antrittsbesuch ging es an die Arbeit. Beim ersten Gespräch wollten Merkel und Sarkozy das weitere Vorgehen in Sachen Verfassung besprechen. Danach stand ein Abendessen auf dem Programm: Schnitzel mit Beelitzer Spargel. Auch das ist anders als beim Vorgänger Chirac, der sich bei seinen Deutschlandbesuchen stets Eisbein gewünscht hatte. (AP)