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Umbau am Cottbuser Bahnhof

Neuer Großenhainer Bahnhof wird schon wieder umgebaut – wegen der Bürokratie.

© Anne Hübschmann

Von Birgit Ulbricht

Großenhain. Weil die Arbeitsagentur seit Langem in ihrem angemieteten Behördenbau gegenüber vom Alberttreff nur noch wenige Räume belegt, wird ihr das Ganze nun zu teuer. Spätestens seit die Immobilie als Asylunterkunft im Gespräch war, wurde klar: Das Amt zieht aus. Asylunterkunft ist das Objekt wegen der hohen Umbau- und Mietkosten nun zwar am Ende nicht geworden, doch die Agentur hat sich dennoch etwas Neues gesucht.

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Dabei wurde der Cottbuser Bahnhof erst im Dezember 2003 neu eingeweiht. Erbaut wurde er übrigens im Jahr 1862. Eine Zusammenlegung mit dem Berliner Bahnhof, wie 1916/17 gewollt, fand nicht statt. Der Berliner Bahnhof schloss 2002.
Dabei wurde der Cottbuser Bahnhof erst im Dezember 2003 neu eingeweiht. Erbaut wurde er übrigens im Jahr 1862. Eine Zusammenlegung mit dem Berliner Bahnhof, wie 1916/17 gewollt, fand nicht statt. Der Berliner Bahnhof schloss 2002. © Archiv/Klaus-Dieter Brühl
Thomas Röthig begleitet nun den erneuten Umbau.
Thomas Röthig begleitet nun den erneuten Umbau. © Anne Hübschmann

Sie zieht auf knapp 300 Quadratmeter in die erste Etage des Cottbuser Bahnhofs ein. Allerdings erst nach einem Umbau, der jetzt voll im Gange ist, denn die Behörde besteht darauf, dass die Räume pro Mitarbeiter nur zwölf Quadratmeter betragen. Das Bild, das sich am Cottbuser nun bietet, verleitet selbst Stadtmitarbeiter Thomas Röthig für einen Moment zum Kopfschütteln.

Private Mieter würden das nicht tun

In den Büroräumen werden Trockenbauwände herausgenommen, so vorsichtig wie nur irgendwie möglich, um keinen Schaden auf dem guten Teppichbelag zu machen. Trotzdem müssen allein wegen des Durchbruchs für den Aufzug aus dem unteren Geschoss auch hier oben Teppiche neu verlegt, die Heizung umgelegt und sogar die Elektrik neu angebracht werden.

Nein, ein Privater würde das nie tun. Denn der Cottbuser Bahnhof wurde erst im Dezember 2003 neu eingeweiht. Nichts ist hier alt. Aber die Stadt konnte nicht anders. Hätte sie die Vorgabe der Arbeitsagentur nach Zwölf-Quadratmeter-Büros abgelehnt, wäre die Behörde sicher ganz aus Großenhain weggegangen. Im Rathaus hat man einen weiteren Behördenwegzug unbedingt verhindern wollen.

Außerdem standen die Räume ohnehin seit Längerem leer, denn nachdem die Verkehrsgesellschaft Meißen (VGM) ausgezogen war und sich mit dem Erdgeschoss begnügte, hatte der Landkreis Meißen die erste Etage im Bahnhof noch übergangsweise für ein paar Ämter angemietet, doch dann war es auch damit vorbei. Die Stadt bekam die Kündigung der Büros. Also blieb nur der neue Interessent Arbeitsagentur.

Der Preis dessen ist nun auch der Komplettumbau im Erdgeschoss – von der Gleisseite aus, wo es eine moderne Rampe gibt. Hier wird der Vorraum zum neuen Aufzug komplett vom restlichen Bahnhofsgebäude mit Bistro abgetrennt, damit die Forderung erfüllt ist, einen behindertengerechten Zugang zu haben. Die Agentur-Mitarbeiter können dann auf ein Klingeln hin den Rollstuhlfahrer oder Gehbehinderten im Erdgeschoss abholen.

Umbau kostet über 100 000 Euro

Der Umbau des Cottbuser Bahnhofs soll insgesamt 103 500 Euro kosten. Die Bundesagentur übernimmt davon 32 700 Euro. 22 Prozent der Bausumme werden über die „Umfeldverbesserung“ des Programms „Stadtumbau Ost“ gefördert.

Diese „Verbesserung“ soll sich in den nächsten fünf Jahren rechnen, wie es so schön heißt. Als Kaltmiete sind 6,50 Euro vereinbart. Über die Mietkosten ist dann die Bausumme wieder herein. Und für genau diese Zeit wurde zunächst der Mietvertrag mit der Arbeitsagentur abgeschlossen. Was danach wird, ist offen. Entweder die Behörde bleibt, oder es findet sich ein anderer Nachmieter.

Die Arbeitsvermittler sollen am 15. April einziehen. Am Montag, dem 2. Mai, soll die Beratung für die Arbeitslosen losgehen. Die Arbeitsagentur war zuletzt in die Kritik geraten, weil Arbeitslose nur nach vorherigem telefonischen Kontakt überhaupt noch Termine für die Außenstelle in Großenhain vereinbaren konnten.

Die Arbeitsagentur – noch einmal danach gefragt – verweist auf ihre gute Zahlen: Im Bereich der Geschäftsstelle Großenhain hat sich der Arbeitsmarkt gut entwickelt, so Sprecherin Berit Kasten. Im Dezember 2015 waren 1851 Arbeitslose gemeldet (zum Vergleich 2005: 4 837). Die Vermittler betreuen in ihrer Zuständigkeit nur noch 469 Menschen. „Diese Entwicklung hatte Auswirkungen auf die Zahl der Mitarbeiter, Service und Infrastruktur“, so Berit Kasten.