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Umbruch in der Kneipenlandschaft

Die Gemeinde hat in ihren vier Orten fünf Gaststätten. Bei jedem Lokal stehen die Zeichen auf Veränderung.

© Sebastian Schultz

Von Eric Weser

Röderaue. Vier Gaststätten hat die Gemeinde Röderaue bis Ende vorigen Jahres über ihre Tochterfirma Visio betrieben. Von dem Quartett ist mittlerweile aber nur noch das Auencafé in Frauenhain übrig. Bleiben kann es dabei nicht. Die Gaststättenlandschaft in der Röderaue ist derzeit schwer im Umbruch. Doch von vorn.

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Privatisiert: das Waldhäusl Frauenhain.
Privatisiert: das Waldhäusl Frauenhain. © Sebastian Schultz
Privatisiert: die Rollmopsschänke Koselitz
Privatisiert: die Rollmopsschänke Koselitz © Sebastian Schultz
Geschlossen: der Landgasthof in Raden.
Geschlossen: der Landgasthof in Raden. © Sebastian Schultz
Geschlossen: der Landgasthof in Pulsen.
Geschlossen: der Landgasthof in Pulsen. © Sebastian Schultz

Schon seit Jahren kämpft die 2 700-Einwohner-Gemeinde mit einer angespannten Haushaltslage. Die ist nicht zuletzt durch die Gemeindetochterfirma Visio verursacht. Das Unternehmen hat nicht nur vier Gastlokale betrieben, sondern ist daneben vor allem als Veranstalter des jährlichen Inselfestes aufgetreten. Die Fete in Frauenhain erwirtschaftete bis 2016 allerdings enorme Defizite. Die Gemeinde gewährte der Visio deshalb immer wieder finanzielle Hilfe. Die Finanzbeziehungen von Gemeinde und -tochterfirma missfielen allerdings den Aufsehern beim Landkreis Meißen. Die Röderaue kam unter verstärkte Aufsicht und musste sparen.

Später kamen zudem Unregelmäßigkeiten ans Licht, die Bürgermeister Lothar Herklotz (CDU) ein Disziplinarverfahren einbrachten. Herklotz hatte der Visio Gelder für das Inselfest bewilligt, den Gemeinderat dazu aber nicht befragt. Der Verstoß brachte dem Gemeindechef eine hohe Geldstrafe ein. Daneben zeichnete sich immer mehr ab, dass die hoch verschuldete Visio nicht mehr wie bisher weitermachen kann. Ende vorigen Jahres dann das Ultimatum: 2018 müssen die von der Visio betriebenen Gasthäuser privatisiert werden. Oder, falls das nicht klappt, zumachen.

Im Fall der Rollmopsschänke Koselitz und des Waldhäusls in Frauenhain scheint die Privatisierung nun gelungen. Die Gemeinderäte haben beschlossen, dass die Gemeinde einen Pachtvertrag für beide mit einer Firma namens Unternehmergesellschaft Landgenuss mbH schließt. Hinter dieser Firma stehen laut Hauptamtsleiterin und Visio-Chefin Kerstin Herklotz zwei ehemalige Visio-Mitarbeiterinnen.

Vereinzelt gab es vor dem Beschluss Bedenken. Welche Unterstützung die Gemeinde gewähre, wollte Peter Tschäpe (Linke) wissen. Angelika Meyer (SV Frauenhain) sagte, sie mache stutzig, dass die neue Firma gleich zwei Gaststätten übernehm wolle.

Die Frauen wüssten, worauf sie sich einlassen, so Vize-Bürgermeister Heiko Königsdörfer, der Gemeindechef Lothar Herklotz in der Sitzung vertrat. Unterstützung gewähre die Gemeinde über einen bis Jahresende geminderten Pachtzins für die Gasthäuser, hieß es weiter.

Eine Privatisierung einer weiteren Visio-Gaststätte scheint unterdessen gescheitert: Der Radener Landgasthof ist schon seit mehreren Wochen zu. Eine Wiedereröffnung sei jedoch denkbar, so Vize-Bürgermeister Heiko Königsdörfer gegenüber der SZ. Vorausgesetzt, es finde sich ein neuer privater Betreiber.

Den bräuchte es auch im Landgasthof Pulsen. Auch dieses Gaststättengebäude gehört der Gemeinde Röderaue. Betrieben hat es allerdings seit 1996 ein Privatmann. Der 65-Jährig will allerdings Anfang Juni in den Ruhestand gehen. Einen Nachfolger gebe es trotz Suche bisher nicht, erzählt der scheidende Gastwirt am Telefon.

Die derzeit letzte noch in Händen der Visio verbliebene Lokal – das Auencafé in Frauenhain – setzt derweil seinen Betrieb fort. Wie lange noch, ist unklar. In den nächsten Monaten müsse auch für diese Gaststätte eine neue Lösung gefunden werden, sagt Vize-Bürgermeister Heiko Königsdörfer. Fest steht so viel: Die Visio kann das Auencafé nicht unter ihren Fittichen behalten. Die kommunale Tochterfirma wird zum Jahresende aufgelöst.