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Umfrage: Jugendliche fühlen sich von Politik im Stich gelassen

Jeder zweite Schüler in Deutschland kennt nicht einmal den Namen seines Bürgermeisters. Über Politik wird außerhalb der Schule kaum gesprochen - auch aus Resignation, warnt das Kinderhilfswerk.

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Berlin. Zwei von drei Jugendlichen in Deutschland sehen einer Studie zufolge ihre Interessen von der Bundesregierung nicht genügend vertreten. Auf kommunaler Ebene haben sogar nur 15 Prozent den Eindruck, dass sich Politiker für die Meinung junger Leute interessieren. Das ist das Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Deutschen Kinderhilfswerks, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach möchte sich jeder zweite Befragte überhaupt nicht politisch engagieren, nur neun Prozent der Kinder und Jugendlichen würden in einer Partei mitmachen. Befragt wurden 830 Jungen und Mädchen zwischen 10 und 17 Jahren.

„Die Ergebnisse geben Anlass zur Unruhe“, sagte Kinderhilfswerk-Präsident Thomas Krüger. Viele Kinder hätten „zugemacht“ und ließen politische Kommunikation nicht mehr an sich heran. Die meisten kannten nicht einmal den Namen des Bürgermeisters in ihrem Ort. „Die Politik muss auf allen Ebenen alles daran setzen, das Vertrauen der Kinder und Jugendlichen wieder herzustellen“, forderte Krüger.

Das Gefühl, dass die Bundespolitik sie im Stich lasse, sei bei den Schülern aber immer noch weniger stark ausgeprägt als bei vielen Erwachsenen. Bei einer ähnlichen Frage im Fairnessbarometer hätten fast drei Viertel der Erwachsenen die Regierung als unfair bezeichnet.

Der Wille zu politischem Engagement steigt bei Kindern der Umfrage zufolge bis zum 15. Lebensjahr an. In dieser Zeit helfe die Schule beim Bilden von Werturteilen und schüre das Interesse. Danach - in der zentralen Phase der Pubertät - sei ein deutlicher Bruch zu verzeichnen, sagte Krüger. Das sei ein Grund, über das Wahlalter in Deutschland nachzudenken. „Man sollte die ersten Wahlerfahrungen nicht erst dann ansetzen, wenn der Bruch bereits vollzogen ist.“ Ziel müsse sein, Jugendliche dann wählen zu lassen, wenn sie politisch am meisten interessiert seien, also bereits mit 14 Jahren.

Wichtigste politische Informationsquelle ist für Kinder und Jugendliche die Schule. Auffällig sei hier, dass sich Hauptschüler besser informiert fühlten, als Realschüler oder Gymnasiasten, sagte Krüger. Mit ihren Eltern dagegen redet mehr als die Hälfte der Befragten nur selten oder nie über Politik und aktuelle Ereignisse in der Welt. Auch im Freundeskreis ist Politik nur bei einem Drittel der Befragten Thema. (dpa)