Merken

Umstrittenes Treffen der Mächtigen beginnt

Ab heute treffen sich in Dresden Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit. Zum Auftakt der Konferenz bleibt der Protest aber eher verhalten.

Teilen
Folgen

Dresden. In Dresden beginnt die umstrittene Bilderberg-Konferenz. Am Donnerstagnachmittag sind die ersten Teilnehmer eingetroffen. Unter großem Sicherheitsaufwand kamen sie im abgesperrten Taschenbergpalais in der Altstadt an. Auf dem nahegelegenen Theaterplatz vor der Semperoper veranstalteten währenddessen einige Dutzend Demonstranten eine „Mahnwache für Frieden“. „Wir sind keine Verschwörungstheoretiker, aber wir wissen nicht, was da passiert“, sagte ein Redner. „Wir wollen darauf hinweisen, dass die Demokratie in Gefahr ist.“ Auch rechte Gruppen richteten Info-Stände in der Nähe des Tagungshotels ein, um gegen die Bilderberger zu protestieren. So versammelten sich rund 60 Teilnehmer bei der angemeldeten Kundgebung der NPD auf dem Postplatz. Nach Angaben der Polizei gab es keine nennenswerten Zwischenfälle.

Bis Sonntag wollen rund 130 renommierte Persönlichkeiten und Entscheider aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien streng abgeschirmt von der Öffentlichkeit über das Weltgeschehen beraten. Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen, Finanzminister Wolfgang Schäuble und Innenminister Thomas de Maizière (alle CDU) wollen kommen. Traditionell nimmt auch der König der Niederlande, Willem-Alexander, an der Konferenz teil.

Themen der 64. Konferenz sind unter anderem die Flüchtlingskrise, die politische und wirtschaftliche Lage in Europa und den USA sowie China, Russland und der Nahe Osten.

Kritiker werfen den Teilnehmern vor, als „elitärer Zirkel“ demokratischen Grundprinzipien entgegenzustehen. Zum Auftakt der Konferenz, die am Abend im Taschenbergpalais in der Altstadt mit einem Essen beginnen soll, sind sechs Protestkundgebungen angekündigt, bis Sonntag insgesamt 20. Das politische Spektrum der Gegner reicht von ganz links bis zur rechtsextremen NPD. Die Stadt hat rund um den Tagungsort ein Versammlungsverbot verhängt. Für die Sicherheit sollen an den Konferenztagen 400 Polizisten sorgen.

Schon seit ihrem ersten Treffen 1954 im Bilderberg-Hotel des damaligen Prinzgemahls der niederländischen Königin wird die Konferenz nach der sogenannten „Chatham House Rule“ abgehalten. Sie gestattet Teilnehmern zwar, die erhaltenen Informationen zu verwenden. Aber weder Identität noch Zugehörigkeit der Redner oder anderer Teilnehmer dürfen preisgegeben werden. Veröffentlicht wird außer einer Teilnehmer- und einer Themenliste nichts. Das schafft Raum für Spekulationen.

„Es ist eine informelle Gruppe, die über verschiedene Themen spricht und die Diskussion hinter verschlossenen Türen führt, um die Gespräche zu erleichtern“, sagt Henri de Castries, Chef des Axa-Versicherungskonzerns und Vorsitzender des Lenkungsausschusses der Bilderberger. Dass es sich bei den Konferenzteilnehmern um eine Machtelite handelt, sei nicht relevant. „Es ist kein Parlament, keine operative Organisation.“ Schließlich würden auch keine Entscheidungen getroffen. „Warum sollten diese Menschen nicht das gleiche Recht auf Privatsphäre haben wie jeder normale Bürger?“

Das „Märchen“ von der Weltregierung

Einer, der schon mal dabei war und aus seiner Partei dafür auch Schelte bezog, ist Jürgen Trittin. 2012 war er Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bundestag. „Von der Diskussionskultur ist das eigentlich mit jeder Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung oder der Konrad-Adenauer-Stiftung oder der Münchner Sicherheitskonferenz zu vergleichen“, erzählt er. Trittin sieht bei der Mythenbildung auch einen Zusammenhang mit der Entstehung der Konferenz. „Bilderberg hat seine Tradition schon aus der Zeit des Kalten Krieges.“ Die Konferenz-Lenker hätten auch viel selbst dazu beigetragen, „weil sie lange Zeit doch noch viel abgeschlossener als heute miteinander getagt haben“.

Mehr Transparenz würde seiner Ansicht nach dabei helfen, das „Märchen“ von der Weltregierung zu beenden. „Es ist ein Märchen, denn wenn es die Weltregierung wäre, dann wäre die Welt eine Monarchie, denn es ist immer der König - früher war es die Königin - der Niederlande dabei. Und dann würde es heißen „Willem Alexander rules the world“. Das ist ungefähr so zutreffend wie die berüchtigten Chemtrails, die angeblich im Auftrag der Bilderberg-Konferenz über Europa versprüht werden.“ Verschwörungstheoretiker vermuten in den Kondensstreifen der Flugzeuge am Himmel eine gezielte Strategie zur Beeinflussung der Bevölkerung mit Hilfe von Chemikalien. (dpa/szo)