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Umweltschule Dresden plant nächste Schuljahre

© Sven Ellger

Nach den Querelen mit der Bildungsagentur blicken Lehrer und Eltern nach vorn und setzen auf neue Partnerschaften.

Von Ulrike Kirsten

Julia Pörschke ist optimistisch. Vorsichtig optimistisch. Die Auseinandersetzungen mit der Sächsischen Bildungsagentur (SBA), die im Juni sogar vor dem Verwaltungsgericht Dresden landeten, wollen Schulleiterin, Pädagogen und Eltern der Natur- und Umweltschule (NUS) hinter sich lassen. Dabei ist das Urteil der Richter eindeutig. Die Bildungsagentur muss den Betrieb der Grundschule am Manfred-von-Ardenne-Ring 20 genehmigen, obwohl sie diesen nach diesem Schuljahr einstellen wollte. Doch noch ist der Richterspruch nicht rechtskräftig. „Gegenwärtig werden die Urteilsgründe des Verwaltungsgerichts ausgewertet. Eine Positionierung der SBA ist in der nächsten Woche zu erwarten“, sagt SBA-Sprecherin Katrin Reis.

An der Umweltschule geht unterdessen der Alltag weiter. Pädagogen und Eltern wollen die Zukunft planen, Ideen entwickeln, wie es mit der Schule weitergehen kann. Die Einrichtung hatte dazu am Mittwoch zum Runden Tisch eingeladen, der auf breites Interesse stieß. Neben einzelnen Stadträtinnen war Landtagsvizepräsident Horst Wehner (Linke) sowie der Klotzscher Ortsamtsleiter Christian Wintrich, Mitarbeiter der TU und Vertreter anderer freier Schulen und sozialer Trägervereine gekommen. Wichtigstes Ziel für Schulleiterin Julia Pörschke und Katrin Förster vom Träger der Einrichtung, dem Verbund sozialpädagogischer Projekte (VSP), ist es, zunächst mit der Bildungsagentur wieder ins Gespräch zu kommen. „Wir wünschen uns einen guten, fachlichen Austausch mit der Behörde, nur so hat die Schule überhaupt eine Zukunft“, sagt Katrin Förster.

Seit vier Jahren gibt es die Umweltschule, die auf ein besonders naturnahes und nachhaltiges pädagogisches Konzept setzt. Immer wieder hatte es seitdem Konflikte mit der Bildungsagentur gegeben, die die weitere Genehmigung der Schule in den vergangenen Jahren in Verbindung mit einem langen Auflagenkatalog gestattet und den Schulbetrieb nur geduldet hatte. Man wolle neue Netzwerke knüpfen und Partner finden, die die Schule im fachlichen Austausch mit der SBA unterstützen, so Katrin Förster. Dabei geht es vor allem auch darum, wie die individuellen Tages- und Wochenpläne sowie die Lern- und Projektzeiten, die die Umweltschule von einer staatlichen Schule unterscheiden, besser für die SBA übersetzt werden können.

Denn die Bildungsagentur misst freie Schulen an den Lehrplänen staatlicher Schulen. Diese müssen in etwa übereinstimmen, damit alternative Schulen auf Dauer genehmigt werden. Deshalb will sich die Umweltschule nun mit anderen freien Schulen noch besser austauschen. Dies könne eine große Bereicherung sein, sagte Anja Apel, die nicht nur für die Linke im Stadtrat sitzt, sondern auch als Lehrerin an der Freien Alternativschule Dresden arbeitet und weiß, dass der Weg zur dauerhaften Genehmigung und Akzeptanz einer freien Einrichtung ein langer sein kann. Geplant ist nun ein regelmäßiger Austausch zwischen den Schulen.

Erste Kontakte konnte die Umweltschule am Mittwoch zudem zur TU knüpfen. Michael Hecht von der Fakultät Erziehungswissenschaften gab Tipps. „Sie machen hier tolle Arbeit. Aber gehen Sie kleine Schritte und denken Sie nicht schon jetzt nach, was in zehn Jahren ist“, sagte der promovierte Wissenschaftler, der unter anderem zu Reformpädagogik forscht. Er merkte an, die Wissenschaft solle nicht zur Legitimation der Schule ins Boot geholt werden, sondern dazu, gemeinsam reflektieren, was verbessert werden kann, als Art fachlicher Beratung. Ein objektiver Blick von außen sei befruchtend.

Als Ergebnis des Runden Tisches will die Umweltschule künftig außerdem Verbindungen zu Stiftungen und zur Wirtschaft als starke Partner suchen. Mit solchen Kooperationen sei sicherlich vieles möglich, ist sich Julia Pörschke sicher.