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Unbekannte beschädigen 50 Autos

In Gröditz ziehen zwei junge Männer durch ein Wohnviertel – und hinterlassen einen Schaden in fünfstelliger Höhe.

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© SZ/Uwe Soeder

Von Jens Ostrowski und Eric Weser

Gröditz. Eine Sachbeschädigung mit diesem Ausmaß hat Riesas Polizeichef Hermann Braunger nach eigenen Angaben in seiner gesamten Dienstzeit nicht erlebt. In der Nacht zum Sonntag haben Unbekannte mindestens 53 Autos im Bereich der Gröditzer Mozartallee, Liszt-, Beethoven- und Bach-Straße beschädigt. Das Ergebnis im sogenannten Musikerviertel war eine einzige Spur der Verwüstung: zertrümmerte Scheiben, zerkratzter Lack, geknickte Scheibenwischer, demolierte Rückspiegel. Der Sachschaden ist enorm. Die Polizei beziffert ihn vorläufig auf 40 000 Euro.

Der Opel von Michael Rohns Freundin ist eins der Fahrzeuge, das bei dem nächtlichen Vandalismus-Streifzug ins Visier der Täter geriet. An der Fahrerseite haben sie eine lange Schramme im dunkelgrünen Metallic-Lack hinterlassen. Doch es geht noch dreister: Auf der Oberseite der Kofferraumklappe verewigten sich die Zerstörer, indem sie die Bezeichnung eines männlichen Geschlechtsorgans in den Lack ritzten. Und auch der Volkswagen, den Michael Rohn selbst fährt, hat etwas abbekommen. Der 31-Jährige ist erschüttert über so viel sinnlose Zerstörungswut. Die Kratzer in den Autos seien mit so viel Kraft tief ins Metall getrieben, dass sich massive Metallspäne gekräuselt hätten. Jetzt muss ein Profi ran und die Fahrzeugteile neu lackieren. Und auch die Embleme müssen bestellt werden. Die hatten die Täter – offenbar keine Sammler – regelrecht abgefetzt.

Auch Denis Freitag muss den Stern an seinem Mercedes ersetzen. „Ich bin am Sonntagmorgen gegen Drei mit dem Auto nach Hause gekommen“, sagt der 21-jährige Anwohner. Da habe das charakteristische Markenzeichen noch auf der Motorhaube geprangt. Wenige Stunden war es nicht mehr da. Dafür aber die Polizei. Die Beamten nahmen am Sonntagmorgen die Schäden auf. „Die gesicherten Spuren bilden nun eine Grundlage für weitere Ermittlungen“, heißt es von der Dresdner Polizeidirektion auf SZ-Anfrage.

Bei den Anwohnern im Musikerviertel sorgt die Tat für Bestürzung. „Ich habe davon gehört“, sagt ein älterer Herr, der die Nachmittagssonne auf seinem Balkon im Erdgeschoss eines Wohnblocks auf der Liszt-Straße genießt. „Das ist purer Wahnsinn“, fügt er und weist auf einen roten Peugeot-Kleinwagen, bei dem eine Scheibe behelfsweise durch eine Plastikfolie ersetzt ist. „Den hat es auch erwischt.“ Sein eigener Wagen sei verschont geblieben, sagt der Mann.

„Ich kann mir nicht erklären, wieso man so etwas macht“, fügt der Gröditzer noch an. Gesehen oder gehört habe er von der nächtlichen Aktion nichts. Ähnlich wie ein Seniorenpärchen, das im Erdgeschoss an der Mozartallee wohnt. Die Nachricht von den zerkratzten Autos hören die beiden zum ersten Mal – und sind baff. „Wir schlafen hinten raus, da bekommen wir nicht mit, was auf der Straße passiert.“

Ähnlich ging es auch Bärbel Backasch, die keine Notiz davon nahm, wie an ihrem Peugeot in der Nacht randaliert wurde. Fast einen Herzinfarkt habe sie bekommen, als die Polizei sie am Sonntagmorgen gegen 5.30 Uhr aus dem Bett klingelte, erzählt sie. „Ich solle bitte ’runterkommen, es gäbe einen Schaden an meinem Auto, haben sie gesagt.“ Auf der Fröbelstraße angekommen, zeigt sich dessen ganzes Ausmaß: „Mir haben sie die Scheibe auf der Beifahrerseite kaputtgemacht“, erzählt sie.

Aus dem Auto ließen die Täter dann noch Parfüm und CDs mitgehen. Ihren Peugeot habe sie zwischenzeitlich in die Werkstatt gebracht, sagt Bärbel Backasch. „Dort waren auch viele andere, denen sie am Wochenende das Auto beschädigt haben“, erzählt sie. Heute will sie ihren reparierten Wagen wieder abholen. Den Schaden, hofft sie, trägt die Versicherung.

Die Polizei ermittelt nun auf Hochtouren. Bis alle Geschädigten befragt worden sind dauert es noch. Eine Zeugin berichtet aber von zwei jungen Männern mit Kapuzenjacken, die sie in der Nacht dabei beobachtet hatte, wie sie Autos demolierten.

Eine Fotostrecke mit beschädigten Autos gibt es im Netz unter facebook.com/riesasz