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Unbekannte sprechen in Freital Kinder an

Mehrmals sollen Männer versucht haben, Grundschüler anzulocken. Ermittlungen laufen. Hängen die Vorfälle miteinander zusammen?

In Zauckerode sind Eltern und Kinder in heller Aufregung, weil unbekannte Grundschüler ansprechen.
In Zauckerode sind Eltern und Kinder in heller Aufregung, weil unbekannte Grundschüler ansprechen. © Karl-Ludwig Oberthuer

Die Polizei ermittelt derzeit in mehreren Fällen zu Personen, die in Zauckerode versucht haben sollen, Kinder zum Mitkommen zu überreden. Am Dienstagmorgen wurde ein Achtjähriger auf der Oppelstraße aus einem Auto heraus angesprochen. Wie die Polizei mitteilt, stoppte der Mann neben dem Kind und gab vor, dass es der Mutter des Achtjährigen schlecht gehe. Gleichzeitig forderte er den Jungen auf, in das Auto zu steigen. Der Achtjährige lehnte dies ab und lief davon.

Die Polizei sucht nun nach dem Täter und bittet Zeugen, die den Vorfall beobachtet haben, um Unterstützung. Das Tatfahrzeug wurde als grauer Skoda mit Pirnaer Kennzeichen beschrieben. Zum Fahrer selbst liegen keine Angaben vor. 

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Allerdings ist dies nicht der einzige Vorfall in Zauckerode, bei dem sich mindestens eine männliche Person Kindern unangemessen genähert haben soll. Seit Tagen wird auf Facebook über weitere oder ähnliche Vorgänge in dem Freitaler Stadtteil spekuliert. 

Vorfälle häufen sich

Der erste Bericht las sich zunächst noch wie ein Einzelfall. Vergangene Woche postete eine Mutter, dass ihr Sohn um die Mittagszeit nahe der Bushaltestelle am Pulverturmweg von einem Mann angesprochen worden sei. Der Unbekannte mit einem markanten Kinnbart wollte dem Kind angeblich etwas Interessantes zeigen, es solle doch mal mitkommen, schrieb die Frau. Sie hat den Vorfall der Polizei gemeldet. 

Noch am gleichen Abend befanden sich gegen 18 Uhr Kinder auf dem Heimweg vom Mehrgenerationenpark. Auch sie wurden am Pulverturmweg/Weg zum Birkenwäldchen angesprochen und wohl sogar verfolgt. So berichtet es deren Mutter, die sich sofort ins Auto setzte, um der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei entdeckte sie sogar zwei Männer, die sich in der Nähe der Kinder aufhielten. Die Frau rief nach eigener Aussage die Polizei. Als die Beamten eintrafen, seien die Männer jedoch bereits verschwunden gewesen.

Der nächste bekannte Vorfall ereignete sich dann am Sonntag. Zunächst schrieb ein Vater bei Facebook, dass seine neunjährige Tochter und deren Freundin auf dem Nachhauseweg vom Zauckeroder Bad von zwei Männern verfolgt worden seien. Die Mädchen waren aber auf Rollern unterwegs und konnten die Unbekannten abhängen. 

Der Polizei liegt dazu inzwischen eine Aussage vor. Demnach hätten die Männer "Hallo" gesagt, die Mädchen seien dann davongerollert. War dies ebenfalls ein Annäherungsversuch oder handelt es sich hier um ein Missverständnis? Noch während sich das einige fragten, kam der Fall vom Dienstagmorgen hinzu. 

Polizei verstärkt Präsenz und sucht Zeugen

Während die Ermittlungen noch laufen, ist die Aufregung und Verunsicherung in Freital, insbesondere in Zauckerode, groß. Die Wut auf Männer, die Kinder ansprechen und mitlocken wollen, bricht vor allem bei Facebook offen aus. "Schweine", "Dreckspack" und ähnliche Schimpfwörter fielen dabei in einigen Kommentaren. 

Schnell musste die Polizei als Sündenbock herhalten. "Was soll da oben noch alles passieren, bis sich unsere gute Polizei einschaltet und dagegen mal was Unternehmen tut, bevor da erst noch was ernsteres passiert", fragte einer. Ein anderer Kommentator antwortet: "... unsere Polizei ist der Zeit völlig ausgelastet mit der Überwachung von Corona vergehen, wenn das vorbei ist, kann wieder auf Schutz gegen Kriminelle gehofft werden."

Das weist man seitens der Polizeidirektion Dresden von sich. "Wir nehmen die Vorfälle sehr ernst und gehen dazu allen Hinweisen nach", sagt Pressesprecher Mario Laske. Die Präsenz sei im Bereich Zauckerode verstärkt worden. Laske: "Sowohl Kollegen in Uniform als auch in Zivilkleidung sind in dem Gebiet unterwegs." Zudem haben Kriminalbeamte noch einmal ausführlich mit dem Achtjährigen und dessen Eltern gesprochen, der aus dem Auto heraus angesprochen wurde.

Noch ist sich die Polizei keineswegs sicher, dass es sich immer um den oder dieselben Männer handelt. Die Personenbeschreibungen, so welche vorliegen, sind sehr verschieden. Ebenso variiert die Herangehensweise. Wichtig sei deshalb, so betont Laske, dass die Eltern oder Lehrer, wenn sie von solchen Vorfällen erfahren, schnell handeln. "Wenn wir zeitnah von so einem Fall erfahren, können wir schnell eingreifen und auch vor Ort Maßnahmen treffen." Zudem stehe man in Kontakt mit der Schule und werde dort demnächst entsprechende Präventionsmaßnahmen anbieten.

Polizei warnt vor Selbstjustiz

Manchen Zauckerodern geht das alles nicht schnell genug. Sie spornen sich bei Facebook gegenseitig dazu an, tätig zu werden. Es gibt bereits Aufrufe, sich zu treffen und Patrouille zu laufen. "Davon kann ich nur abraten. Bürgerwehren oder Selbstjustiz sind nicht das Mittel der Wahl. Das kann auch juristische Konsequenzen haben", sagt Polizei-Sprecher Laske. Die Ermittlungsarbeit solle man den Profis überlassen. 

Viel sinnvoller ist es, dass die Eltern mit ihren Kindern reden und sie auf die Gefahr hinweisen. Wichtig ist dabei, den Mädchen und Jungen zu erklären, dass es durchaus Erwachsene gibt, die den Kindern wehtun und schaden wollen. Niemals sollen die Kinder auf solche Annäherungsversuche eingehen, sondern sich so schnell wie möglich entfernen - egal, was ihnen versprochen oder angeboten wird.  

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Wer hat Wahrnehmungen im Zusammenhang mit dem Sachverhalt gemacht? Wer kann weitere Aussagen zum Fahrer oder dem Fahrzeug treffen? Hinweise nimmt die Polizeidirektion Dresden unter der Rufnummer 0351 483 22 33 entgegen.   

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