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Und Action, Dresden!

Großaufgebot im Dresdner Zwinger: Am Donnerstag drehte dort das Team der wohl bekanntesten Autobahnpolizei Stunts für eine neue Staffel.

© Robert Michael

Von Nadja Laske

Dresden.Die Zigaretten-Zarin blinzelt in die Nachmittagssonne. Die steht herbstlich trüb über dem Zwinger. Ganz klein in der großen Entfernung ist die Chefin der illegalen Bande zu sehen. Steht an der Balustrade und guckt grimmig. Gleich werden sich ihre Leute mit einem lädierten Duo anlegen: Cobra-11-Kommissar Semir Gerkhan und seinem Kollegen Paul Renner.

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Ersterer, gespielt von Erdogan Atalay, sieht schon erbärmlich mitgenommen aus, noch bevor die Zigarettenschmuggler übergriffig werden. Sein rechtes Bein steckt in Gips, vom Oberschenkel bis zum kleinen Zeh. Auf der blauen Schutzbinde steht mit schwarzem Filzstift geschrieben „Dresden is doof“. Aha? Auch sein linker Arm taugt gerade wenig, hängt geschient in einer Schlaufe. Der 51-Jährige ist beim vergangenen Dreh im Elbsandsteingebirge nicht etwa von der Barbarine gefallen. Das hier ist kein Betriebsunfall – sondern ein Zeichen des schonungslosen Einsatzes als Autobahn-Ermittler im Team Cobra 11.

Mit ein paar Kratzern im Gesicht hat sein Kollege, der Schauspieler Daniel Roesner, die vorherigen Szene deutlich besser für sich entschieden. Jetzt geht es schon wieder um den ganz großen Stress zwischen Gesetzeshütern und Gesetzesbrechern. Dass die nächste Autobahn nicht gerade um die Ecke ist, tut nichts zur Sache. Die neue und inzwischen 32. Staffel der RTL-Krimiserie „Alarm für Cobra 11“ trägt den Arbeitstitel Klassenfahrt und kommt in Sachsen tatsächlich in Fahrt, zunächst in der Sächsischen Schweiz und nun in Dresdens Altstadt.

Während die Karpfen gemächlich ihre Runden durch den Zwingerteich drehen, herrscht Aufregung unterm Kronentor. Das Drehteam hat sich dort postiert, ungeachtet der üblichen Touristenschwärme. Der Kameramann richtet den Fokus auf die kleine Brücke, die aus Richtung Schauspielhaus in den Zwingerhof führt. Zwei verschleierte Frauen huschen erschrocken in Deckung, warten in der Langgalerie, bis die Filmsequenz im Kasten ist.

Mit rund 70 Leuten ist die Crew der Produktionsfirma Action-Concept vor Ort, vom Schauspieler bis zum Kabelträger. Sie ist auf Film- und Stuntproduktionen spezialisiert und seit 21 Jahren für die Action-Serie engagiert. Weil ein Drehtag „mehrere 100  000 Euro kostet“, wie die Presseverantwortliche Elke Schubert sagt, müssen die Szenen flott hintereinanderweg aufgenommen werden. Trotz des knappen Terminplans nehmen sich die Hauptakteure Zeit für ein Gespräch.

In seinem Rollen-Leben ist es Erdogan Atalay ja sichtlich schlecht ergangen. In Wirklichkeit habe er sich aber noch nie bei Dreharbeiten für Cobra 11 verletzt. Dabei spielen er und Daniel Roesner viele Szenen tatsächlich, auch wenn die heutige Filmtechnik jede Menge Tricks zulässt. „Sicherheit geht vor“, sagt Atalay. All die spannungsvollen Bilder nur noch tricktechnisch produzieren zu lassen, sei aber sehr teuer und würde den Schauspielern auch nur noch halb so viel Spaß machen. „Am liebsten möchte ich alle Stunts selber machen“, sagt Daniel Roesner.

Der 33-Jährige mit den blonden Strubbelhaaren ist zum ersten Mal in Dresden und begeistert von dem Wenigen, was er bisher von der Stadt gesehen hat. „Ich wünschte, ich könnte für Cobra 11 immerzu an so tolle Orte auf der ganzen Welt reisen.“ Sein Filmkollege hatte schon etwas mehr Zeit, um sich in Dresden umzusehen. „Ich habe eine Rikscha-Tour unternommen und ganz viel über die Stadtgeschichte gelernt“, erzählt er: Von Meißner Porzellan über historische Putztechniken bis hin zum Faible der sächsischen Könige für italienisches Flair kennt er sich nun bestens aus.

Ist Dresden also doch nicht so doof? Die Schauspieler lachen. „Auf keinen Fall. Wir fühlen uns hier super wohl“, schwört Erdogan. Der Spruch auf seinem Gipsbein war ein Scherz vom werten Kollegen. „Ich wollte etwas Unsittliches draufschreiben und hab mich dann doch nicht getraut“, flunkert Daniel Roesner.

Im Frühjahr nächsten Jahres soll im Fernsehen zu sehen sein, was hier gerade dickes Arbeitspensum ist. Ob im Film zur Sprache kommt, dass der Kampf mit der Zigarettenmafia im Zwinger und damit in Dresden ausgefochten wird, steht noch nicht fest. „Wir verlegen die Handlung über große Distanzen von Ort zu Ort, manchmal in wenigen Minuten“, sagt Pressesprecherin Elke Schubert. Die actionreichen Abenteuer der Autobahnkommissare seien eben ein großer Zauber und haben nicht wirklich viel mit dem realen Alltag der echten Autobahnpolizei zu tun.

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Genau dafür aber lieben die Fans ihre Serie, in der nicht nur Knochen brechen, sondern auch zahllose Autos zu Klump gefahren werden, effektvoll explodieren und durch die Luft fliegen. Hart und nicht immer fair ging es zuletzt in der Folge „Jenseits von Eden“ zu. Da kämpfte Gut gegen Böse halsbrecherisch auf dem Dach einer rosa Stretchlimousine. Ständig neue Autos zu schrotten, kann sich kein Sender und keine Produktionsfirma leisten. „Wir haben insgesamt vier solcher Limousinen, zwei gute und zwei, die in unserer Werkstatt immer wieder für den nächsten Stunt in Form gebracht werden“, erklärt Elke Schubert. So bekommt der Begriff Mehrweg eine filmreife Bedeutung.