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„Und das soll das Dankeschön sein?“

Der Pavillon an der Ostra-Allee muss im kommenden Jahr abgerissen werden. Investor Reinhard Saal ist sauer, weil seine Pläne für einen Neubau geplatzt sind.

© Sven Ellger

Von Nora Domschke

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Im nächsten Jahr ist seine Zeit gekommen – dann wird der Glaspavillon an der Ecke Ostra-Allee/Am Zwingerteich abgerissen. Oder besser: Er muss abgerissen werden. Schließlich wurde mit der Stadt noch vor dessen Errichtung im Jahr 2014 vereinbart, dass es sich bei der Bebauung um eine Zwischenlösung für fünf Jahre handelt. Der Abriss ist für Grundstückseigentümer Reinhard Saal auch kein Problem. Ganz im Gegenteil – hat er doch auf dem Areal Großes vor. Einen viergeschossigen Neubau will der Investor dort errichten lassen. In den oberen Etagen sollen Wohnungen entstehen. Im Erdgeschoss sei ein Café vorgesehen, erklärt Saal, der in den vergangenen Jahren bereits etliche Bauprojekte in Dresden umgesetzt hat. Zuletzt mit der Rekonstruktion der alten Orangerie in der Herzogin Garten auf der Straßenseite gegenüber.

Vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war die Ecke Ostra-Allee/Am Zwingerteich bebaut. Heute stehen dort die Theaterwerkstätten.
Vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war die Ecke Ostra-Allee/Am Zwingerteich bebaut. Heute stehen dort die Theaterwerkstätten. © Sammlung Holger Naumann

Aus den neuen Plänen des 66-Jährigen wird aber wohl nichts. Denn das Landesamt für Denkmalpflege sieht im Eckgrundstück eine schützenswerte Fläche, die nicht bebaut werden dürfe. Zumindest nicht mit dem Gebäude, das Saal hat entwerfen lassen. Der Investor ist stinksauer. „Das ist schon hart.“ Schließlich habe er ja die Orangerie wiederaufgebaut und auch in den dazugehörigen Garten eine Menge Geld investiert. „Und das soll nun das Dankeschön sein?“ Besonders ärgere ihn, dass über die Bauvoranfrage, die er bei der Stadt eingereicht hatte, positiv entschieden wurde. „Das hatten wir sogar noch vor dem Bau des Glaspavillons abgefragt“, bestätigt auch Saals Projektleiter Torsten Nowack, der sein Büro im Pavillon hat.

Das Grundstück hat Saal einem privaten Eigentümer aus den alten Bundesländern abgekauft, als Bauland, wie er sagt. 2014 eröffnete er dann den Pavillon. Auch weil für diese Stelle der Wunsch nach einem Bistro und Touristentoiletten bestand. „Dieses Angebot wird es auch in dem Neubau geben“, versichert Saal. Nun hat er die weiteren Planungen für das Gebäude, dessen Fassade mit Sandstein gestaltet werden soll, vorerst auf Eis gelegt. Die Pläne geben bislang ohnehin nur eine Idee zu Höhe und Korpus wider, erklärt Torsten Nowack. Die konkrete Gestaltung sei noch offen.

Woran genau das Landesamt für Denkmalpflege sich stört, bleibt offen. „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, bitten wir um Verständnis, dass wir uns zu diesem Sachverhalt derzeit nicht äußern möchten“, teilt Sprecherin Sabine Webersinke auf SZ-Anfrage mit.

Die Landeshauptstadt ist auskunftsfreudiger. So habe es keinen Bauvorbescheid zur planungsrechtlichen Zulässigkeit eines Bauvorhabens gegeben. Sondern: „Gegenstand des Vorbescheidsantrages war ausschließlich die Frage nach der denkmalschutzrechtlichen Zulässigkeit.“ Von der Bauaufsicht sei zu dieser Frage zunächst ein positiver Bauvorbescheid erlassen worden, der aber zurückgenommen werden musste, weil die denkmalschutzrechtliche Zustimmung nicht vorlag. Und das tut sie offenbar bis heute nicht.

Die Stadt betont, dass es eine einvernehmliche Ablehnung vom Amt für Kultur und Denkmalschutz und vom Landesamt für Denkmalpflege sei. „Die Gründe ergeben sich aus dem Denkmalstatus der Theaterwerkstätten und der diese umgebenden Freiflächen“, heißt es weiter aus dem Rathaus. An dieser Stelle bilde sich das Thema der geöffneten und geweiteten Stadtlandschaft ab, was ein typischer städtebaulicher Ansatz der Zeit gewesen sei.

Tatsächlich handelt sich bei dem Werkstättenkomplex um ein preiswürdiges Ensemble. Die modernen Gebäude an der Ostra-Allee wurden von dem Dresdner Architekten Eberhard Pfau entworfen und um 1980 aus Beton-Fertigteilen gebaut. Pfau bekam dafür 1984 den Architekturpreis der DDR. Das Ensemble sorgte für Aufsehen, viele Architekturstudenten kamen extra nach Dresden, um sich den Bau anzuschauen. Der Blick darauf soll nun offenbar unverbaut bleiben. Ebenso wie auf die ebenfalls geschützten Marstall-Gebäude an der Straße Am Zwingerteich.

Dass Reinhard Saal sein Grundstück bebauen kann, ist mit der Ablehnung noch nicht vom Tisch. „Ob etwas zulässig ist und wie genau, lässt sich nur in einem entsprechenden Verfahren beantworten“, teilt die Stadt mit. Dafür sei ein genauer Bauantrag nötig. Fest steht aber: „Denkmalschutz und Stadtplanung greifen an diesem Ort ineinander.“ Eine sanitäre Einrichtung und ein Imbiss für Bustouristen seien an dieser Stelle dennoch wünschenswert, ergänzt die Stadtsprecherin. Ob sich Reinhard Saal damit zufriedengibt, bleibt abzuwarten.