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Und nichts wie weg

Durch Betrug mit Fahrrädern soll sich ein Meißner rund 15 000 Euro erschlichen haben. Der sagt, es war ein anderer.

© dpa

Von Jürgen Müller

Meißen. „Ich war das nicht. Das lasse ich mir nicht in die Schuhe schieben“. Der 28-jährige Meißner will mit den Straftaten nichts zu tun haben. Dabei scheint die Sache klar, so klar, dass der Richter zunächst keine Zeugen geladen hat. Dem Mann wird von der Staatsanwaltschaft vorgeworfen, ein Fahrrad für knapp 4 000 Euro auf Kredit gekauft zu haben. Den Kredit bezahlte er aber nicht zurück. Kurz danach soll der Mann in zwei anderen Geschäften in Radebeul zwei weitere Mountainbikes, die jeweils 5 300 Euro kosteten, gemietet haben. Die Mietpreise von 80 beziehungsweise 50 Euro bezahlte er. Doch die Räder soll er nicht zurückgebracht haben. Als sich der Inhaber eines Geschäftes bei ihm meldet und nach dem Verbleib des Rades fragt, geht er am nächsten Tag zur Polizei. Und gibt an, dass ihm zwei Wochen vorher sein Portemonnaie samt Ausweis und EC-Karte sowie 160 Euro Bargeld in einer Bar in Meißen gestohlen worden seien. Tatsächlich soll er die Geldbörse in der Toilette einer Bar versteckt und später wieder abgeholt haben. Das streitet er ab. Das Portemonnaie sei ihm gestohlen worden. Er habe es in einer Bar neben einen Spielautomaten gelegt und sei auf die Toilette gegangen. Als er wieder kam, sei es weggewesen. Die 160 Euro habe er zuvor am Automaten gewonnen, sagt er. Mit den Betrugsfällen will er nichts zu tun haben. Zu den Tatzeiten sei er gar nicht in Meißen und Radebeul gewesen, sondern im Wohnheim. Derjenige, der die Geldbörse gestohlen habe, sei der Täter und habe mit seinem Ausweis die Verträge abgeschlossen, behauptet er.

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Allerdings haben sich die Verkäufer in den Fahrradläden nicht nur den Ausweis zum Vertragsabschluss zeigen lassen, sondern auch das Passbild mit dem des Kunden verglichen. Und sind sich sicher, dass der Angeklagte auch der Täter war. Der versteht das nicht: „Ich bin doch nicht so bescheuert und mache Betrügereien mit meinem eigenen Ausweis“, sagt er. Obwohl er auch keinen Kreditvertrag abgeschlossen haben will, pfändet die Bank jetzt sein Konto. In einem Schreiben an die Bank, das allerdings seine Schwester aufgesetzt hat, erklärt er sich mit der Pfändung einverstanden. Da zahlt also einer mehrere Tausend Euro an eine Bank zurück, obwohl er gar keinen Kredit aufgenommen hat?

Und noch etwas ist merkwürdig. Nachdem ihm angeblich die EC-Karte gestohlen wurde, wird noch dreimal Geld am Automaten abgehoben. Und zwar mit der Karte, die angeblich gestohlen wurde, wie der Richter durch Nachermittlungen bei der Sparkasse herausgefunden hat. Zudem geht das nur mit der Geheimzahl. Die hat nur der Angeklagte. Er gibt zu, dass er es war, der das Geld abhob. Als ihn der Richter auf den Widerspruch aufmerksam macht, passt er wie so oft in dem Verfahren seine Aussage an. „Dann ist mir das Portemonnaie eben später gestohlen worden“, sagt er jetzt. Die Bar, in der die Geldbörse abhandenkam, ist videoüberwacht. Auf den Aufzeichnungen ist nichts von einem Diebstahl zu sehen.

Zwei von drei Verkäufern haben den Angeklagten bei der Polizei als den Täter wiedererkannt. Einer sagt allerdings, dass der Mann sehr schlechte Zähne hatte. Das trifft auf den Angeklagten nicht zu. Das ist ein Grund, warum der Verteidiger Freispruch fordert. Es gäbe keinen einzigen Beweis, dass er der Täter war oder den Plan ausgeheckt habe. Er sei intellektuell gar nicht in der Lage, eine solche Tat auszuführen. „Der Verdacht platzt wie eine Seifenblase“, so der Verteidiger.

Das Gericht sieht das anders und verurteilt den Angeklagten wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Vortäuschens einer Straftat zu einer Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten. Damit geht der Richter zwar deutlich über den Antrag des Staatsanwaltes hinaus, der ein Jahr und zwei Monate gefordert hatte, setzt sie Strafe aber zur Bewährung aus. Zudem muss der Angeklagte den Schaden ersetzen und 150 gemeinnützige Arbeitsstunden leisten. „Ich habe keine Zweifel, dass Sie der Täter waren, entweder allein oder mit jemand anderem zusammen“, so der Richter. Den Diebstahl des Ausweises und der EC-Karte habe er erfunden, um die Taten auf einen anderen zu schieben.