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Und schon wieder Prügelknabe

Nichts zu verschulden, trotzdem werden Dynamofans zu Unrecht für die Gewaltausbrüche anderer verantwortlich gemacht. Und das zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit.

© Robert Michael

Dresden. Mickael Poté schießt endlich wieder ein Tor, Dynamo verlässt den letzten Tabellenplatz und 27.500 Fans feuern friedlich ihre Mannschaft an. Eigentlich hat sich Dresden am Wochenende nichts zuschulden kommen lassen und genügend Grund zum Feiern. Trotzdem muss der Club erneut bei offenbar schlecht informierten Medienvertretern als Sündenbock für die Ausschreitungen einiger Chaoten am vergangenen Spieltag herhalten.

Erst vor gut zwei Wochen unterlief der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ) ein grober Schnitzer. Die WAZ hatte auf Kosten von Dynamo irrtümlich einen Zusammenhang zum Gewaltrückgang auf den Rängen von Bundesligastadien hergestellt - und den Zweitligisten dabei kurzerhand in die Drittklassigkeit absteigen lassen. Nun veröffentlicht der Donaukurier aus Ingolstadt einen Meinungsartikel, in dem wieder die Fans der Sportgemeinschaft für das Fehlverhalten anderer herhalten müssen.

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Wie aus Cottbussern Dresdner werden

Unter dem Titel „Absolut nichts dazugelernt“ schrieb der Donaukurier, dass es erneut unbelehrbare Chaoten geschafft hätten, das Spielgeschehen zur Nebensache verkommen zu lassen. „In Dresden stand die Zweitliga-Partie gegen Cottbus vor dem Abbruch“, wird da zusammengefasst und der schwarze Peter sukzessive den Dynamofans „anargumentiert“. Schließlich hieß es im vorletzten Absatz des Kommentars sinngemäß, dass die Anhänger von Dynamo Dresden nach dem Pokalausschluss nichts dazugelernt haben und man sich von dem Fehlverhalten der „angeblichen Fans“ am Wochenende wieder überzeugen konnte. Dabei wurde allerdings ausgeblendet, dass nicht aus den Dresdner, sondern Cottbusser Reihen Böller, Bengalos und brennende Gegenstände aufs Spielfeld flogen.

Erst nachdem der Verein eine Richtigstellung verlangte, wurde der Ursprungsartikel von der Website des Donaukuriers genommen und eine Stellungnahme veröffentlicht. Dynamo Dresden hatte auf diesen wiederholten Versuch, den Namen des Vereins synonym für Gewalt in Stadien zu benutzen, angesäuert reagiert. „Mit Verärgerung und Verwunderung“ habe man den Artikel des Donaukuriers zur Kenntnis genommen, heißt es in einer öffentlichen Stellungnahme des Clubs. In dem Schreiben erklärt der Verein, dass ihm durch tendenziöse und falsche Berichterstattung ein enormer Imageschaden entstünde.

Wie schon vor zwei Wochen im Falle des WAZ-Artikels erklärt Dynamo minutiös - und trotz der schwere des Falles - unaufgeregt, warum die Berichterstattung des Donaukuriers schlicht falsch ist. So weist der Club darauf hin, dass die DFL gar keine Geldstrafen, Zuschaueraussperrungen und mögliche Punktabzüge androhen könne. „Wenn überhaupt, wäre die Sportgerichtsbarkeit des Deutschen Fußball-Bundes dafür zuständig“, schreiben die Dynamoverantwortlichen. (szo/fsc/mja)