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Und was hat er davon?

Tausende Helfer halten derzeit die Hand nach Spenden auf. Nicht immer ist klar, wo das Geld dann wirklich landet.

© dpa

Von Wolfgang Mulke

Weite Kinderaugen ziehen mit Sicherheit. Auch abgemagerte Hunde in südlichen Straßen erweichen Herzen und öffnen Brieftaschen. Jetzt haben Geldsammler Hochsaison. Denn nie ist die Spendenbereitschaft der Deutschen größer als kurz vorm Fest der Liebe und Familie – vor Weihnachten. Durch Bettelbriefe oder die direkte Ansprache an der Haustür oder auf der Straße sammelt eine kaum mehr überschaubare Zahl an Organisationen Geld für den echten oder vermeintlich guten Zweck ein. Es geht dabei um viel Geld.

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Fachleute gehen von einer Gesamtsumme zwischen vier und sechs Milliarden Euro aus, die die Deutschen jährlich an gemeinnützige Einrichtungen überweisen. Die Liste der Anliegen reicht von der Hilfe für notleidende Kinder in Afrika über den Schutz von Tieren bis hin zur Unterstützung von Behinderteneinrichtungen. Es gibt große Organisationen wie die christlichen Hilfswerke Brot für die Welt und Adveniat, oder auch Plan-Deutschland, das Patenschaften für Kinder in der Dritten Welt vermittelt. Zu den ganz großen Sammelstellen zählt auch das Rote Kreuz. Doch unterhalb der weithin bekannten und gut aufgestellten Organisationen buhlen Hunderttausende kleine Vereine oder Stiftungen um die Gunst der Spender. Über die Internetplattform www.betterplace.org wenden sich allein fast 6 200 meist kleine Projekte an potenzielle Geldgeber. Wie seriös eine Einrichtung ist, lässt sich von Laien kaum verlässlich feststellen. Landet der Spenden-euro tatsächlich in Afrika oder nicht doch über Umwege auf dem Konto des Sammlers? Transparenz ist in der Branche Mangelware. Mit staatlicher Kontrolle müssen die Initiatoren kaum rechnen. Das Finanzgebaren bleibt oft im Dunkeln, denn Auskünfte darüber sind freiwillig.

Trotzdem gibt es für Interessenten, die am Jahresende noch anderen helfen wollen, selbst eine Hilfestellung bei der Auswahl der Spendenorganisation. Das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) vergibt ein Gütesiegel für seriöse Organisationen. Zugleich listet das Institut auch jene Geldsammler auf, die fragwürdig vorgehen oder nicht unterstützt werden sollten. Das Siegel darf nur tragen, wer transparent und sparsam arbeitet, wahrheitsgemäß über seine Arbeit berichtet und für eine funktionierende Kontrolle und Aufsicht sorgt. Rund 250 Organisationen tragen das Gütezeichen. „Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen“, lautet der wichtigste Tipp des DZI an hilfsbereite Bürger. Mitunter werben Spendensammler mit Mitleid erregenden Bildern oder gefühlsbetonten Reklamemotiven. Diese Praxis lehnen die Fachleute als unseriös ab. Sie raten zur bewussten Spende. „Wer vielen Hilfswerken spendet, wird von all diesen Organisationen als aktiver Spender registriert und umso mehr Werbung erhalten“, warnen die Experten, die auch Hinweise für eine erste Prüfung der Seriosität bereithalten. Zu einer vertrauenswürdigen Arbeit gehört zum Beispiel die Anerkennung als gemeinnützig. Aber auch die Veröffentlichung von Jahresberichten oder die Mitgliedschaft in einem Dachverband deuten auf Glaubwürdigkeit hin.

Ein Dachverband ist der Deutsche Spendenrat, in dem christliche Hilfswerke, humanitäre Organisationen sowie Natur- oder Tierschutzvereine zusammenkommen. Die Mitglieder verpflichten sich zum Beispiel zu einer transparenten Darstellung ihrer Arbeit und ihres Umgangs mit den Spendengeldern. Gemeinsam mit der Gesellschaft für Konsumforschung erstellt der Spendenrat auch eine jährliche Statistik über die Zuwendungen der Deutschen. In diesem Jahr ist die Bereitschaft zum Spenden um über fünf Prozent zurückgegangen. Doch noch steht die Hochsaison ja aus. Besonders großzügig sind die alten Menschen. 40 Prozent der Spender sind 70 Jahre oder älter. Nicht einmal ein Viertel der Geber ist unter 50. Bei den Empfängern dominieren die humanitären Hilfsorganisationen. Von vier gespendeten Euro landen drei auf ihren Konten.