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Unfallflucht in Bautzen aufgeklärt

Ein 82-Jähriger hat eine Rentnerin mit seinem Wagen erfasst und liegen gelassen. Jetzt droht ihm eine hohe Strafe.

© Uwe Soeder

Von Marleen Hollenbach

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Bautzen. Die Polizei hat ihr Versprechen wahr gemacht. Alle Register wollten die Beamten ziehen, um den Menschen zu finden, der eine Rentnerin auf dem Gesundbrunnenring in Bautzen anfuhr und sie schwer verletzt liegenließ. Eine Woche nach der kaltblütigen Unfallflucht können die Beamten mitteilen: Der Fall ist aufgeklärt.

Ein 82-jähriger Mann aus dem Oberland hat die Unfallflucht bereits zugegeben. Mehrere Hinweise von Zeugen führten die Beamten am Donnerstag zu dem Rentner. „Als die Unfallermittler den Tatverdächtigen am Nachmittag an seiner Wohnanschrift aufsuchten, zeigte er sich beinah erleichtert und geständig“, erklärt Polizeisprecher Thomas Knaup.

Vor Ort stellten die Beamten auch den VW Passat des Mannes sicher. An dem Fahrzeug konnten die Ermittler noch einige Unfallspuren erkennen. Auch den Führerschein musste der Rentner sofort abgeben. Festgenommen wurde er allerdings nicht. Das sei nicht erforderlich gewesen, meint der Polizeisprecher. Die Staatsanwaltschaft wird sich nun mit dem Mann befassen. Dem Rentner wird Körperverletzung sowie Unfallflucht und unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen. Allein für die Unfallflucht drohen ihm jetzt bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe und der Entzug der Fahrerlaubnis. Die Strafe für die Körperverletzung kommt noch obendrauf.

Seniorin in Lebensgefahr

Vor der Schwimmhalle am Bautzener Gesundbrunnenring erinnern nur noch die pinkfarbigen Markierungen der Ermittler an den schlimmen Unfall. Acht Tage ist es jetzt her, dass eine Rentnerin zur Mittagszeit die Straße überqueren wollte und dabei von einem Auto erfasst wurde. Eine Passantin sah die schwer verletzte Frau auf der Straße liegen. Sie reagierte prompt, leistete Erste Hilfe und wählte den Notruf. Von dem Unfallfahrzeug fehlte da schon jede Spur. Wie die Polizei jetzt mitteilt, ist der Zustand der 77-Jährigen nach wie vor sehr kritisch. Ob sie den Unfall überleben wird, wissen die Beamten momentan nicht. „Die Ärzte kämpfen noch immer um das Leben der Frau“, so der Polizeisprecher.

Die Fahrerflucht in Bautzen ist auch für die Beamten ein außergewöhnlicher Fall. „Es kommt sehr selten vor, dass jemand einen Verletzten einfach liegen lässt“, erklärt Martin Hottinger, Chef des Verkehrsunfalldienstes. Genaue Werte für den Landkreis Bautzen konnte die zuständige Polizeidirektion Görlitz am Freitag nicht benennen. Dafür gibt es Zahlen vom Landeskriminalamt. Demnach begehen sachsenweit immer mehr Menschen Unfallflucht. Im vergangenen Jahr entfernten sich etwa 23 200 Menschen vom Unfallort, 2013 waren es noch fast 5 00 weniger.

Die Werte sind insgesamt jedoch sehr hoch, weil sämtliche Bagatellunfälle wie Parkplatz-Rempler in diese Statistik miteinfließen. Etwas detaillierter sind die Angaben vom Statistischen Landesamt. Die jüngsten Zahlen stammen von 2016. Damals waren in Sachsen etwa 26 000 Menschen in einen Unfall mit verletzten Personen verwickelt. Von ihnen flüchteten 1 300. Das heißt, etwa jeder Zwanzigste ließ einen Verletzten am Unfallort zurück.

Um die Fahrerflucht aufzuklären, hatte die Polizei gleich am Unfallstag Spuren an der Kleidung der Frau und auf der Fahrbahn gesichert. Rückschlüsse konnten die Beamten auch aus den Verletzungen der Rentnerin ziehen. Um den Fahrer aber wirklich zu finden, hatten die Beamten besonders auf die Hilfe der Zeugen gesetzt.

Über alle Medien und sogar über das soziale Netzwerk „Twitter“ suchten die Beamten nach Menschen, die den Unfall beobachtet hatten. Auch Autowerkstätten sprachen die Polizisten an, da sie vermuteten, dass der Fahrer die Unfallspuren schnell beseitigen will. Mehrere Passanten meldeten sich daraufhin. Ihnen dankt die Polizei für die Unterstützung.