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Unfallrisiko Lkw

Auf der A 4 in Ostsachsen gab es in diesem Jahr schon 100 Zusammenstöße. Warum kracht es gerade hier so oft?

© Archivbild/Steffen Unger

Von Sebastian Kositz

Bautzen/Dresden. Kilometerlanger Stau auf der Autobahn, verstopfte Bundes- und Nebenstraßen: Erst vor einer Woche hatte ein Unfall mit zwei Brummis auf der A 4 zwischen Pulsnitz und Ottendorf-Okrilla im halben Landkreis für ein Verkehrschaos gesorgt. Und es ist nicht das erste Mal. Allein dieses Jahr hat es auf der Autobahn im Landkreis Bautzen schon mehr als 100 Unfälle mit Lastwagen gegeben – wenngleich die Folgen nicht immer derart drastisch sind. Tatsächlich sind inzwischen bei jedem dritten Unfall auf der Autobahn Lastwagen mit verwickelt. Und: Sehr oft gelten die Brummifahrer als Verursacher. Die SZ hat die Zahlen analysiert und erklärt, warum es so häufig kracht.

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© SZ-Grafik: Romy Thiel

Die Statistik: An jedem dritten Unfall ist ein Brummi beteiligt

Die Zahlen sind eindeutig: Im vergangenen Jahr hat es auf der Autobahn im Kreis Bautzen exakt 537 Mal gekracht – in 177 Fällen war dabei ein Lastwagen beteiligt, also bei jedem dritten Unfall. Und der Trend setzt sich auch dieses Jahr fort. Bis Ende September registrierte die Polizei in dem etwas mehr als 60 Kilometer langen Abschnitt zwischen der Anschlussstelle Hermsdorf bei Dresden und östlich von Weißenberg bereits 386 Unfälle. Bei 114 Zusammenstößen war auch ein Lkw mit dabei. Der Anteil ist wenig verwunderlich. Denn tatsächlich handelt es sich laut Verkehrsstatistik bei jedem dritten Fahrzeug auf der Autobahn östlich von Dresden um einen Brummi.

Die Schwerpunkte: Je mehr Verkehr, desto häufiger kracht es auch

Spannend ist der Blick auf die Verteilung der Brummi-Crashs auf den einzelnen Abschnitten im Landkreis: So ereignen sich mehr als die Hälfte der Unfälle mit mindestens einem beteiligten Lastwagen auf dem nur 25 Kilometer langen Teilstück zwischen Burkau und der Grenze zur Landeshauptstadt. Auf den übrigen 40 Kilometern zwischen Burkau und dem Parkplatz Wacheberg bei Weißenberg scherbelt es in der Summe deutlich weniger. Und auch auf dem verbleibenden Abschnitt zur polnischen Grenze im Kreis Görlitz nimmt die Anzahl der Unfälle noch einmal deutlich ab. Dort gab es nach Polizeiangaben im vergangenen Jahr 36 Crashs mit Lastern.

Die Erklärung ist denkbar einfach: Je weiter westlicher, desto mehr Verkehr herrscht auf der A 4. Laut Ergebnissen der jüngsten Verkehrszählung rollen auf dem Abschnitt kurz vor Dresden etwa doppelt so viele Fahrzeuge wie östlich von Weißenberg. Heißt: Dort, wo auf den Fahrbahnen weniger Platz ist, knallt es dann auch öfter.

Sonderfall Baustellen: Polizei sieht besonderes Gefahrenpotenzial

Seit fünf Jahren lässt der Freistaat in einzelnen Etappen die Fahrbahnen auf der A 4 in Ostsachsen auf Vordermann bringen. Ein Millionen-Projekt, das jeden Sommer lange Baustellenabschnitte mit sich bringt – und in denen es, wie das eingangs geschilderte Beispiel belegt, häufig kracht. Die Polizei spricht sogar von einem besonderen Gefahrenpotenzial, appelliert an die Verantwortung der Autofahrer. Konkrete Unfallzahlen nennt die Polizei nicht. Auch beim zuständigen Landesamt für Straßenbau und Verkehr ist das Problem bekannt: „Wir wissen, dass in Baustellen mehr Unfälle passieren“, sagt Sprecherin Isabel Siebert. „Hier ist es aber so, dass, wenn sich alle Verkehrsteilnehmer an die Vorgaben in der Baustelle halten würden, kaum Unfälle zu verzeichnen wären“, so die Sprecherin, die unter anderem auf Tempolimits, Spurenbreiten und durchgezogene Linien verweist.

Die Ursachen: Brummifahrer haben sehr oft Schuld an Unfällen

Die Statistik der Polizei benennt für die Unfälle zwei Gründe besonders häufig: Einerseits knallt es sehr häufig beim Überholen. Zugleich notierten die Beamten aber auch oft das Nichteinhalten der vorgeschriebenen Mindestabstände als Ursache für Unfälle mit Lastwagen. Gründe, die neben überhöhter Geschwindigkeit übrigens auch bei anderen Unfällen oft genannt werden. Bei der Frage, wer Schuld hat, gibt die Polizei eine klare Antwort: Bei den Lkw-Crashs gehen östlich von Dresden drei von vier Unfällen aufs Konto der Brummifahrer.

Die Gegenmaßnahmen: Überholverbote und verstärkte Tempo-Kontrollen

Seit dieser Woche haben die Behörden das Überholverbot für Laster auf der A 4 ausgeweitet. Bislang galt das nur zwischen Dresden-Nord und Hermsdorf in beiden Richtungen. Nun dürfen auch zwischen Pulsnitz und Hermsdorf in Richtung Dresden Lkw nur die rechte Spur befahren. Die Polizei will die Einhaltung verstärkt kontrollieren. Der Freistaat will das Verbot ausdehnen, lässt es für weitere Abschnitte prüfen.

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Reagiert hat das Land auch am Dreieck Dresden-Nord. Dort, wo A 4 und A 13 aufeinandertreffen, kracht es ebenfalls besonders häufig. 2016 gab es 79 Unfälle mit Lkw. Oft übersehen dort von der A 4 kommende Lasterfahrer Pkw, die von der A 13 aus auf den rechten Spuren hinzukommen. Seit diesem Mittwoch warnen deshalb neue Schilder vor der Gefahr. Und: Die Polizei will dort verstärkt blitzen – weil sehr oft auch Pkw-Fahrer wegen überhöhtem Tempo das Unfallrisiko steigern.