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Unfreiwillig auf den Hund gekommen

Was Bianca Berthold und Jörg Kater passiert ist, klingt unglaublich. Ein Foxterrier namens Floh ist der Beweis dafür.

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© Dietmar Thomas

Von Heike Heisig

Meißen/Roßwein. Floh begrüßt Fremde freundlich und neugierig. Nach der Zeremonie hat er sich ein wenig mit Dackeldame Joleen in den Haaren. Danach dösen beide Tiere friedlich vor sich hin. Die Hitze macht offenbar auch ihnen zu schaffen. Doch dem Foxterrier hat wahrscheinlich noch viel mehr zu schaffen gemacht in den zwei bis fünf Jahren seines bisherigen Lebens. So genau wissen es Bianca Berthold (25) und Jörg Kater (30) nicht. Die beiden sind unfreiwillig auf Hund Nummer zwei gekommen. Eine Geschichte, die unglaublich klingt, die möglicherweise aber jedem passieren könnte, der hilfsbereit und offen ist.

„Wir wollten eigentlich zu Edeka einkaufen gehen“, erzählt Jörg Kater. Mit dabei war auch die zweijährige Dackeldame Joleen. Vermutlich deswegen wurden die beiden jungen Leute von einem Mann angesprochen. Der schien sich für das Tier zu interessieren und fragte die zwei, ob sie seinen Hund einmal sehen wollten. Der sei im Auto. „Kaum, dass er die Tür aufgemacht hatte, drückte mir der Mann einen Strick in die Hand, mahnte sein Kind, einzusteigen und sogleich fuhr er mit seinem Transporter auf und davon“, schildert Jörg Kater. Er und seine Freundin seien so erstaunt gewesen, dass sie sich weder die Autonummer aufgeschrieben noch das Fabrikat des Transporters gemerkt haben. „Wir sind mit dem Terrier dann gleich in den Garten gegangen, um ihn zu baden“, erzählt Bianca Berthold weiter. Das jetzt wieder weiße Fell sei verklebt und gelb gewesen, habe vor Zigarettenqualm gestanden. Auch sonst sei der Hund ziemlich dreckig gewesen und habe erbärmlich gestunken.

Total verängstigt

Beim Bad habe der Hund angefangen zu bluten. „Also haben wir begonnen, zu telefonieren“, berichtet der 30-Jährige. Die angerufene Tierärztin sei unterwegs gewesen. „Eine Homöopathin hatte dann Zeit für uns“, sagt Bianca Berthold. Um mit dem Tier in die Praxis zu laufen, habe das Paar fast eine Stunde für nur ein paar hundert Meter gebraucht. „Floh, so haben wir ihn wegen des Zustandes genannt, in dem er sozusagen zu uns gekommen ist, kannte keine Autos. Er war total verschreckt und verängstigt.“

Als das Tier versorgt und sauber war, sahen die jungen Leute auch, weshalb das Tier traumatisiert sein könnte. „Schauen Sie“, sagt Jörg Kater. Er zeigt auf Bisswunden am gesamten Körper von Floh. Der Schwanz des Hundes ist nach Einschätzung des 30-Jährigen um die Hälfte kürzer, könnte abgebissen worden sein. Auch eine Hinterpfote des Hundes ist nicht in Ordnung. Vermutet wird, dass die Pfote oder die Hüfte gebrochen waren.

Über eine Suchanzeige in Sozialen Netzwerken sind die Roßweiner auf einen Züchter aufmerksam gemacht worden „Er soll zwischen Riesa und Meißen wohnen, Floh mit anderen Hunden und sogar Welpen in einem Zwinger gehalten haben“, berichtet Bianca Berthold von ihren Recherchen. Ihre Nachbarin, eine Tierschützerin, die sich im Leisniger Verein engagiert, ist in heller Aufregung. „So kann mit den Tieren nicht umgegangen werden“, schimpft sie. Das Engagement des jungen Paares beeindruckt sie. „Sie kümmern sich liebevoll und uneigennützig um die Hunde“, bescheinigt sie.

Auf Floh sind Bianca Berthold und Jörg Kater inzwischen richtig stolz. Er hat in nur einer Woche enorme Fortschritte gemacht, hört auf Kommandos wie Sitz und hat sich schon einen Platz auf dem Sofa der Familie erobert. Bleiben kann er bei ihr allerdings nicht, da er sich mit der Dackeldame nicht immer versteht. „Wahrscheinlich geben wir ihn an eine Bekannte ab, wollen ihn aber noch regelmäßig sehen und sicher sein, dass es ihm im neuen Zuhause gut geht“, sagen die beiden.