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Ungewöhnliches Liebespaar

Ein Gröditzer hat mehrmals Sex mit einer Zwölfjährigen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Missbrauch vor. Doch Täter und Opfer leben heute zusammen.

Von Kevin Schwarzbach

Michael Huber* wohnt noch bei seiner Mutter in Gröditz, als es zum ersten Mal passiert. Er ist damals 24 Jahre alt und hat sich bei seiner Mutter ein Zimmer eingerichtet. Hinter dessen Tür kommen er und Anna* sich im Mai 2012 körperlich nahe. Näher, als es das Gesetz erlaubt. Denn Anna ist erst zwölf Jahre alt, als sie Michael Huber in seinem Zimmer oral befriedigt.

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Es soll nicht das letzte Mal sein, dass die beiden sexuellen Kontakt haben. Ab jetzt häufen sich die Aufeinandertreffen. Nur einen Monat später, kurz vor Annas 13. Geburtstag, haben das Mädchen und Michael Huber Sex miteinander. In den Monaten danach wiederholen sich die Ereignisse. Im Februar 2013 dann entsteht ein Handyfilm, der zeigt, wie sich die junge Anna vor den Augen Hubers sexuell befriedigt.

Das zumindest wirft die Staatsanwaltschaft Michael Huber vor. Am Dienstag sitzt der heute 31-Jährige auf der Anklagebank des Landgerichts in Dresden. Es geht um schweren sexuellen Missbrauch in vier Fällen. Zudem wird Michael Huber des sexuellen Missbrauchs in drei weiteren Fällen bezichtigt. Das Kuriose daran: Der Angeklagte hat nie bestritten, dass er mit Anna Sex hatte. Das weiß auch Richter Andreas Ziegel. „Gehe ich richtig in der Annahme, dass Sie die Ereignisse mit dem Mädchen nach wie vor zugeben?“, fragt er noch vor Prozessbeginn. Huber nickt. „Aber die Vorwürfe mit dem Jungen bestreiten Sie weiterhin?“ Erneut ein Nicken des Angeklagten. Damit widerspricht Michael Huber dem Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass er sich im Sommer 2013 weiterer Vergehen an einem anderen Kind schuldig gemacht haben soll. Mehrmals soll er einen Achtjährigen in sein Zimmer gelockt und ihn dort unsittlich berührt haben. Dass Richter Andreas Ziegel die Verhandlung noch vor der Anhörung des Angeklagten unterbricht und Verteidigung und Anwaltschaft zu einem Rechtsgespräch bittet, hat indes einen anderen Hintergrund. Denn Michael Huber und die mittlerweile 19-jährige Anna haben bis heute Kontakt miteinander, der Angeklagte ist im Oktober sogar mit Anna in Gröditz zusammengezogen. Dort ziehen sie ihr gemeinsames Kind auf, das im Februar dieses Jahres geboren wurde. Bis heute ist unklar, wie genau es damals zu den sexuellen Handlungen zwischen Michael Huber und der zwölfjährigen Anna kam.

Nach einer halben Stunde Beratung im Hinterzimmer des Verhandlungssaals steht fest: Das Gericht geht aufgrund der heutigen Beziehung des Angeklagten mit Anna davon aus, dass hier ein minderschwerer Fall des schweren sexuellen Missbrauchs vorliegt. „In diesem Fall scheint eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten bis zu zwei Jahren als tat- und schuldangemessen“, erklärt Richter Ziegel. Diese Strafe kann zur Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem wird das Verfahren im Fall des achtjährigen Jungen eingestellt, da die dort zu erwartende Strafe im Vergleich zur Strafe im Fall des Mädchens nicht beträchtlich ins Gewicht fällt. Wie genau es aus Sicht von Michael Huber zu seiner bis heute andauernden Beziehung mit Anna kam, erfährt die Öffentlichkeit nicht. Auf Antrag seiner Verteidigerin darf der Angeklagte unter Ausschluss der Öffentlichkeit aussagen. Michael Huber habe laut seiner Verteidigerin psychische Probleme und sei derzeit arbeitsunfähig. Weil er in seiner Vernehmung intime Angaben zu seinem Familienleben und seiner Sexualität machen muss, gibt das Gericht dem Antrag statt. Ein zweiter Verhandlungstermin am Donnerstag soll zeigen, was Anna zu den Missbrauchsvorwürfen zu sagen hat.

*Namen von der Redaktion geändert.