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Unglücklicher Sieger

In Chemnitz wird Radprofi Tony Martin zum siebenten Mal deutscher Meister im Zeitfahren. Trotzdem ist er frustriert.

© dpa

Von Cornelius de Haas

Er hatte es offensichtlich eilig. Zum sechsten Mal in Folge und zum siebenten Mal insgesamt gewann Tony Martin am Freitag in Chemnitz den deutschen Meistertitel im Zeitfahren. Lange aufhalten wollte er sich damit aber nicht. Noch am Abend ging es wieder nach Hause ins schweizerische Kreuzlingen. Nach einem Tag Erholung stieg der 32-Jährige am Sonntag in das spezielle Training für das Zeitfahren zum Auftakt der Tour de France am 1. Juli in Düsseldorf ein.

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Bevor sich der gebürtige Cottbuser am Dienstag in die Rheinmetropole aufmacht, muss er aber erst einmal seinen Frust verarbeiten. Denn trotz seines Sieges war Martin alles andere als zufrieden. „Alles andere als ein Sieg wäre für mich inakzeptabel gewesen, ohne überheblich zu sein“, sagte er. „Der Weg zum Titel war aber nicht so wie erhofft.“ Ein wesentlicher Grund für seine schlechte Laune lag in den Abständen der Platzierten: „Ich hatte mir eigentlich einen anderen Vorsprung als lediglich 14 Sekunden vorgestellt.“

Wie im Vorjahr, als er in Erfurt gewann, waren der Freiburger Jasha Sütterlin und Nils Politt aus Köln auf die Plätze zwei und drei gefahren. Im Vergleich zu 2016 hatten die Jung-Profis ihren Rückstand aber deutlich – um jeweils mehr als eine Minute – verkürzen können. Wie wenig ihm das 48 Kilometer lange Rennen in die Tourvorbereitung passte, erklärte Martin offen: „Ich bin aus vollem Training angetreten.“ Zwar liegt sein Fokus jedes Jahr auf dem ersten Zeitfahren der Frankreich-Rundfahrt, doch der diesjährige Auftakt in Deutschland veredelt das Ziel Gelbes Trikot zusätzlich. Seit Donnerstag sind die Chancen darauf noch einmal gestiegen. Mit Rohan Dennis fehlt einer der großen Konkurrenten. Dessen Rennstall BMC nominierte den Australier überraschend nicht für die Große Schleife.

Martin selbst wollte diesem Umstand nicht allzu viel Bedeutung beimessen. „Klar habe ich damit einen Konkurrenten weniger, aber ich möchte meine Rennen eigentlich nicht unter solchen Umständen gewinnen. Doch am Ende zählt trotzdem nur das Gelbe Trikot – ob er nun dabei ist oder nicht.“ Das 14 Kilometer lange Zeitfahren entlang des Rheins sei ohnehin kurz genug, dass es von vielen Fahrern schnell absolviert werden könne.

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Am Dienstag will sich Martin die Strecke, die er bislang nur aus Videoanalysen und von Google Street View kennt, zum ersten Mal selber ansehen. „So gut es geht, denn es gibt ja auch einige Passagen im Gegenverkehr“, sagt der Profi von Katjusha-Alpecin. Wie er den Kampf gegen die Uhr angehen will, weiß Martin aber schon: „Ich werde die großen Gänge treten und in den Kurven flexibel sein.“ Logisch, hat er es am 1. Juli doch noch eiliger als in Chemnitz.