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Unister steht zum Verkauf

Der Betreiber großer Reiseportale wie Ab-in-den-urlaub.de sucht einen Investor. Das Leipziger Internet-Unternehmen bereitet offenbar einen Verkauf vor. Es geht um bis zu 1,5 Milliarden Euro.

© Unister/szo

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Ihre Portale werben mit Prominenten wie Michael Ballack und Reiner Calmund. Jetzt ist der Leipziger Internet-Riese Unister selbst erneut in den Schlagzeilen. Das Unternehmen, das Webportale wie Ab-in-den-urlaub.de und fluege.de betreibt, bereitet offenbar einen Verkauf vor. Laut der seriösen amerikanischen Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg wurde die New Yorker Investmentbank Jefferies Group LLC beauftragt, einen Käufer zu finden. Es gehe um einen Wert von bis zu 1,5 Milliarden Euro, habe ein Beteiligter erklärt.

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Unister werde wohl vor allem auf Interesse von Finanz-Beteiligungsgesellschaften stoßen, hieß es. Unister-Sprecher Konstantin Korosides vermied auf Nachfrage eine Bestätigung oder ein Dementi: „Marktspekulationen kommentieren wir nicht.“ Im Januar hatte das Unternehmen erklärt, es liefen „Vorbereitungen für die Suche nach strategischen Partnerschaften“. Analysten halten solche Deals nicht für ungewöhnlich. „Gerade bei Online-basierten Unternehmen kommen solche Verkäufe häufiger vor“, sagt Stephan Stubner, Inhaber des Porsche-Lehrstuhls für Strategisches Management an der privaten Leipziger Handelshochschule HHL.

Erst zum Jahreswechsel hatte ProSiebenSat.1 den Betreiber erfolgreicher Reiseportale wie weg.de und ferien.de gekauft, um sein E-Commerce-Geschäft auszubauen. Die Telekom wiederum gab 70 Prozent ihrer Anteile an der Scout24-Gruppe, die Online-Marktplätze betreibt, für 1,4 Milliarden Euro an einen Finanzinvestor ab.

Ein Wert für Unister von einer Milliarde Euro und mehr sei für ihn „nicht überraschend“, sagt Stubner. Der Wert eines Unternehmens liege oft beim 0,65- bis 1,4-Fachen seines Jahresumsatzes. Unister macht allein im Tourismusgeschäft schätzungsweise einen Umsatz von fast 1,2 Milliarden Euro und steht auf Platz 2 nach der Bahn. Daneben ist die Holding in Bereichen wie Finanzen, Autos, Partnervermittlung und Nachrichten aktiv. Unister-Gründer Thomas Wagner ist Hauptgesellschafter, agiert mittlerweile aber als Beirats-Vorsitzender. Geschäftsführer ist seit September Ex-Regierungssprecher Peter Zimmermann.

Zuletzt bekam das 2002 gegründete Unternehmen mit heute fast 2.000 Beschäftigten allerdings mehrfach Hausbesuche der Dresdner Generalstaatsanwaltschaft. Gegen Wagner und vier weitere Manager ist inzwischen Anklage wegen unerlaubten Vertriebs von Versicherungsprodukten, Steuerhinterziehung und unzulässigen Werbemethoden erhoben worden. In einem weiteren Ermittlungsverfahren geht es um Preisvorteile von Fluggesellschaften und Reiseanbietern, die nicht an Kunden weitergegeben worden sein sollen. Unister bestreitet die Vorwürfe.