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Universität fällt Urteil gegen Schavan

Die Bildungsministerin verliert ihren Doktortitel. Die CDU-Politikerin will nun gegen die Entscheidung klagen.

Von Karl-Heinz Reith

Berlin. Vor mehr als 30 Jahren erhielt sie die Note „sehr gut“ für ihre Doktorarbeit im Fach Pädagogik. Gestern Abend entzog die Universität Düsseldorf nach langer Beratung Bundesbildungsministerin Annette Schavan den akademischen Titel. Der zuständige Fakultätsrat habe in dem Plagiatsverfahren die Promotionsleistung für ungültig erklärt und beschlossen, ihr den Doktorgrad zu entziehen, teilte der Ratsvorsitzende, Prof. Bruno Bleckmann, mit.

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Für den Entzug des Doktorgrades hätten zwölf Mitglieder des Rats der Philosophischen Fakultät gestimmt. Es gab zwei Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Der Rat habe es als erwiesen angesehen, dass Schavan „systematisch und vorsätzlich über ihre Dissertation verteilt“ gedankliche Leistungen vorgegeben habe, die sie nicht selbst erbracht habe.

Schavans Anwälte kündigten gestern an, vor Gericht gegen die Entscheidung zu klagen. Die Ministerin hatte Plagiate und eine Täuschungsabsicht in ihrer 1980 eingereichten Doktorarbeit stets bestritten. Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer nannte das Vorgehen der Uni Düsseldorf eine Farce. „Das Procedere ist keine wissenschaftliche Überprüfung, sondern eine politisch motivierte Kampagne gegen eine sehr erfolgreiche Bundesforschungsministerin“, kritisierte der sächsische Abgeordnete. Die Uni hatte das Hauptverfahren zur Aberkennung des Titels vor zwei Wochen eingeleitet. Die Prüfung der Arbeit „Person und Gewissen“ dauerte bereits seit rund neun Monaten an.

Während in der Universität Düsseldorf erneut über die Rechtmäßigkeit des Doktortitels von Annette Schavan (CDU) beraten wurde, weilte die Bundesbildungsministerin im 8 800 Flugkilometer entfernten Pretoria. Hier ein Gespräch mit ihrem südafrikanischen Amtskollegen, dort ein Briefing in der deutschen Botschaft. „Bloß kein Selbstmitleid“, so Schavans Devise, die versucht, ihren Amtsgeschäften so normal wie möglich nachzugehen – trotz des seit neun Monaten laufenden Plagiatsverfahrens um ihre Dissertation.

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Das einzig Ungewöhnliche: Am ersten Tag ihrer seit Langem geplanten Südafrika-Reise gab es keine Fototermine und keine Begegnung mit der Presse. Das Verfahren zehrt an ihren Nerven. Schavan räumt „Flüchtigkeitsfehler“ ein. Doch den Vorwurf der Täuschung weist sie von sich. „Inzwischen dreht sich die Debatte um eine sehr grundsätzliche Frage. Ab wann spricht man in der Wissenschaft von einem Plagiat?“, fragte sie jüngst. (dpa)