merken

Unklare Kante

SZ-Redakteur Andreas Weller über den Wahlausgang beim Parteitag der Dresdner SPD

© André Wirsig

Klare Kante war die Wortkombination, die beim Parteitag der Dresdner SPD an diesem Wochenende im Rathaus am häufigsten fiel. Gegen rechte Strömungen, für eine „fortschrittliche“ Stadtratsmehrheit und allerlei anderes wurde diese klare Kante eingefordert.

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

Aktuelle Themen sowie Tipps und Tricks für den Alltag: Fabian Deicke stellt Experten verschiedener Gebiete die Fragen der SZ-Community.

Mit der Wahl der Spitzenkandidaten bezieht die SPD Stellung dafür, mit Linken und Grünen weiter die Mehrheit bilden zu wollen. Die Abwahl von Thomas Blümel und wie mit den anderen eher konservativen SPD-Politikern umgegangen wurde, ist ein deutliches Zeichen, wohin sich die SPD entwickelt.

Einerseits scheint sie aus der Ziellosigkeit der SPD auf Bundesebene gelernt zu haben. Hier wird eindeutig gesagt, in welche Richtung es gehen soll. Andererseits droht die SPD in Dresden zur Klientelpartei zu werden, was sie nach eigenem Bekunden aber nicht sein möchte.

So läuft die SPD Gefahr, nicht mehr als Volkspartei wahrgenommen zu werden, die sie eigentlich gerne sein würde. Dresdner, die diese linke Ausrichtung nicht wollen, werden so abgeschreckt, die SPD zu wählen. Das birgt die Gefahr, weiter Wähler – und nun bisher treue SPD-Anhänger – zu verlieren. Allerdings ist die SPD in Dresden mit den zuletzt 12,8 Prozent bereits nah am Bodensatz, was für eine sogenannte Volkspartei noch erträglich ist. Nun begibt sie sich offenbar in einen Lagerwahlkampf gegen die CDU und auch die AfD.

Die Profilschärfung könnte eine Chance sein, neue Wähler für sich zu erschließen. Wobei unklar ist, wie viel Platz dafür eigentlich neben den „richtigen“ und namentlichen Linken bleibt.

>>> E-Mail an Andreas Weller