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Unkraut schürt Unmut

Vorm Grundstück einer Gröditzerin sprießt Wildwuchs. Kein Zustand, findet sie und kritisiert die Stadt.

© Eric Weser

Von Eric Weser

Gröditz. Die Wohnsiedlung im Gröditzer Nordosten ist ein adrettes Viertel. Säuberlich gestutzte Hecken, gepflegte Gärten, schicke Häuser. Auch das Eckgrundstück von Gisela Klein ist da keine Ausnahme. Das Gras ist akkurat gestutzt, die Beete in tadellosem Zustand. Ganz anders die Situation vorm Gartenzaun, auf einem gut zwei Meter breiten Streifen neben der Straße. Dort sprießt das Unkraut. Das ärgert die Anwohnerin.

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Jahrelang habe ihr Mann dieses der Stadt gehörende Stück Land in Ordnung gehalten, erzählt Gisela Klein. Damit es ordentlich aussieht. Nachdem ihr Mann krank geworden und gestorben sei, habe sie sich darum gekümmert, die 200-Quadratmeter-Brache in Schuss zu halten, so die Witwe. Aber inzwischen hat die Rentnerin mit ihrem 850-Quadratmeter-Grundstück genug zu tun, so dass sie die städtische Fläche nicht mehr mit sauber halten kann und will. „Man wird ja auch nicht jünger.“ Der Effekt: Der Wildwuchs vorm Zaun nimmt zu. Und auch hinterm Zaun, im Garten von Gisela Klein, beginnen sich die Unkräuter breitzumachen. Erst kürzlich habe sie aus ihrem Rasen mühsam Hirsegras entfernt. „Wenn ich das Franzosenkraut sehe, kann ich mich schon wieder frisch machen fürs nächste Jahr.“

Enttäuscht bis verärgert zeigt sich die Anwohnerin über die Stadt. Denn die wäre ja eigentlich zuständig für die Flächenpflege. Dieses Jahr habe sich aber noch niemand blicken lassen, sagt die Anliegerin. Anrufe seien bisher erfolglos geblieben. Voriges Jahr habe das Rathaus immerhin Ein-Euro-Jobber vorbeigeschickt. Aber die hätten nur ein paar wenige Quadratmeter sauber gemacht, so Gisela Klein.

Den Vorwurf, dass die Stadt nichts macht, weist Bürgermeister Jochen Reinicke (parteilos) zurück. Man habe sich um die Fläche gekümmert und werde das auch weiter tun. Dieses Jahr sei man bisher nur noch nicht dazugekommen. Das werde sich aber ändern, verspricht Reinicke. Für Anwohner-Hinweise sei man im Rathaus immer dankbar. Grundsätzlich sei die Stadt bei der Flächenpflege „sehr hinterher“. Es könne aber niemand erwarten, dass sofort reagiert werde.

Von Anliegern wünscht sich der Bürgermeister im Sinne eines guten Miteinanders „Eigeninitiative in vertretbarem Rahmen.“ Reinicke zudem: „Wer es schön haben will, muss selber ein bisschen mit Hand anlegen.“ Wer das nicht mache, müsse sich mit dem Zustand abfinden, bis Stadtpersonal für die Reinigung vorbeikomme. Beim Personal verweist der Stadtchef darauf, dass die staatlichen Mittel für Hilfskräfte radikal gekürzt worden seien. Statt zehn Ein-Euro-Jobbern sei deshalb nur noch die Hälfte verfügbar. Das mache sich bemerkbar. Möglich sei allerdings auch, Pflegeverträge abzuschließen. Also Firmen zu beauftragen, welche die Flächenpflege dann übernehmen. Bezahlen müssten das aber die Anlieger, so Reinicke.

Gisela Klein lehnt das ab. Sie sieht die Kommune am Zug. „Meine Grundsteuer ziehen sie ja auch pünktlich ein. Irgendwann sind die auch mal in der Pflicht, nicht immer nur ich“, sagt sie.

Für den Bürgermeister ist das Ganze letztlich eine Frage der Mentalität. Nach wie vor würden viele Anwohner, gerade in der ländlichen Region, auf öffentlichen Flächen selbst Hand anlegen. Ändere sich das, könne es sein, dass das Ortsbild „irgendwann eventuell nicht mehr so schön ist“, so Jochen Reinicke.