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„Unser Sicherheitskonzept hat sich bewährt“

Die Organisatoren des großen Straßenkarnevals ärgern sich über Veröffentlichungen in den vergangenen Tagen. Diese könnten dem Umzug schaden.

© Norbert Millauer

Von Sven Görner

Radeburg. In den Karnevalshochburgen am Rhein haben sich nach den Ereignissen in der Kölner Silvesternacht Gruppen aus den Umzügen zurückgezogen. Eine Veranstaltung wurde sogar ganz abgesagt. Verständlich, dass sich Faschingsfreunde in der Region Gedanken machen, ob auch hiesigen Veranstaltungen Einschränkungen drohen. Etwa dem größten Karnevalsumzug Sachsens in Radeburg, der jedes Jahr Zehntausende Menschen an die Umzugsstrecke durch die Zille-Stadt lockt.

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Olaf Häßlich, Präsident des RCC
Olaf Häßlich, Präsident des RCC

Seit einer Veröffentlichung vom Wochenende werden die Verantwortlichen vom Radeburger Carnevals Club daher geradezu mit Anfragen überschüttet. Angeblich hätten die Radeburger ihr Sicherheitskonzept überarbeiten und für zusätzliche Auflagen von Behörden und zusätzliches Sicherheitspersonal rund 5 000 Euro mehr ausgeben müssen, wurden offenbar Aussagen des Vorsitzenden des Verbandes Sächsischer Carneval, Günter Bührichen, wiedergegeben.

Keine zusätzliche Belastung

In Radeburg wundert man sich darüber. „Ich habe nichts dergleichen erzählt, weil es einfach nicht stimmt“, sagt Olaf Häßlich, der Präsident des Radeburger Carnevals Clubs. „Wir haben seit Jahren ein internes Sicherheitskonzept, das sich bestens bewährt hat.“ Vor ein paar Jahren habe es noch vor jedem Umzug Elefantenrunden mit der Polizei, der Feuerwehr, dem Ordnungsamt, dem THW und dem Verein gegeben. „Zuletzt haben wir das telefonisch erledigt, dass sich am Ablauf und der Strecke ja nichts ändert.“ Zudem wolle man die Kameraden von der freiwilligen Feuerwehr und vom THW nicht zusätzlich belasten. „Die helfen uns jedes Jahr an der Strecke und bei den Parkplätzen und opfern dafür viel Zeit, wofür wir ihnen sehr dankbar sind“, sagt der Vereinschef. „Auch in diesem Jahr werden das nicht mehr sein. Warum auch. Die Ereignisse von Köln sind für uns kein Thema.“

In der Zillestadt leben derzeit gerade mal fünf Flüchtlingsfamilien in den von der städtischen Wohnungsgesellschaft (RWG) zur Verfügung gestellten vier Wohnungen. „Mit denen gibt es keine Probleme“, sagt Bürgermeisterin Michaela Ritter (parteilos). Drei der Männer haben eine Beschäftigung beim städtischen Bauhof bekommen, einer arbeitet bei der RWG. „Für den Fünften suchen wir auch noch etwas“, ergänzt die Rathauschefin. „Das sind liebe Familienväter.“ Das nächste größere Heim befindet sich in Moritzburg.

„Wenn wir tatsächlich 5 000 Euro mehr ausgeben müssten, könnten wir den Umzug kaum noch durchführen“ , sagt Olaf Häßlich. Der Radeburger Karnevals-Präsident befürchtet, dass Meldungen, wie die vom Wochenende, bei den Beteiligten für böses Blut sorgen und sich negativ auf den Umzug auswirken könnten.

Musik auf normalem Maß

„Ein Problem, bei dem ich jedes Jahr drei Kreuze mache, ist, dass niemand unter die Umzugswagen kommt“, ergänzt er. Sowohl in den Belehrungsbogen als auch bei den mündlichen Unterweisungen der Gruppen werde daher immer darauf hingewiesen, dass an jedem Rad ein erwachsenes Gruppenmitglied laufen muss, um notfalls eingreifen zu können. Und noch zwei wichtige Hinweise gab es diesmal für alle Teilnehmer: Die Musik soll vor allem nach dem Umzug auf ein normales Maß gedrosselt werden. Und es soll kein Müll von den Wagen entsorgt werden.

Wer den Radeburger Umzug kennt, weiß, dass er nicht dafür steht, die große Weltpolitik auf die Schippe zu nehmen. Wenn überhaupt, werden allenfalls mal kommunalpolitische Themen aufgegriffen. „Das ist keine Vorgabe, sondern einfach Tradition in Radeburg“, sagt Holger Umlauft, der Umzugsverantwortliche. Die genauen Inhalte der Bilder kenne man vorher nicht. „Da gibt es ja auch immer viel Geheimniskrämerei. Aber natürlich haben wir an der Stellstrecke ein Auge darauf, dass keine Sachen dabei sind, die jemanden verunglimpfen oder beleidigen“, sagt der Umzugschef. Vor ein paar Jahren hätten einmal Rechtsradikale vor dem Umzug Material verteilt, „seitdem schauen wir da etwas genauer hin.“

Für den Sonntag geht auch Holger Umlauft davon aus, dass es wieder ein farbenfreudiger und entspannter Umzug werden wird. So wie in den vergangenen Jahren. Start ist um 14 Uhr am Bahnhof.