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Dippoldiswalde

„Unsere Kinder wären für das Bad dankbar“

Der Glashütter Stadtrat Maik Lehmann spricht mit der SZ über den Erfolg seiner Wählervereinigung Zeitlos und die künftige Arbeit im Stadtrat.

Der selbstständige Handelsvertreter Maik Lehmann (43, WV Zeitlos) hat bei den Wahlen im Mai den Sprung in den Glashütter Stadtrat geschafft. Mit 582 Stimmen holte er das zweitbeste Ergebnis überhaupt.
Der selbstständige Handelsvertreter Maik Lehmann (43, WV Zeitlos) hat bei den Wahlen im Mai den Sprung in den Glashütter Stadtrat geschafft. Mit 582 Stimmen holte er das zweitbeste Ergebnis überhaupt. © Andreas Weihs

Herr Lehmann, bei der Stadtratswahl haben Sie mit 582 Stimmen das zweitbeste Ergebnis erreicht. Lag es daran, dass Sie fünf Jahre lang das Amt des Glashütter Ortsvorstehers innehatten?

Mit meinem Ergebnis bin ich sehr, sehr zufrieden. Vielen Dank an alle Wähler für das Vertrauen, das sie mir entgegengebracht haben. Sicher lag es auch daran, dass ich als Ortsvorsteher hier in Glashütte bekannt geworden bin.

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Die Wählervereinigung Zeitlos hat drei Mandate erreicht, Sie haben mit mehr gerechnet. Woran lag es?

Geliebäugelt haben wir mit einem vierten Sitz. Gewonnen haben wir drei. Das gilt es zu akzeptieren. Wir werden unser Bestes tun und wollen in den nächsten fünf Jahren eine ordentliche Arbeit leisten.

Der Schlottwitzer Franz Brand kämpft leidenschaftlich für das Naturbad. Er trat diesmal für Zeitlos zur Wahl an und wurde nicht wiedergewählt. Wie erklären Sie sich das?

Das ist bedauerlich für uns. Unser Ziel war es, auch in den Ortsteilen Mandate zu gewinnen. Das ist uns nicht gelungen. Trotz alledem habe ich Herrn Brand als großen Kämpfer kennengelernt. Er ist als Ortschaftsrat in Schlottwitz wiedergewählt worden und wird uns nach Kräften weiterhin bestmöglich unterstützen.

Warum schaffte Herr Brand es nicht in den Stadtrat?

Die Ursache dafür ist schwer herauszufiltern. In den Gesprächen, die ich in Schlottwitz geführt habe, hatte ich herausgehört, dass sein hohes Alter eine Rolle gespielt haben könnte.

Die CDU, Die Linken und die Wählervereinigung Reinhardtsgrimma haben verloren, AfD, Grüne und Ihre Wählervereinigung haben zugelegt. Wie erklären Sie sich die „Machtverschiebungen“ im Stadtrat Glashütte?

Für mich war es wichtig, dass wir mit einer ordentlichen Mannschaft antreten. Ich bin jedem Einzelnen dankbar, der dort seinen Beitrag geleistet hat. Die Konstellation war diesmal eine ganz andere als vor fünf Jahren. Im Mai traten acht Parteien und Wählervereinigungen an. Es war nicht klar, in welche Richtung die Wahl geht. Deshalb freut es mich, dass wir einen zusätzlichen Sitz im Stadtrat errungen haben. Zu den Wahlergebnissen der anderen möchte ich mich nicht äußern.

CDU-Stadtrat Jörg Paulusch sagte im SZ-Interview, dass Mitglieder Ihrer Wählervereinigung in den vergangenen fünf Jahren den Bürgermeister und auch langjährige Stadträte attackiert hätten. Wie stehen Sie zu diesem Vorwurf?

Dazu sage ich nur das: Wer 60 Prozent seiner Mandate verloren hat, sollte sich lieber darüber Gedanken machen und vor der eigenen Tür kehren.

Wie wird sich die neue Mandatsverteilung auf die Arbeit im Stadtrat auswirken?

Das Meinungsbild wird breiter sein. Das liegt auch daran, dass der Stadtrat ordentlich durchmischt wurde. Ich bin der festen Überzeugung, dass es gelingen wird, die Themen ordentlich zu diskutieren und dass die beste Lösung umgesetzt wird.

Bürgermeister Markus Dreßler regte vor einigen Tagen in einem SZ-Gespräch die Bildung von Fraktionen an. Tilo Bretschneider von der AfD sieht Berührungspunkte zu Ihrer Wählervereinigung Zeitlos. Werden Sie eine Fraktion bilden?

Fraktionen sind in unserem Gemeindegebiet nicht unbedingt sinnvoll. Wir sollten nicht mit vorgefertigten Meinungen in die Diskussionen gehen. Bei jeder Diskussion kommt doch ein sinnvoller Gedankenanstoß raus.

Was werden Sie tun, wenn die Mehrheit des Stadtrates beschließt, Fraktionen einzuführen?

Dann werden wir uns in unserer Wählervereinigung Gedanken machen.

Am 1. September gibt es einen Bürgerentscheid zum Stadtbad. Glauben Sie, dass die Bürger gut informiert sind?

Leider sind die vom Badverein vorgestellten Pläne nicht eins zu eins in der Fragestellung zum Bürgerentscheid wiedergegeben worden. Das zeigt sich in der Kostendarstellung, die aus unserer Sicht mehr als deutlich erhöht dargestellt worden ist. Uns liegen von bereits bestehenden, gleichen Bädern wesentlich niedrigere Zahlen vor.

Wagen Sie eine Prognose, wie der Bürgerentscheid ausgeht?

Eine Prognose ist schwer. Jeder Ortsteil hat seine eigenen Wünsche und Interessen. Das sind bei manchen Gemeinschaftshäuser, bei anderen Spielplätze, Ortsdurchfahrten oder Gehwege. Alle diese Maßnahmen können wir nur gemeinsam umsetzen. Deshalb gilt es, Vertrauen zu schaffen. 

Das gilt auch beim emotionalen Thema Bad. Das Bad ist für viele Glashütter genauso wichtig wie die Uhren. Und wir reden nicht von einem Neubau, sondern einem Ersatzneubau. Das ist in der langen Diskussion in Vergessenheit geraten. Ich kann nur an jeden Wähler appellieren, dass er mit dem Entscheid den Glashüttern und dem gesamten Gemeindegebiet das Bad zurückgeben kann, was ihnen durch das Hochwasser genommen wurde. 

Wird es gebaut, hätte Glashütte eine Attraktion mehr, die dann von den Glashüttern und ihren Gästen auch aktiv genutzt werden sollte. Unsere Kinder wären dafür sicher auch dankbar.

Das Gespräch führte Maik Brückner.

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