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Das unsichtbare Auge

Zwei Männer wollen von einem Wertstoffhof in Radebeul Buntmetall stehlen. Sie werden beobachtet. Aus 700 Kilometern Entfernung.

© Norbert Millauer

Von Jürgen Müller

Meißen/Radebeul. Normalerweise kommen sie nachts, die Buntmetalldiebe. Doch in diesem Fall ist das anders. Es ist schon lange hell an diesem 20. November 2016, als sich zwei Männer mit ihren Fahrrädern auf den Weg zu einem Wertstoffhof in Radebeul machen.

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Dort reißen sie ein Zaunsteil aus der Verankerung. So gelangen sie an jenem Sonntagvormittag auf das Gelände. Sie haben zwei große Sporttaschen mit, die teilweise gefüllt sind. Mit Einbruchswerkzeug und Handschuhen. Die damals 35 und 37 Jahre alten Männer glauben sich unbeobachtet. Schließlich ist Sonntag, weit und breit ist kein Sicherheitsdienst zu sehen. Und sind völlig überrascht, als plötzlich Polizei auftaucht. Sie fliehen, kommen aber nicht weit. Auf den Bahngleisen, die hinter dem Firmengelände verlaufen, werden sie von der Bundespolizei festgenommen.

Die stellt bei der Überprüfung fest, dass gegen einen der beiden Tatverdächtigen ein Haftbefehl vorliegt. Der Mann wandert direkt ins Gefängnis. Zuvor hatte er bei der Polizei noch eine Art Geständnis abgelegt. „Wir wollten gerade anfangen“, hatte er zugegeben. Doch soweit kam es nicht. Sie wurden nämlich doch beobachtet. Und zwar aus einer Entfernung von 700 Kilometern. Dort im saarländischen Püttlingen nämlich hat die Sicherheitsfirma, die das Betriebsgelände per Videokameras überwacht, ihren Sitz. Ein Mitarbeiter entdeckt zwei Personen an diesem Sonntag auf dem Betriebsgelände, alarmiert die Meißner Polizei. Die ist mit drei Streifenwagen und sechs Beamten schnell vor Ort.

Nicht vor Ort ist hingegen einer der beiden Angeklagten zur Gerichtsverhandlung in Meißen. Dort sollen sich die beiden wegen versuchten Diebstahls verantworten. Das ist insofern verwunderlich, weil der Mann, der in Leipzig wohnt, zuvor vom Gericht einen Fahrschein nach Meißen beantragt hatte und diesen auch bekam. Dennoch ist er nicht da und auch nicht telefonisch zu erreichen.

So trennt der Richter das Verfahren ab, verhandelt nur gegen den anderen Angeklagten. Immerhin ist ein Zeuge mehr als 700 Kilometer angereist. Erst im Laufe der Verhandlung stellt sich heraus, dass der Sicherheitsmann gar nicht in Meißen war, sondern in Püttlingen saß. Er kann auch nicht mehr sagen, als auf dem Video ohnehin zu sehen ist. Hätte der Richter das gewusst, hätte er ihn nicht nach Meißen bestellt. Die Bilder der Kamera sind allerdings schlecht. Es ist eine Infrarotkamera, die lediglich dazu dient, Menschen und Tiere unterscheiden zu können, so der Zeuge. Der Einbruch selbst ist auf dem Video nicht zu sehen, nur zwei Personen, die sich auf dem Gelände bewegen.

Warum die beiden Einbrecher Buntmetall stehlen wollten, liegt auf der Hand. Beide sind schwer drogenabhängig, brauchten Geld. Auf Anraten seiner Verteidigerin äußert sich der verbliebene Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. Der Richter bietet an, bei einem Geständnis eine Haftstrafe zwischen vier und sieben Monaten zu verhängen, die zur Bewährung ausgesetzt werde. Das ist ein Angebot, das man in der Lage des Angeklagten nicht ablehnen sollte. Immerhin steht er schon unter Bewährung, ist Bewährungsbrecher. Dennoch geht er nicht darauf ein.

So wird ein neuer Termin angesetzt, zu dem weitere Zeugen geladen werden. Es wird dann gegen beide Angeklagte getrennt verhandelt. Ein Ticket bekommt der andere diesmal nicht. Die Polizei wird ihn vorführen. Werden die beiden dann nicht geständig sein und verurteilt, ist wohl schon jetzt ziemlich klar: Mit Bewährung dürften sie dann nicht davonkommen.

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