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Unterricht bleibt Ausnahme

An den Schulen in der Stadt fanden wegen des Streiks vor allem Sonderaktionen wie Theateraufführungen statt.

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© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Meißen. Mittwoch: Das Licht in den Klassenzimmern ist aus, die Stühle sind hochgestellt, und auch auf den Gängen sind keine Stimmen zu hören – so, wie in der Pestalozzischule ist es auch in anderen Schulen der Stadt an diesem Morgen. Der Grund: Die Lehrer befinden sich in einem ganztägigen Warnstreik.

Warum, dass erläutert Peter Neumann. Er unterrichtet Mathe und Physik: „Wir müssen Bedingungen schaffen, die anderen Bundesländern vergleichbar sind. Wir müssen erreichen, dass Lehramtsstudenten und Referendare nach dem Studium Sachsen nicht verlassen, weil sie anderswo bessere Arbeitsbedingungen vorfinden.“ Deshalb fordern der Sächsische Lehrerverband (SLV) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) als Anreiz Einkommensverbesserungen, sind doch anders als in anderen Bundesländern alle Lehrer und die Hälfte der Schulleiter in Sachsen nicht verbeamtet.

Auf die Frage nach einem drohenden Bildungsnotstand aufgrund von Lehrermangel, antwortet Peter Neumann: „Ich glaube, das ist in greifbarer Nähe, Sachsen muss einen enormen Wandel durchmachen, um aufzuholen.“ Er verweist darauf, dass immer mehr Schüler extra Hilfe brauchten, um den Lernstoff zu schaffen und auch, um soziale Kompetenz zu erlangen. Ein Lehrermangel bringe jedoch größere Klassenstärken mit sich, wodurch die Lehrer weniger Zeit für den einzelnen Schüler hätten.

Schulleiterin Sigrid Utikal von der Johannesschule erklärt, dass es ihre Aufgabe sei, auch in schwierigen Situationen den Schulbetrieb zu organisieren. Der besteht an diesem Mittwoch nicht wie sonst im regulären Unterricht, sondern in der Bereitstellung von Betreuungsangeboten für die Schüler, die nicht zu Hause bleiben oder anderweitig betreut werden konnten. Allerdings ist auch das Gros der 330 Kinder an der Johannesschule am Mittwoch nicht in dieser erschienen. Die doch gekommen waren, wurden von Lehrern betreut, später vom Hort übernommen. Die drei vierten Klassen sind zu einer lange geplanten Aufführung ins Theater Meißen gegangen.

Ein Teil der 22 Lehrer der Johannesschule war nach Dresden zur zentralen Streikkundgebung gefahren. Und auch wenn eine der zentralen Gewerkschaftsforderungen von SLV und GEW Einkommensverbesserungen von insgesamt sechs Prozent sind, steht für Sigrid Utikal nicht das Geld an erster Stelle. Es ist eher Mittel zum Zweck. „Die Altersstruktur ist so, dass man sich Gedanken um die Absicherung des Schulbetriebs in der Zukunft machen muss“, erklärt sie.

Das sieht auch Jens Laetsch, der stellvertretende Leiter des Gymnasiums Franziskaneum, so. „Es wird oft gesagt, die Lehrer wollten nur, es geht aber auch darum, die Zukunft aller Schulen zu sichern.“ Der Fachkräftemangel ist inzwischen so groß, dass 570 der 1096 zum Anfang des Schuljahres eingestellten Lehrer keine Pädagogikausbildung mehr hatten. Um Anreize zu schaffen, fordern die sächsischen Lehrergewerkschaften auch die Einführung einer sogenannten Erfahrungsstufe 6, die entsprechend vergütet wird, um ein Gegengewicht zu der in anderen Bundesländern üblichen Verbeamtung zu schaffen.

Auch für diejenigen der 860 Schüler des Franziskaneums, die am Mittwoch gekommen waren, gab es Ersatzangebote. Auch hier wurde eine Theateraufführung nicht gestrichen, hier wurden Kurse in den Jahrgangsstufen 11 und 12 gegeben. Und Schulleierin Heike Zimmer weist auf einen Hintergrund des Warnstreiks hin, der positiv ist und dessen Forderungen noch unterstreicht: „Wir haben deutlich wachsende Schülerzahlen.“