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Dresden

Unterricht für Flüchtlingskinder soll starten

Nach jahrelangen Debatten gibt es nun einen Starttermin für das Angebot in den Erstaufnahmeeinrichtungen.

Nun soll das Bildungsangebot beginnen.
Nun soll das Bildungsangebot beginnen. ©  Archiv/dpa

Alle rund 100 Kinder, die in den Dresdner Erstaufnahmeeinrichtungen untergebracht sind, sollen ab kommenden Montag unterrichtet werden. Konkret spricht das sächsische Innenministerium von einem "Bildungsangebot". 

Geplant sei, die Maßnahme in allen sächsischen Erstaufnahmeeinrichtungen zu etablieren, also auch für die  Kinder auf der Hamburger und Bremer Straße, so die Landesdirektion. Jahrelang wurde darüber diskutiert, da viele Mädchen und Jungen in den Lagern in Dresden bisher über Monate hinweg nicht zur Schule gingen. Denn für sie gilt keine Schulpflicht. Diese setzt erst mit der Verteilung auf die Landkreise und kreisfreien Städte ein. Sie gelte dann für jedes Kind unabhängig vom Aufenthaltstitel, betont das Kultusministerium. Heftige Kritik an dem fehlenden Unterricht kam von Flüchtlingsinitiativen und auch von Ex-Jugendamtsleiter Claus Lippmann. 

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Kritik an dem jetzt geplanten Angebot kommt von den Grünen: "Wir halten das vorgeschlagene Bildungsangebot für ungenügend und fordern einen regulären Schulbesuch ab dem ersten Tag des Aufenthalts, spätestens jedoch nach drei Monaten. Die Schulpflicht muss auch für Kinder in den Erstaufnahmeeinrichtungen gelten", so Grünen-Landtagsabgeordneter Volkmar Zschocke, der asylpolitische Sprecher der Fraktion.

Das Modellprojekt für den Unterricht, das in der Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz erprobt wurde, sei inzwischen vom Innen- und Kultusministerium ausgewertet und für gut befunden worden. Die Landesdirektion Sachsen wird für das Lernangebot die Verträge mit den Betreibern der Heime entsprechend anpassen. Die Flüchtlingskinder im Alter zwischen sechs und 18 Jahren in allen sächsischen Einrichtungen sollen künftig ab dem ersten Tag der Unterbringung ein Bildungsangebot bekommen. Es soll den Kindern einen strukturierten Tagesablauf und Lernkompetenz sowie die deutsche Sprache und Kultur vermitteln.

Das Angebot soll je nach Alter und Vorwissen durch Pädagogen vor Ort unterrichtet werden. Eingesetzt werden laut Innenministerium Lehrer mit Staatsexamen sowie Lehramts- und Pädagogikstudenten mit mindestens einem Jahr pädagogischer Ausbildung. 

In vielen Bundesländern gilt die Schulpflicht auch für Kinder in den Erstaufnahmeeinrichtungen. In Bayern gilt sie für alle Kinder, sagte Sprecherin Kathrin Ann Gallitz aus dem bayerischen Kultusministerium. Für die Flüchtlingskinder seien Deutschklassen eingerichtet. Auch in Baden-Württemberg dürfen solche Kinder die Schule besuchen. "Das Recht zum Besuch einer Schule besteht von Anfang an", so Carsten Dehner, Sprecher des dortigen Innenministeriums. Meist werden sie an Schulen in Vorbereitungsklassen oder an beruflichen Schulen unterrichtet.