merken

Untersuchung verhindert Darmkrebs

Dr. Roland Pfützer und Dr.  Henning Spieker sprechen beim Gesundheitsforum über Vorbeugung und Behandlung von Darmkrebs.

© André Braun

Das Gesundheitsforum des Klinikums Döbeln dreht sich diesmal um den Darmkrebs und vor allem um seine Früherkennung. Über Untersuchung und Therapiemöglichkeiten hat der DA mit Chefarzt Dr. Roland Pfützer gesprochen.

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Ihre Karriere im Klinikum Döbeln

Wenn Ihr Herz für die Pflege schlägt, sind Sie im Klinikum Döbeln genau richtig.

Herr Pfützer, welche Möglichkeiten gibt es, einen Darmkrebs in seinen Vorstadien zu entdecken?

In den allermeisten Fällen ist der Darmkrebs eine sogenannte sporadische Erkrankung ohne familiäre Veranlagung, die mit zunehmendem Alter häufiger auftritt. Deswegen gibt es ab einem gewissen Alter Vorsorgeuntersuchungen. Das sind die Darmspiegelung ab dem 55. Lebensjahr und die jährliche Vorsorgeuntersuchung mit einem Stuhltest ab dem 50. Lebensjahr. So hoffen wir, die Patienten mit einem erhöhten Risiko herauszufinden, damit es gar nicht erst zu einer Erkrankung kommt.

Mit anderen Worten, der Darmkrebs wird sonst oft zu spät bemerkt?

Ganz allgemein gilt, dass sich in den letzten Jahren ein Viertel der Patienten mit der Diagnose Darmkrebs bereits in einem Stadium befand, in dem man nicht sicher von einer Heilung ausgehen konnte. Dann ist nur noch eine palliative Therapie sinnvoll, die eine Linderung, aber keine Heilung bringt. Das ist umso bedauerlicher, weil man viele Patienten noch heilen könnte. Darmkrebs ist eine häufige Erkrankung. Wir wissen, dass es Vorstufen gibt und die Entwicklung zum Krebs über zehn Jahre oder länger geht. Wir haben die Möglichkeit, bei der Darmspiegelung Polypen zu entfernen, die in den nächsten Jahren vielleicht ein Darmkrebs geworden wären. Typische Alarmzeichen sind Blut im Stuhl oder ungewollte Gewichtsabnahme. Aber das sind eben auch spät auftretende Zeichen, da kann die Erkrankung schon weit fortgeschritten sein. Auf jeden Fall muss man das dann weiter abklären.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch an Darmkrebs erkrankt?

Wir haben in Deutschland jährlich etwa 60 000 Fälle. Die Wahrscheinlichkeit ist also relativ hoch. Es gibt Risikofaktoren: Wenn ein Patient zum Beispiel Verwandte ersten Grades hat, die an Darmkrebs erkrankt sind, dann spricht man die Empfehlung zu einer frühen Untersuchung vor dem 55. Lebensjahr aus. Es gibt auch noch weitere Faktoren, von denen man weiß, dass sie das Risiko erhöhen. Zuckerkrankheit, Rauchen, übermäßiger Alkoholgenuss gehören dazu. Auch Übergewicht spielt eine Rolle.

Was tun Sie als Arzt, damit es gar nicht erst zu einer Erkrankung kommt?

Die Krankheit fängt ganz häufig mit sogenannten Polypen an. Davon gibt es Formen, die bösartig werden können, wenn man sie wachsen lässt. Jeder Polyp, der weg ist, kann nicht mehr entarten. Wenn so ein Polyp entfernt wurde, wird man das Intervall für eine Darmspiegelung von zehn Jahren auf fünf oder drei Jahre verkürzen, damit nachwachsende Polypen entfernt werden können.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei der Entstehung von Darmkrebs?

Die Ernährung spielt eine Rolle, ist aber nur ein Faktor von vielen. Wenn jemand viel rotes Fleisch isst, dann vielleicht noch oft gegrillt, und nicht genügend Ballaststoffe etwa durch Gemüse zu sich nimmt, erhöht sich das Risiko. Bestimmte chemische Substanzen, die länger im Darm verbleiben, können die Reparaturmechanismen in den Zellen behindern und daraus kann Krebs entstehen.

Wenn Sie einen Darmkrebs diagnostizieren, wie behandeln Sie die Erkrankung?

Wenn wir einen Polypen entfernen und der Pathologe sagt, der war bösartig, ist aber komplett abgetragen, dann ist das eine gute Situation. In diesem Falle gibt es eine rein endoskopische Nachsorge über einige Jahre. Wenn wir etwas entdecken, von dem wir glauben, dass es nicht mehr gutartig ist, dann nehmen wir Proben und untersuchen, in welchem Stadium die Erkrankung ist. Ob sie auf den Darm begrenzt ist, ob es in der Lunge oder Leber Absiedlungen des Tumors gibt. Im Dickdarm kann man meist operieren. Dann wird ein Stück des Darms entfernt. Der verbleibende Teil reicht oft aus, um die normale Funktion zu erhalten. Im Mastdarm erfolgt meist eine Vortherapie, eine kombinierte Strahlen- und Chemotherapie, die den Tumor verkleinert. Dann haben die Patienten ein geringeres Risiko, dass der Krebs an gleicher Stelle wiederkommt. Auch Tochtergeschwülste etwa an der Leber oder Lunge bedeuten nicht, dass man die Krankheit nicht heilen kann. Aber klar ist auch, dass die Prognose schlechter ist, wenn der Krebs erst einmal gestreut hat.

Gesundheitsforum zum Thema Darmkrebs mit Dr. Roland Pfützer und Dr. Henning Spieker am Donnerstag, 17  Uhr, Kreissparkasse Döbeln. Der Eintritt ist frei.

Osterüberraschung