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Urkunden im Netz

Der Bautzener Archivverbund hat 1 600 historische Schriften digitalisiert. Ab jetzt kann jeder vom Sofa aus forschen.

© Carmen Schumann

Von Marleen Hollenbach

Bautzen. Ein Mausklick genügt. Schon öffnet sich eine Seite auf dem Bildschirm. Grit Richter-Laugwitz, Chefin des Bautzener Archivverbundes, sucht in einer langen Liste den richtigen Eintrag heraus. Dann klickt sie noch einmal. Eine Urkunde geht auf. Das Schriftstück aus dem Mittelalter ist deutlich zu erkennen. „Wer möchte, kann jetzt den Text lesen, darin stöbern und so vieles über die Stadt Bautzen erfahren“, sagt sie.

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Dass jeder die vielen Urkunden des Stadtarchives einsehen kann, ist nicht neu. Dass dafür ein Mausklick genügt, allerdings schon.Wer bislang die Urkunden anschauen wollte, der musste sich beim Archivverbund anmelden. Ganz gleich, ob es sich dabei um einen Historiker oder Hobbyforscher handelte. Das Archiv verteilte dann Termine. Das konnte eine Woche, manchmal sogar bis zu zwei Wochen dauern. Schließlich musste der Forscher nach Bautzen fahren, wo die Mitarbeiter des Stadtarchives ihm die Urkunde zur Einsicht gaben. Dieses Prozedere hatte gleich mehrere Nachteile. Für den Forscher war die Sichtung einer Urkunde eine komplizierte und vor allem langwierige Sache. Und auch für das Schriftstück selbst war das Vorgehen nicht gerade von Vorteil. Wurde die Urkunde sehr oft verlangt, konnte das historische Papier abnutzen. „Einige Schriftstücke konnten wir gar nicht zeigen. Die Gefahr war zu groß, dass sie dabei kaputt gehen“, erklärt Grit Richter-Laugwitz. Nun sind sogar diese Schriften einsehbar. Jederzeit, vom Sofa aus.

Das ist erst der Anfang

Vor drei Jahren begann der Bautzener Archivverbund damit, die Urkunden zu digitalisieren. Die Mitarbeiter schauten sich die Schriftstücke an, scannten die Urkunde ab und stellten sie ins Internet. Auf einem Portal, das sich Monasterium nennt, sind sie nun zu finden. Doch damit die Forscher auch gezielt danach suchen können, haben sich die Mitarbeiter des Archivverbundes alle Schriftstücke genau angesehen. In welchem Jahr entstand die Urkunde? In welcher Sprache wurde sie geschrieben? Zudem erfasste der Archivverbund alle Namen, die auf dem historischen Schriftgut eine Rolle spielen.

Dabei ging es zum Beispiel darum, unterschiedliche Ortsbezeichnungen zu erkennen und sie zusammenzufassen. Wenn also ein Forscher im Internet nach der Stadt Bautzen sucht, dann bekommt er auch Urkunden, bei denen die Stadt beispielsweise „Budissin“ oder „Paudescheyn“ genannt wird. Derzeit können die Forscher schon 1 600 Urkunden aus Bautzen im Internet finden. Das jüngste Schriftstück stammt aus dem Jahr 1256. Das Älteste ist von 1902. Und das ist erst der Anfang. Jedes Jahr wollen die Mitarbeiter weitere 800 Schriftstücke online stellen. In drei Jahren wären auf diese Weise fast alle Urkunden im Netz verfügbar.

Interesse aus Prag

Bautzen nimmt damit eine Vorreiterrolle in Sachsen ein. Neben dem Archivverbund hat bislang lediglich das Hauptstaatsarchiv Dresden Urkunden ins Netz gestellt. Und die Digitalisierung kommt gut an. Vor allem Historiker aus Prag interessieren sich für die Bautzener Schriftstücke und sind froh, diese nun bequemer abrufen zu können. Und doch bereitet Grit Richter-Laugwitz eine Sache Sorgen. „Die Menschen denken mittlerweile, was es im Netz nicht gibt, das existiert nicht. Aber wir haben viel mehr Material, als wir online stellen können“, sagt sie. Ein Besuch im Stadtarchiv lohnt sich demnach immer noch.

www.monasterium.net