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Urteil zur Gefangenen-Meuterei

Es war einer der brutalsten Angriffe auf einen Wachmann der Zwickauer JVA: Für ihren versuchten Ausbruch von Oktober 2016 sollen zwei Männer erneut hinter Gitter. Doch schon kurz nach dem Richterspruch steht fest, dass das Verfahren in die nächste Instanz gehen wird.

Zwickau. Jugendstrafen für versuchten Gefängnisausbruch: Das Amtsgericht Zwickau hat am Dienstag zwei junge Männer wegen Gefangenenmeuterei zu mehr als zwei Jahren Haft verurteilt.

Einer der beiden 22-Jährigen sei gemeinsam mit einem dritten Täter im Oktober 2016 durch eine manipulierte Essensklappe aus seiner Zelle geklettert, hieß es im Urteil. Der zweite Angeklagte - nach Ansicht des Gerichts der Drahtzieher - hatte unter dem Vorwand, eine Kopfschmerztablette zu benötigen, einen Wärter gerufen. Als dieser zum Haftraum der Männer kam, wurde er von dem mit 17 Jahren jüngsten Täter mit einem Tischbein brutal niedergeschlagen.

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Aufgrund der schweren Verletzungen des Opfers ließ der Jugendliche jedoch vom weiteren Tatplan ab. In einem abgetrennten Verfahren hatte er die Tat eingeräumt und seine Mitgefangenen schwer belastet. Unter Einbeziehung weiterer Straftaten war er bereits im Oktober 2017 rechtskräftig zu einer mehrjährigen Jugendstrafe verurteilt worden.

Mit ihrem Urteil blieb das Gericht unter der Forderung des Staatsanwalts. Dieser hatte den Angriff in seinem Plädoyer feige und hinterhältig genannt und jeweils mehr als drei Jahre Haft gefordert. Mit seinem Verhalten im Prozess habe der „Kopf hinter der Tat“ zudem sein Opfer verhöhnt. So hatte der mehrfach vorbestrafte Drogendealer unter anderem das Victory-Zeichen gezeigt und bei Zeugenaussagen immer wieder gegrinst. Zu den Tatvorwürfen schwiegen beide Angeklagte hingegen bis zum Schluss.

Die Verteidiger der Männer hatten Freispruch gefordert. Demnach seien die belastenden Aussagen des dritten Täters nicht glaubwürdig, die Mittäterschaft somit nicht zweifelsfrei bewiesen. Daher werde man Rechtsmittel einlegen, sagten die Anwälte nach der Urteilsverkündung der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatten etliche Beweisanträge der Verteidigung, die das Gericht durchweg abgelehnt hatte, das Verfahren in die Länge gezogen.

Die Angehörigen des Opfers zeigten sich von dem Prozess enttäuscht. Es seien wichtige Hinweise aus der Ermittlungsakte nicht zur Sprache gekommen, sagte die Ehefrau des Opfers. Sie hoffe nun auf die zweite Instanz und ein härteres Urteil. Ihr Ehemann leidet demnach noch heute unter den Folgen des Angriffs und klage nahezu täglich über Kopfschmerzen. Der 54-Jährige selbst saß während der insgesamt drei Verhandlungstage mit Ausnahme seiner Zeugenaussage nicht im Gerichtssaal. (dpa)