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US-Diplomat will gern Tourismus-Botschafter sein

Der Generalkonsul ist bei seinem Besuch in Pirna von der Region beeindruckt. Seine Landsleute reisen immer öfter nach Sachsen.

© Daniel Schäfer

Von Gunnar Klehm

Die Drittelstunde – der SZ-Podcast

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Für einen Diplomaten fand er erstaunlich offene Worte. Deutschland müsse mehr Geld für Verteidigung im Rahmen der Nato ausgeben. Bisher laste zu viel auf den USA. „Die Ungleichgewichte müssen behoben werden“, sagte Timothy Eydelnant, der Generalkonsul der USA für die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, vor kurzem beim Unternehmerstammtisch in Pirna.

Dabei ging es aber nicht nur um die Weltpolitik, sondern auch um eine konkrete Zusammenarbeit. Seit Jahren pflegt das US-Konsulat Kontakte nach Pirna. Einer der Vorgänger im Amt, das Eydelnant seit etwa einem Jahr bekleidet, war einst über den Markt der Kulturen auf Pirna aufmerksam geworden. Eine Partnerschaft entstand, in der es einen Austausch zwischen freiheitlichen Demokratie-Projekten gibt, sowie von Studenten oder Kulturschaffenden. „Diese Beziehungen laufen inzwischen unabhängig davon, wer im Weißen Haus oder im Bundestag regiert“, sagt Eydelnant.

Die Einladung, Pirna zu besuchen, nahm er auch deshalb an, weil immer mehr US-Amerikaner den Freistaat besuchen und Sachsen im Jahr 2021 Partnerland der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) ist. Darauf wolle sich der Generalkonsul, der seinen Sitz in Leipzig hat, bestens vorbereiten und die Tourismusregion erkunden. „Von der Stadt Pirna und von der Lage bin ich sehr beeindruckt“, sagt Eydelnant. Er ist überzeugt davon, dass die US-Amerikaner bald wieder den größten Anteil ausländischer Touristen in Sachsen stellen werden. Das war laut den Zahlen des Statistischen Landesamtes zuletzt 2010 der Fall. Im vergangenen Jahr wurden die USA lediglich von den Niederlanden übertrumpft und waren mit Polen gleichauf. In den Jahren zuvor kamen auch mal mehr Schweizer und Österreicher zum Urlaub nach Sachsen als US-Amerikaner. Im Hinblick auf 2021 wolle der US-Diplomat gern seine positiven Eindrücke vom Freistaat weitergeben und Botschafter für die Tourismuswirtschaft sein, wie er im Gespräch mit der SZ erklärte.

Beim Unternehmertreff bekräftigte er, wie wichtig die wirtschaftliche Zusammenarbeit der USA mit Deutschland ist. Davon würden beide Seiten profitieren. „Da möchte ich gern Brücken bauen“, erklärt der Generalkonsul. Auf die Abgas-Krise in der Automobilindustrie angesprochen, verwies er auf die enge Verknüpfung beider Staaten. Er selbst fahre sowohl privat als auch dienstlich einen BMW. „Der wurde aber in South Carolina produziert“, sagt Eydelnant.

Auch Pirnaer Unternehmen unterhalten Wirtschaftsbeziehungen in die USA. Dazu gehört beispielsweise die Fahrzeugelektrik Pirna (FEP), die auch einen US-Gesellschafter hat. Auf die neuen Strafzölle auf Stahl oder Aluminium angesprochen, erklärte FEP-Geschäftsführerin Evelyn Duarte Martinez, dass das für die Produkte aus Pirna kein Problem ist. „Aber natürlich prüfen wir sofort jede neue Entscheidung aus den USA, ob das Auswirkungen auf unser Unternehmen hat“, sagt sie.

Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos) nutzte den Besuch auch, um auf den geplanten Industriepark Oberelbe (IPO) aufmerksam zu machen. In Anbetracht der Größe der Fläche „könne es nicht verkehrt sein, großräumig die Kontakte zu pflegen“, sagt Hanke. Ihm ist klar, dass es noch viele Hürden zu überspringen gibt, bis sich dort an der A 17 tatsächlich Firmen ansiedeln werden. Eine Informationsveranstaltung zum aktuellen Stand ist für den 14. November, ab 18 Uhr, im Schillergymnasium an der Seminarstraße in Pirna geplant.