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US-Strafzölle treffen kaum Firmen in der Region

Für Automobil-Zulieferer ist das Thema aber noch nicht vom Tisch. Sie sind abhängig von ihren Kunden.

© Matthias Weber

Von Gabriela Lachnit

Obwohl es im südlichen Landkreis Görlitz kaum Firmen gibt, die Stahl- oder Aluminiumprodukte in die USA liefern, wird das Thema Strafzölle zwischen Oppach und Zittau diskutiert. Denn auch Strafzölle auf Autos führt US-Präsident Donald Trump immer wieder als Drohung an. Diese wahr gemacht, könnte sich das sehr wohl auf Firmen aus der Region auswirken.

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Die Drohgebärden aus Übersee treiben auch Lars Fiehler um. Er ist Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Dresden. „Als viel größere Bedrohung für die sächsische Wirtschaft allgemein als die Zölle auf Stahl und Aluminium sehe ich nämlich die Automobilthematik.“ Sie sei anders als die Stahlthematik noch nicht entschieden. „Sollten europäische Automobilexporte in die USA tatsächlich durch erhöhte Einfuhrzölle deutlich verteuert werden, ist zweifelsohne von einem Exportrückgang auszugehen“, sagt der IHK-Sprecher.

Selbst deutsche Hersteller, die in den USA produzieren, könnten betroffen sein, da eine beachtliche Zahl von Fahrzeugen, die in den USA hergestellt werden, von dort zum Beispiel nach China exportiert wird, das seinerseits schon Einfuhrbeschränkungen gegenüber den USA erhebt beziehungsweise über weitere nachdenkt, erläutert Fiehler.

Bernd Nebel ist Geschäftsführer von plastic concept in Neusalza-Spremberg. Das Unternehmen ist einer der größten Zulieferer für die Automobilindustrie, der im südlichen Landkreis Görlitz agiert. Plastic concept fertigt Kunststoffteile für die Automobilindustrie, zum Beispiel Aschebecher und Verblendungen verschiedener Art für Fahrzeuginnenräume. Der Firmenchef sieht auf seinen Betrieb im Oberland kein großes Problem zurollen, wenn die USA Strafzölle auf Autos erhebt. „Wir fertigen Kunststoffteile vorrangig für Nutzfahrzeuge, unter anderem auch für Volkswagen“, erklärt Bernd Nebel. Die meisten in die USA gelieferten VW-Autos würden in den USA selbst oder in Mexiko gebaut, erklärt Nebel. Dorthin liefert plastic concept seine Kunststoffteile nicht. Ein wenig bange wäre dem Geschäftsführer aber schon, wenn die gesamte Marke Volkswagen von Strafzöllen betroffen wäre.

Wie hoch die Exportabhängigkeit Sachsens vom Thema Automobil ist, machen allein die Zahlen des ersten Quartals 2018 deutlich. Insgesamt wurden in den ersten drei Monaten von sächsischen Unternehmen Waren im Wert von 852 Millionen Euro in die USA ausgeführt. Mit 536 Millionen Euro entfielen genau zwei Drittel davon auf den Kraftfahrzeugbau, der sich bekanntlich auch im Inland durch die Diskussionen um Diesel und Elektromobilität großen Herausforderungen gegenüber sieht. „Und wenn man bedenkt, dass es im Freistaat nicht nur die drei Produzenten Porsche, BMW und Volkswagen gibt, sondern eben auch eine sehr große Zahl an Zulieferunternehmen, sei es im Kunststoffbereich, bei elektronischen Bauteilen, technischen Textilien und vielen mehr, dann liegt hierin momentan das größte Risiko“, schildert Lars Fiehler. Man könne das Ganze sogar noch weiterdenken, erläutert er. Zum Beispiel, dass wiederum der Maschinen- und Anlagenbau eng mit der Fahrzeugindustrie verbunden ist, ebenso wie viele industrienahe Dienstleister, welche in der Folge mittelbar ebenfalls Auswirkungen von zusätzlichen Abgaben spüren könnten.

Die Firma Digades aus Zittau fertigt unter anderem elektronische Systemlösungen für Automotive. „Auf unsere Geschäftstätigkeit haben US-Strafzölle keine Auswirkungen“, sagt Mirko Zabel, der Manager für Marketing und Kommunikation. Zu möglichen Nachteilen, falls Autos mit Strafzoll belegt werden, wollte sich der Manager derzeit nicht äußern.

Für die Firma Maschinenbaubetriebe MBN in Neugersdorf ist das Thema mögliche Strafzölle auch eins, über das man öffentlich nicht sprechen möchte. MBN stellt unter anderem Maschinen für die Autoindustrie her, zum Beispiel für die Fahrzeugmontage. Man wisse nicht, wie die Kunden im Falle von höheren Abgaben durch Strafzölle betreffs der Maschinenbestellung reagieren, heißt es aus dem Unternehmen.

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Die Warnung, die Andreas Sperl, Präsident der IHK Dresden, vor Kurzem veröffentlicht hat, ist eindringlich: „Hinsichtlich der Auswirkungen auf den sächsischen Außenhandel mache ich mir mittlerweile Sorgen“, sagt er und meint die Strafzölle, die US-Präsident Donald Trump Ende Mai auf Stahl und Aluminium auch aus der EU erhoben hat. Mit einem Exportvolumen von jährlich über vier Milliarden Euro (zehn Prozent aller Exporte) seien die USA nach China der zweitgrößte Exportmarkt des Freistaats Sachsen. Schon jetzt hätten die Strafzölle negative Auswirkungen: So seien die sächsischen Exporte in die USA im ersten Quartal um rund 15 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres gesunken. Auf ein Wort