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USA kreuzen in den Persischen Golf

Mit brutalen Bildern von Hinrichtungen führt die Terrorgruppe Isis ihren Kampf im Irak auch im Internet. Amerika handelt, für alle Fälle bezieht ein US-Flugzeugträger im Persischen Golf Stellung.

© Reuters

Bagdad/Washington. Als Reaktion auf die Eskalation im Irak haben die USA Kriegsschiffe in den Persischen Golf entsandt. Die „USS George H.W. Bush“ sollte dort am Sonntag eintreffen. Begleitet werde das Schiff von einem mit Raketen bestückten Kreuzer und einem Zerstörer. Damit solle Präsident Barack Obama zusätzliche Flexibilität gegeben werden, sollten militärische Optionen nötig werden, um das Leben von Amerikanern und Interessen im Irak zu schützen.

Der massive Vormarsch der Terrorgruppe Isis im Irak löste international Entsetzen und Besorgnis aus. Experten warnen vor einem Kollaps des Iraks - mit Erschütterungen weit über die Krisenregion Nahost hinaus.

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Laut Medienberichten scheint sich die Isis vor allem in der westirakischen Provinz Anbar und im Norden zwischen Mossul und Bagdad festgesetzt zu haben. Isis habe auf eine klassische Guerilla-Taktik im Irak verzichtet, berichtete die „New York Times“. Stattdessen hätten die Dschihadisten nach langer Vorbereitung eine Schneise ins Land getrieben. Mit der Kontrolle über die drei großen Autobahnen nördlich von Bagdad sei die Kurdenregion vom Rest des Iraks abgeschnitten, „das könnte das Land endgültig zersplittern“.

Isis verlagern Krieg auch ins Netz

Geopolitische Folgen des Isis-Vormarsches

Syrien

Syriens Machthaber Baschar al-Assad erhält im Bürgerkrieg neue Optionen. Nicht nur für ihn werden die sunnitischen Islamisten zu einer immer größeren Gefahr. Isis will die ölreiche Region im Nordosten Syriens. Der Aufstieg der Isis-Kämpfer könnte somit zu völlig neuen Konstellationen führen. Er bringt gemeinsame Interessen des syrischen Regimes, der USA, der EU und auch Russlands hervor.

Russland

Militärische Erfolge sunnitischer Extremisten im Nahen Osten bekommt auch der Kreml zu spüren. Es gibt Überschneidungen mit den Islamisten, die für ein Emirat im Kaukasus kämpfen. Tschetschenen und Dagestaner sind seit langem in Syrien aktiv. Russland fürchtet, dass diese Kämpfer zurückkommen. Zwischen Mossul im Irak und dem tschetschenischen Grosny sind es gerade mal 800 Kilometer Luftlinie.

EU

Mit dem Vorrücken der Dschihadisten wächst auch in Europa die Sorge vor Anschlägen. Geheimdienste warnen vor radikalisierten Islamisten, die nach Kampfeinsätzen im Nahen Osten in ihre europäischen Heimatländer heimkehren. Ein französischer Isis-Anhänger steht im Verdacht, die Morde im Jüdischen Museum von Brüssel Ende Mai verübt zu haben.

USA

Wer kann die Isis-Brigaden stoppen, wenn nicht die USA? Allerdings hat Präsident Barack Obama eine Rückkehr von Kampftruppen in das Land ausgeschlossen. Doch Angriffe aus der Luft dürften nach Einschätzung von Experten nicht ausreichen, weil die irakische Armee zu schwach ist, in diese Gebiete dann vorzurücken. Könnte eine Allianz mit dem Iran eine Option sein? Beide Länder haben das, was dem Irak fehlt: eine gute Aufklärung.

Iran

Der Iran will unter allen Umständen die Herrschaft der Schiiten von Teheran über Bagdad und Damaskus bis nach Beirut sichern. Ein Erfolg in den Atomgesprächen würde die Bereitschaft der Führung in Teheran stärken, gemeinsam mit dem Westen die Unruheregion Nahost zu stabilisieren.

Israel

Die Entwicklung in Syrien und im Irak droht Israels Sicherheitskonzept im Nahen Osten zu zerstören. Die Islamisten plündern irakische Waffenarsenale und wollen ein Kalifat bis zum Mittelmeer errichten, Syrien, Libanon und Jordanien eingeschlossen. „Die traditionellen Grenzen zwischen Staaten werden durch Isis aufgehoben“, warnt der Konfliktforscher Christian Hacke im Deutschlandfunk.

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Mit zahlreichen Videos und Fotos grausamer Exekutionen führen die Islamisten ihren Kampf auch im Internet. Nachdem die irakische Armee und kurdische Peschmerga-Soldaten den Vormarsch der Dschihadisten gebietsweise stoppen konnten, verbreitet Isis zunehmend Bilder ihrer Gräueltaten in sozialen Netzwerken wie Twitter und YouTube. Dabei werden etwa Erschießungen und Auspeitschungen gezeigt.

Isis rückt seit Anfang der Woche auf Bagdad vor und brachte mehrere Städte unter ihre Kontrolle, darunter die nördliche Millionenmetropole Mossul. Aus verschiedenen Richtungen wollen Isis-Kämpfer Bagdad umzingeln und in die Stadt vordringen. Nach UN-Angaben wurden bei Kämpfen in den vergangenen Tagen mehrere Hundert Zivilisten getötet und etwa 1.000 verletzt. Hunderttausende Iraker sind auf der Flucht.

Nach dem Irak-Krieg (2003-2011) hatte Obama zwar eine Rückkehr von US-Kampftruppen in das Land ausgeschlossen. Andere militärische Optionen hielt er sich aber offen. Die oppositionellen Republikaner riefen Obama zu einem entschiedeneren Vorgehen auf. John McCain, einflussreicher Senator aus Arizona, drängte Obama zu sofortigen Luftangriffen, um den Vormarsch der Dschihadisten zu stoppen. Kritiker meinen dagegen, das Luftschläge keinen Sinn machten, weil die Regierungstruppen zu schwach seien, um in diese Gebiete vorzurücken.

Kerry fordert Überwindung religiöser Konflikte

US-Außenminister John Kerry betonte in einem Telefonat mit seinem irakischen Kollegen Hoschiar Sebari, Hilfe durch die USA würde nichts bringen, solange die verschiedenen Gruppen in dem Land nicht ihre Differenzen überwänden, um die für die Zukunft des Iraks notwendige nationale Einheit zu schaffen.

Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen wurde am Abend im Mitgliedsland Türkei erwartet. Die Türkei hatte am Mittwoch bei einer Sondersitzung des Nato-Rates seine Verbündeten über die Entführung von Dutzenden Türken im Nordirak informiert.

Ziel der Terrorgruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) ist ein sunnitischer Gottesstaat vom östlichen Mittelmeer bis zum Persischen Golf. Im Irak erklärten sich Tausende, vor allem schiitische Freiwillige zum Widerstand gegen die Extremisten bereit. Allein in Nadschaf würden 100.000 Rekruten für die Aufnahme in die irakische Armee erwartet, berichtete „Al-Sumaria News“.

Viele seien dem Aufruf des schiitischen irakischen Großajatollahs Ali al-Sistani gefolgt. Er hatte seine Glaubensbrüder aufgefordert, schiitsche Heiligtümer im Land vor den sunnitischen Isis-Kämpfern zu beschützen. Isis kämpft gegen Schiiten, die sie als „Abweichler“ von der wahren Lehre des Islams ansieht. Viele Sunniten fühlen sich seit Jahren von der schiitisch dominierten Regierung in Bagdad diskriminiert. Deswegen fiel der Terrormiliz der Vormarsch zunächst leicht.

Die Krise im Irak wird nach Meinung des renommierten Londoner Experten Fawaz Gerges zwangsläufig zu einer Macht-Aufsplittung zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden führen. „Ganz egal was in den nächsten Tagen und Wochen passiert - wir werden eine Fragmentierung der Macht erleben“, sagte Gerges in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Die Chance, dass der Irak als Staat erhalten werden könne, schätzt der im Libanon geborene Politik-Professor der London School of Economics (LSE) auf 50:50. Es komme darauf an, ob die einzelnen Kräfte in der Lage seien, miteinander zu reden. (dpa)

Mehr Informationen

›› Analyse: Das Vorrücken der Isis
›› Human Rights Watch zur Lage im Irak
›› „New York Times“ über Internetsperre im Irak