merken
Deutschland & Welt

Facebook-Whistleblowerin fürchtet um ihre Sicherheit

Frances Haugen hatte interne Unterlagen publiziert. Jetzt hat sie Angst, dass Gerüchte über sie andere Menschen radikalisierten könnten.

Frances Haugen hat interne Unterlagen von Facebook dem US-Kongress zur Verfügung gestellt. Nun berichtet die Ex-Mitarbeiterin des Konzerns von Drohungen gegen sich.
Frances Haugen hat interne Unterlagen von Facebook dem US-Kongress zur Verfügung gestellt. Nun berichtet die Ex-Mitarbeiterin des Konzerns von Drohungen gegen sich. © Christophe Gateau/dpa

Facebook-Whistleblowerin Frances Haugen sorgt sich nach dem Gang an die Öffentlichkeit um ihre Sicherheit. "Wovor ich am meisten Angst habe, ist vermutlich nicht Facebook. Es ist, dass es eine Menge Leute gibt, die davon profitieren, wie das System heute funktioniert", sagte Haugen der Deutschen Presse-Agentur.

Sie befürchte, dass diese Leute Gerüchte über sie verbreiten könnten, die irgendjemanden radikalisierten. "Ich denke, es gibt die Möglichkeit, dass jemand Verschwörungstheorien über mich glauben und mir Schaden zufügen könnte", sagte die 37-Jährige. So stoße sie bei Twitter auf extreme Ideen über sich. Sie sei auch um ihre Familie besorgt: "Ich lese Bedrohungs-Analysen über Leute, die sich im Dark Web über meine Mutter unterhalten."

Anzeige
Ein Gruß zu Weihnachten
Ein Gruß zu Weihnachten

Überraschen Sie Ihre Lieben zum Fest mit einer individuellen Grußanzeige in Ihrer Sächsischen Zeitung, der Morgenpost und dem Döbelner Anzeiger.

Die frühere Facebook-Mitarbeiterin Haugen hatte eine große Sammlung interner Unterlagen heruntergeladen und dem US-Kongress, Behörden sowie ausgewählten Medien zur Verfügung gestellt. Die Informationen belegen ihr zufolge, dass der Konzern Profite über das Wohl seiner Nutzer stellt. So seien interne Hinweise auf für Nutzer schädliche Entwicklungen ignoriert worden. Facebook weist die Vorwürfe zurück.

Die Aufmerksamkeit nach ihren Enthüllungen findet Haugen "surreal", während sie generell auf ihre Privatsphäre bedacht sei. "Ich denke, dass es bei den Menschen einen Hunger danach gibt, in diese Systeme hineinzusehen, die einen so großen Einfluss auf ihre Leben haben." Sie sei dankbar, dass sie ihre Informationen ernst nähmen.

Weiterführende Artikel

EU will Fake-News in sozialen Netzwerken stoppen

EU will Fake-News in sozialen Netzwerken stoppen

Die EU plant neue Regeln für Online-Konzerne. Whistleblowerin Haugen lobt die Gesetzesentwürfe. Einer Politikerin aus Sachsen gehen sie nicht weit genug.

Facebook löscht jetzt Gesichter

Facebook löscht jetzt Gesichter

Seit Jahren gibt es Ärger wegen einer Funktion, die Gesichter von Freunden in Fotos erkennen kann. Jetzt macht das Netzwerk eine radikalen Schnitt.

Ist Facebook schuld an Pegida, Trump und Spaltung?

Ist Facebook schuld an Pegida, Trump und Spaltung?

Die jüngsten Vorwürfe gegen das Netzwerk von Mark Zuckerberg sind populär. Doch sie sind ein Märchen.

Facebook-Konzern heißt jetzt Meta

Facebook-Konzern heißt jetzt Meta

Facebook ist zum dominierenden Online-Netzwerk geworden. Doch Gründer Mark Zuckerberg strebt nach mehr. Ein neuer Name untermauert seine Ambitionen.

Als sogenannte Whistleblowerin, die Fehlverhalten anprangert, genießt Haugen Schutz nach US-Recht. Seit sie Facebook im Frühjahr verließ, lebe sie persönlich von ihren Ersparnissen - die unter anderem dank früher Investitionen in Kryptowährung ausreichten. "Ich könnte 20 Jahre so weitermachen, wenn auch nicht für immer." Rechtlich werde sie unentgeltlich von der Organisation Whistleblower Aid vertreten und sei dankbar für die Unterstützung von mehr als 1.000 Spendern. (dpa)

Mehr zum Thema Deutschland & Welt