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Politik

Obama greift Trump frontal an

Barack Obama meldet sich im Wahlkampfendspurt in den USA mit beißender Kritik an Donald Trump zu Wort.

Barack Obama auf einer Wahlkampfveranstaltung zur Unterstützung für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Biden.
Barack Obama auf einer Wahlkampfveranstaltung zur Unterstützung für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Biden. © Matt Slocum/AP/dpa

Philadelphia. Der frühere US-Präsident Barack Obama hat seinem Nachfolger Donald Trump in drastischen Worten Versagen bei der Eindämmung der Coronavirus-Pandemie vorgeworfen. Trump habe die Pandemie ignoriert und dann mit "Inkompetenz", "Falschinformationen" und Planlosigkeit alles noch schlimmer gemacht, sagte der Demokrat am Mittwoch (Ortszeit) bei einer Wahlkampfveranstaltung. Viele Menschen in den USA hätten nicht sterben müssen, wenn die Regierung auch nur "grundlegende" Maßnahmen ergriffen hätte, sagte Obama. Der Vergleich mit anderen Ländern wie Südkorea oder Kanada zeige, dass die Zahl der Corona-Toten deutlich geringer hätte ausfallen können.

Trump habe "kein Interesse gezeigt", den Menschen in Amerika zu helfen und das Präsidentenamt nur als "Reality Show" genutzt, kritisierte Obama. Der Republikaner sei nicht fähig, "den Job ernst zu nehmen", sagte der Ex-Präsident. "Und der Rest von uns muss mit den Konsequenzen leben." Obamas Fazit: "Wenn er die ganze Zeit seinen Job gemacht hätte, dann wäre es nie so schlimm geworden."

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Die beiden Auftritte in der Stadt Philadelphia im umkämpften Bundesstaat Pennsylvania waren Obamas erste große Wahlkampfveranstaltungen für seinen früheren Vizepräsidenten Joe Biden, der am 3. November gegen Trump antritt.

Barack Obama in Phoiladelphia.
Barack Obama in Phoiladelphia. © Matt Slocum/AP/dpa

"Die Pandemie wäre für jeden Präsidenten schwierig gewesen", räumte Obama ein. Das "Ausmaß der Inkompetenz und der Falschinformationen" seitens der Regierung habe die Situation aber weiter verschlimmert. "Die Idee, dass dieses Weiße Haus irgendetwas anderes getan hat, als es komplett zu vermasseln, das stimmt einfach nicht", sagte Obama. Südkorea und die USA hätten am gleichen Tag die erste bestätigte Infektion gehabt, aber die US-Regierung habe nicht gehandelt. "Am Fernseher twittern oder Sachen erfinden löst keine Probleme", sagte Obama weiter. Er zeigte sich zuversichtlich, dass Biden die Lage in den Griff bekommen werde. "Das heißt nicht, dass alles schon morgen gelöst sein wird. Wir werden immer noch zu kämpfen haben, aber ich weiß, dass wir es besser machen können", sagte er.

Obama hatte sich nach dem Ausscheiden aus dem Amt - wie üblich bei ehemaligen US-Präsidenten - mit öffentlicher Kritik an seinem Nachfolger zurückgehalten. Erst seit Mai, als der Afroamerikaner George Floyd bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam und Menschen im ganzen Land gegen Rassismus und Polizeigewalt protestierten, hat sich Obama wieder vermehrt zu Wort gemeldet. Seine beißende Kritik an Trump in Philadelphia - pünktlich zum Endspurt des Wahlkampfes - stellt aber eine deutliche Verschärfung seiner Tonlage dar.

Daten der Universität Johns Hopkins zufolge gibt es in den USA, einem Land mit 330 Millionen Einwohnern, bislang gut 8,3 Millionen bestätigte Coronavirus-Infektionen. Die Zahl der Neuinfektionen stieg zuletzt wieder auf gut 50.000 pro Tag an. Mehr als 221.000 Menschen starben bislang - mehr als in jedem anderen Land der Welt.

In den USA starben diesen Daten zufolge pro 100.000 Einwohner bislang 68 Menschen nach einer Infektion mit dem Coronavirus. Das entspricht in etwa der Rate in Großbritannien (66) und in Spanien (73). In anderen Ländern ergab sich jedoch eine deutlich geringere Sterblichkeitsrate. In Kanada starben pro 100.000 Einwohnern 27 Menschen, in Deutschland 12 und in Südkorea nur einer.

Trump behauptet, durch sein Management der Pandemie inklusive der Einreisesperren für Menschen aus China und Europa womöglich Millionen weitere Todesfälle verhindert zu haben. Biden wirft ihm dagegen Versagen in der Corona-Krise vor und beschuldigt Trump, für den Tod Zehntausender US-Bürger verantwortlich zu sein.

Trump infizierte sich zu Monatsbeginn selbst mit dem Coronavirus und wurde wegen einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt. Nach seiner Rückkehr ins Weiße Haus rief der Präsident die Amerikaner dazu auf, "keine Angst" vor dem Virus zu haben und versprach erneut ein baldiges Ende der Pandemie. Obama erklärte dazu: "Donald Trump wird uns nicht plötzlich alle beschützen. Er kann nicht mal die grundlegenden Schritte machen, um sich selbst zu beschützen."

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