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Trumps Vize versucht, seinen Ruf zu retten

Mike Pence gibt sich neuerdings geläutert. Aber nichts wird vergessen werden. Er war der 48. Vizepräsident der Uneinigen Staaten von Amerika. Ein Kommentar.

US-Vizepräsidentin Kamala Harris und ihr Ehemann Doug Emhoffl (l) sehen zu wie der ehemalige Vizepräsident Mike Pence (2.v.r.) und seine Frau Karen Pence das Kapitol nach der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden verlassen.
US-Vizepräsidentin Kamala Harris und ihr Ehemann Doug Emhoffl (l) sehen zu wie der ehemalige Vizepräsident Mike Pence (2.v.r.) und seine Frau Karen Pence das Kapitol nach der Amtseinführung von US-Präsident Joe Biden verlassen. © David Tulis/Pool UPI/AP/dpa

Von Stephan-Andreas Casdorff

War das ein Tag. Einer, der nachwirkt, jetzt und später. Er lächelt, er tauscht Grüße aus mit ehemaligen demokratischen Präsidenten, er neigt sein silberweiß leuchtendes Haupt leicht, als der neue Präsident kommt. Mit seiner Nachfolgerin im Amt geht er respektvoll um.

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Wer? Michael Richard „Mike“ Pence, der Vizepräsident unter dem denkwürdigen 45. Präsidenten der USA. Dessen Name dem Vergessen anheim gegeben werden soll, weil er in die Geschichte eingehen wird als der, der zum Sturm auf die Bastion der Demokratie anstachelte, aufs Kapitol.

Und, Ironie der Geschichte, auf Mike Pence. Der nämlich hatte sich zuvor ermannt, nach den Jahren buchstäblich unter dem Wildgewordenen, also sich unterordnend, die Bestätigung der Wahl Joe Bidens nicht zu verhindern: Bevor Pence als Vizepräsident die gemeinsame Sitzung im Kongress eröffnet, erinnert er an seinen Eid auf die Verfassung „so wahr mir Gott helfe“.

Diesem Mann, der so viel mitgetragen hatte, war zum Schluss das Ganze dann doch ein Stück weit unerträglich geworden. Der Sohn eines irischstämmigen Tankwarts, gläubig, oft betend, ein „Christ, ein Konservativer und ein Republikaner, in dieser Reihenfolge“, wollte das öffentliche Bild von sich wohl nicht noch mehr beschädigen lassen.

Seine Ergebenheit und sein Selbstbild sollten besser zueinander passend werden: Amerika in Treue ergeben, dem Präsidenten als dessen oberster Institution dienend, loyal bis zum Letzten - aber dem Konservativen, Bewahrenden verpflichtet. Wenigstens das wollte er als Bild von sich bewahren.

„Ihr habt nicht gewonnen. Gewalt gewinnt nie“

Deswegen sagte Pence im gestürmten Kapitol den wildgewordenen Anhängern des Wildgewordenen: „Ihr habt nicht gewonnen. Gewalt gewinnt nie.“ So lange hatte sich der frühere Kongress-Abgeordnete und spätere Gouverneur von Indiana zurückgenommen, kühl bis unbeteiligt gewirkt, selbst auf der großen Bühne. Obwohl: Jahre sanft nur redend, nicht handelnd.

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Zuletzt wurde die räumliche Distanz, auch die intellektuelle, von Pence zum Nero der US-Politik augenfällig. Der machte sich davon - Pence kam zur Amtseinführung dessen, der Amerika von dem Vorangegangenen heilen will. So wie die Farben, die die Frauen trugen, von Bedeutung waren, war es auch ein Zeichen, dass er die Farbe hellblau als Krawatte trug, die der Demokraten. Rot war an diesem Tag auch nicht die richtige Option.

Nichts wird vergessen werden. Auch Michael Richard Pence nicht. Er war der 48. Vizepräsident der Uneinigen Staaten von Amerika.

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