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Väter und Mütter werden immer noch ungleich behandelt

Sven Siebert über die Zwischenbilanz nach einem Jahr Elterngeld

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Die Zahl der Männer, die zur Kinderbetreuung zu Hause bleiben, wächst. Das ist grundsätzlich erfreulich, weil es den Vätern das unmittelbare Erlebnis der Vaterschaft verschafft. Den Müttern wiederum bietet es die Gelegenheit, schnell wieder in den Beruf zurückzukehren, wenn sie das wollen.

Die Zahl der Männer, die zur Kinderbetreuung zu Hause bleiben, ist allerdings immer noch ziemlich niedrig. Nur zehn Prozent der Bürger, die vergangenes Jahr Elterngeld beantragt haben, sind männlich. Und: Männer blieben viel kürzer zu Hause als Frauen.

Die Gründe dafür liegen nicht nur in einer geringeren Bereitschaft der jungen Väter, in die Babypause zu gehen. Und sie sind nicht nur „biologisch“ begründet (Männer können nicht stillen). Es geht um andere Ungerechtigkeiten.

Männer haben in der Regel das höhere Einkommen. Frauen verdienen im Durchschnitt weniger, weil sie Kinder bekommen oder das „Risiko“ besteht, dass sie schwanger werden. Der Einkommensverlust durch vorübergehenden Ausstieg aus dem Beruf ist trotz Elterngeld bei Männern statistisch höher.

Das Elterngeld soll diese Nachteile ausgleichen, wenigstens verringern. Dass es noch lange nicht soweit ist, zeigen die Zahlen. Und offenkundig ist die Angst, durch Elternzeit Nachteile im Job zu erfahren, bei Männern immer noch größer. Das zeigt auch die Statistik aus dem Osten: Wo die wirtschaftliche Lage unsicherer ist, verzichten Männer eher auf Elternzeit.