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Vandalen verhindern Wohnungspläne

Die stadteigene Gesellschaft WVG sollte Sozialwohnungen im ehemaligen Kita-Gebäude errichten. Nun droht der Verkauf.

© Claudia Hübschmann

Von Marcus Herrmann

Nossen/Ilkendorf. Die Scheiben der Eingangstür sind eingeschlagen, eine Tür im Obergeschoss ist zugeschweißt, in einem ehemaligen Schuppen vor dem Gebäude Ilkendorf 54 türmt sich der Müll. An das deutlich zu erkennende Schild „Betreten des Grundstücks für Unbefugte verboten“ wurde sich augenscheinlich mehrfach nicht gehalten.

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Seine Zukunft bleibt ungewiss – auch weil sich Vandalen auf dem Areal verewigen mussten.
Seine Zukunft bleibt ungewiss – auch weil sich Vandalen auf dem Areal verewigen mussten. © Claudia Hübschmann

Es ist kein schönes Bild, was die inzwischen seit zweieinhalb Jahren geschlossene Kita „Am Hasenwäldchen“ im Nossener Ortsteil Ilkendorf derzeit abgibt. Als im Mai vergangenen Jahres klar wurde, dass trotz einer Elterninitiative zur Weiterführung einer Kindertagesstätte in Ilkendorf, anders verfahren wird, hatte die Stadt Nossen einen scheinbar tragfähigen Plan in der Schublade. Danach sollte sich die stadteigene Wohnungs- und Verwaltungsgesellschaft Nossen (WVG) um die Immobilie kümmern. Öffentlich im Stadtrat erklärt wurde dabei die Absicht, dass die WVG auf etwa 360 Quadratmetern sozialverträgliche Wohnungen in einfachem Standard errichten werde. Doch bis auf Sicherungsmaßnahmen hatte sich länger nichts getan.

Als dann im September-Stadtrat der Geschäftsführer der Gesellschaft Joachim Werner Bilder von Vandalismus-Schäden aus dem ehemaligen Kita-Haus dabei hatte und von Schwierigkeiten berichtete, war den Ersten womöglich bereits klar, dass aus dem ursprünglichen Plan nichts werden könnte. Das scheint sich nun zu bewahrheiten. Denn im Stadtrat am kommenden Donnerstagabend lautet ein Tagesordnungspunkt: „Teilaufhebung des Beschlusses über die Weiterverwertung und Verbleib Objekt Ilkendorf Nr. 54“. Gefragt, was genau das zu bedeuten hat, hält sich Bürgermeister Uwe Anke (parteilos) mit dem Verweis zurück, dass die Sitzung erst noch stattfinden müsse, ehe man Konkretes sagen könne. „Gerne können wir danach darüber reden, jedoch nicht im Vorfeld. Die Stadträte fühlen sich vor den Kopf gestoßen, wenn sie die Inhalte der Debatten bereits in der Zeitung lesen können“, so Anke. Das mag richtig sein.

Jedoch dürfte der Wortlaut des Tagesordnungspunktes dem interessierten Bürger schon genügen, um zu wissen, dass aus den Sozialwohnungen in Ilkendorf 54 wohl erst einmal nichts wird. Zumindest nicht in Verantwortlichkeit der WVG. Das bestätigt Joachim Werner der SZ an diesem Dienstag. „Die Stadt als Gesellschafter wurde von uns gebeten, das Objekt möglichst an einen privaten Investor zu verkaufen. Wir sehen bessere Entwicklungsmöglichkeiten, wenn es in privater Hand ist.“ Hauptgrund für den Rückzieher sind laut Werner die gehäuften Schäden durch Vandalen.

Schon siebenmal hätten Unbelehrbare die alte Kita heimgesucht, unter anderem Waschbecken abgerissen und nach draußen geworfen, Türen und Heizungsanlagen komplett zerstört und in ihrer Idiotie auch noch teure VSG-Fenster beschädigt. „Wir haben inzwischen wertvolle Dinge gesichert, Öl abgepumpt und die Tür zu einem Öllager zugeschweißt. Aber wir können das Objekt nicht rund um die Uhr absichern“, sagt Joachim Werner. Das könne – wenn die Stadt Glück hat – nur ein privater Bauherr.

Für die Ilkendorfer scheint sich damit die Befürchtung zu bewahrheiten, dass die einstige Kita verkauft werden muss. „Das ist für mich die schlechteste Variante. Ich hoffe, dass die Stadträte einen Weg finden, das Gebäude in kommunaler Hand zu belassen, um eine sinnvolle Nutzung für die Menschen vor Ort zu sichern“, sagt Tobias Stange von der ehemaligen Elterninitiative für eine Kita in Ilkendorf.