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Vater riss der Geduldsfaden

Weil er ihn lange nicht gesehen hatte, holte ein Mann seinen Sohn von der Schule ab. Das Problem: Die Mutter wusste davon nichts. Nach einem Termin vor Gericht wird das Wochenende im Nachhinein kostspielig.

Von Alexander Schneider

Ein Strafgericht ist nicht der richtige Ort, wenn sich Eltern um das Umgangsrecht ihres Sohnes streiten. Zumindest das ist gestern in einem Prozess gegen einen 46-Jährigen klar geworden. Vor einem Jahr hatte er seinen Sohn nach der Schule abgeholt, um ihn am Wochenende bei sich zu haben – er fürchtete, er werde von der Mutter seines Jungen bewusst ins Abseits gedrängt. Nun stand er wegen Entziehung Minderjähriger vor dem Amtsgericht Dresden.

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Laut Anklage sei der Vater an jenem Freitag rabiat vorgegangen. Er habe dem damals Zwölfjährigen den Ranzen vom Rücken gerissen und ihn gezwungen, ins Auto zu steigen. Der Junge habe um Hilfe gerufen. Bis Sonntag sei das Kind in der Wohnung eingeschlossen gewesen, so die Staatsanwältin. Erst am Montag habe er seinen Sohn wieder zur Mutter gebracht.

„Diese Vorwürfe sind nicht zutreffend“, sagte Verteidiger Karsten Hinz, „schon weil beide Elternteile gemeinsam das Sorgerecht haben.“ Seit 2009 sei das Umgangsrecht gerichtlich geregelt. Am Familiengericht sei ein sogenanntes Wechsel-Modell vereinbart worden – alle zwei Wochen zieht der Sohn von einem Elternteil zum anderen. Bis Februar 2013 habe das funktioniert. „Die Mutter hat dann versucht, eine erhebliche Minderung meines Umgangs abzupressen“, sagte der Angeklagte. Ab März sei sein Sohn nicht mehr zu ihm gekommen, stattdessen habe er einen knappen Brief erhalten: „Ich will das Wechsel-Modell beenden und nur noch bei der Mama leben“, soll ihm der Sohnemann geschrieben haben. „Ich glaube das nicht“, sagte der Angeklagte. Er nannte das eine „Kriegserklärung“ der Mutter.

Er habe die Mutter wegen Kindesentziehung anzeigen wollen, weil er seinen Sohn seit Wochen nicht gesehen habe. Doch die Polizei habe die Anzeige mit der Begründung abgelehnt, bei Verwandten ginge das nicht. „Es musste etwas geschehen. Ich hatte Angst vor einer weiteren Entfremdung von meinem Sohn“, sagte der 46-Jährige. Daher habe er ihn abgeholt und von zu Hause aus die Mutter darüber informiert. Der Junge habe jederzeit zur Mutter gehen können. „Ich habe meinen Sohn nicht gezwungen, er ist freiwillig mitgekommen. Zum Abschied haben wir uns umarmt.“

Die Mutter sagte als Zeugin, ihr Sohn wollte weniger Kontakt zum Vater, weil er mit dessen Ehefrau nicht zurecht käme.

Richter Jochen Meißner sagte, der Angeklagte hätte den Rechtsweg einhalten müssen. Er stellte das Verfahren gegen Zahlung von 1.500 Euro ein. Der Angeklagte betonte, er stimme dem nur zu, um seinem Sohn eine Aussage zu ersparen. Seit einem Jahr sei der Junge nicht mehr bei ihm gewesen. Die Regelung des Umgangs vor dem Familiengericht dauert noch an.