merken

Vater unter Mordverdacht

Ein dreijähriges Mädchen ist offenbar von seinem eigenen Vater umgebracht worden. Der Mann wurde in Nossen festgenommen.

© Tino Plunert

Von Christoph Springer und Alexander Schneider

Smarter Leben mit diesen Technik-Trends

Erfahren Sie als Erster von den neuesten Trends, Tipps und Produkten in der Technikwelt und lernen Sie Innovationen kennen, die Ihr Leben garantiert leichter machen.

Dresden. Dieser Besuch bei ihrem Vater in Gorbitz war der letzte, das Mädchen sollte nie wieder zu seiner Mutter zurückkehren. Der 35-Jährige Z. hat seiner Tochter das Leben genommen, so der Verdacht der Polizei. Die Beamten fanden die leblose Dreijährige in der Wohnung ihres Vaters in einem Sechsgeschosser an der Birkenstraße. Die Obduktion des Leichnams am Montag ergab, dass das Mädchen gewaltsam ums Leben kam.

Die Beamten sicherten zahlreiche Beweisstücke, die sie in Kisten und großen Tüten in ihr Auto luden. Bis zum späten Dienstagnachmittag hatten sie in der Wohnung in Gorbitz zu tun.
Die Beamten sicherten zahlreiche Beweisstücke, die sie in Kisten und großen Tüten in ihr Auto luden. Bis zum späten Dienstagnachmittag hatten sie in der Wohnung in Gorbitz zu tun. © xcitepress

Z. lebte noch nicht lange in dem Plattenbau an der Birkenstraße. Er hatte eine Einzimmerwohnung im zweiten Stock des sanierten Hauses gemietet. Ein Nachbar, der eine Etage über ihm wohnt, kennt den 35-Jährigen flüchtig. „Der ist erst im Herbst hier eingezogen“, berichtete der Mann, Z. sei nicht aufgefallen. Dass er Vater ist, war nur zu erahnen. „Er ist zwei oder drei Mal mit einer leeren Babyschale gesehen worden“, so der Gorbitzer weiter. Mit einem Kind hat ihn keiner der Mieter gesehen. Auch Frau K. aus der ersten Etage nicht. „Hier hört man nichts“, sagte sie über das Haus, „auch nicht, wenn ein Kind schreit.“

Ob der Leichnam der Dreijährigen Spuren aufweist, die auf eine Gegenwehr des Kindes schließen lassen, sagten Polizei und Staatsanwaltschaft nicht. Unbestätigten Berichten zufolge soll das Mädchen erstickt worden sein. Die Kriminalpolizei hat noch am Sonntag alle Mieter des Hauses befragt, auch Frau K. „Ich konnte denen aber nichts weiter sagen“, so die Rentnerin. Den 35-jährigen neuen Mieter aus der Etage über ihr hat sie höchstens einmal unbewusst im Treppenhaus gesehen. „Hier ist alles anonym“, beschreibt sie die Nachbarschaft, „die Leute gehen morgens zur Arbeit und kommen abends nach Hause, ansonsten sieht man keinen.“

Die Wohnung des mutmaßlichen Mörders befindet sich auf der Rückseite des Plattenbaus. Z.s Einraumwohnung hat eine Küche und ein kleines Bad. Im Wohn- und Schlafzimmer fand die Polizei den Leichnam der Dreijährigen. Noch bis zum Dienstag sicherten die Beamten Spuren in der Wohnung. Am späten Nachmittag versiegelten sie die Tür und verließen das Haus, schwer bepackt mit Kisten und Tüten, in die sie mögliche Beweismittel gepackt hatten, unter anderem Decken und Kissen.

Der Vater, ein gebürtiger Freiberger, lebte von seiner Ehefrau und Mutter der gemeinsamen Tochter getrennt. Er habe wohl regelmäßig Umgang mit seiner Tochter gehabt, so Oberstaatsanwalt Lorenz Haase, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Nach bisherigem Kenntnisstand habe nichts auf eine außergewöhnliche Krise in der Familie hingedeutet. Der Mann habe seine Tochter an dem Wochenende wie immer abgeholt – sie jedoch zum verabredeten Zeitpunkt am Sonntag nicht zurückgebracht. Das habe die Mutter veranlasst die Polizei zu alarmieren. Nachdem niemand die Wohnung in Gorbitz geöffnet hatte, entschloss sich die Polizei dazu, hineinzugehen. Hinter der Tür machten die Beamten dann die schreckliche Entdeckung.

Noch in der Nacht wurde die Fahndung nach dem Verdächtigen eingeleitet. Die Polizei entdeckte bei Nossen das Auto des 35-Jährigen. Z. schlief in seinem Fahrzeug. Er wurde sofort festgenommen. Gegen ihn wird nun wegen Mordes ermittelt. Er sitzt seit Dienstagnachmittag in Untersuchungshaft. Haftgründe sind laut Haase Verdacht der Schwerkriminalität und Fluchtgefahr. Zur Frage, ob sich der 35-Jährige zu den Vorwürfen geäußert hat, machte Haase keine Angaben.

Es ist bereits der zweite Fall einer Kindstötung in diesem Jahr in Dresden. In der Neujahrsnacht soll eine 23-Jährige aus Bühlau ihren neugeborenen Sohn getötet haben. Auch sie sitzt in U-Haft. Die Dresdnerin hat die Tat gestanden.