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„Vatter muss in die Poofe“

Seit 40 Jahren tritt Wolfgang Niedecken mit BAP auf. In dieser Zeit hat sich vieles in der Band geändert. Aber eins nicht.

© dpa

Von Christoph Driessen, Köln

Großes Glück kann so klein sein

Hellwach oder im lieblichen Schlummer zeigen sich die süßen Babys. In unserer Themenwelt Stars im Strampler gibt es den Nachwuchs zu sehen.

In der vergangenen Woche tourte er noch durch die Schweiz, dann ging’s weiter nach Baden-Württemberg und Westfalen. Doch jetzt schlendert Wolfgang Niedecken mal wieder über den Chlodwigplatz, seinen „Nabel der Welt“ in der Kölner Südstadt. Seit genau 40 Jahren steht der Kölsch-Rocker mittlerweile auf der Bühne – und ein Ende ist nicht abzusehen.

Der erste Auftritt war 1978 im Mariensaal in Köln-Nippes. Ein Studienkollege hatte die BAP-Leute gebeten, sich musikalisch an einer Protestveranstaltung gegen den Bau einer Stadtautobahn zu beteiligen. „Wir haben uns einfach getroffen und den vielzitierten Kasten Bier leergeprobt. Wir haben viel Stones und Dylan gespielt, für Beatles waren wir nicht gut genug“, erzählt der 67-Jährige.

Was hat sich geändert seit damals? So ziemlich alles. Auch er muss auf Sollbruchstellen achten. In seinem schönen Haus am Rhein steht ein Heimtrainer im Wohnzimmer. Und bei den Tourneen gibt er sich kreuzbrav: „In meinem Alter kann man leider nach einem Konzert nicht mehr den wilden Rock’n’Roller machen. Manchmal ist es schon sehr verlockend, abends noch etwas länger zusammenzusitzen. Aber dann muss ich sagen: „Leute, Vatter muss mit einer Kanne Kräutertee in die Poofe!““

Immer mal wieder hat man ihm geraten, in seinen Texten von Kölsch auf Hochdeutsch umzuschwenken. Schließlich versteht diesen Dialekt selbst in Köln kaum noch jemand. „Aber du musst nicht meinen, dass die Leute kein Kölsch mitsingen können“, sagt er. „Das können die alle, auch in Bayern und in der Schweiz.“

Besonders textsicher sind viele Fans im Südwesten, weil der damalige Südwestfunk immer sehr viel BAP gespielt hat. Das Live-Album „LIVE&DEUTLICH“, das am Freitag erscheint, wurde im Münchner Circus Krone aufgenommen.

BAP war immer eine politische Band, und auch heute reicht es Niedecken nicht, sich „mit Poesie ‚n schlanken Fuß zu machen“, wie er es ausdrückt. „Ich möchte nicht den Wanderprediger abgeben, aber deutlich muss man jetzt schon werden. Wir haben in der deutschen Geschichte erlebt, was passiert, wenn man die Populisten gewähren lässt.“ (dpa)