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Venezuelas Staatschef Chavez bricht Beziehungen zu Kolumbien ab

Argentiniens Fußball-Legende Diego Armando Maradona stand an seiner Seite, als Venezuelas Staatschef Hugo Chavez die Entscheidung verkündete: „Die Würde zwingt mich, die Beziehungen zu Kolumbien abzubrechen.“...

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Von Sandra Weiss, Puebla

Argentiniens Fußball-Legende Diego Armando Maradona stand an seiner Seite, als Venezuelas Staatschef Hugo Chavez die Entscheidung verkündete: „Die Würde zwingt mich, die Beziehungen zu Kolumbien abzubrechen.“ Mit diesen Worten kündigte Chavez am Donnerstag (Ortszeit) zum wiederholten Male die Beziehung zum Nachbarland Kolumbien auf. Er ordnete höchste Alarmbereitschaft an der 2200 Kilometer langen gemeinsamen Grenze an und gab den kolumbianischen Diplomaten in Caracas 72 Stunden Zeit, das Land zu verlassen. „Verantwortlich dafür ist Präsident Uribe, der hasserfüllte Handlanger des US-Imperiums, der auf dem Müllhaufen der Geschichte landen wird“, fügte Chavez hinzu und warnte, er werde keine Aggression dulden. „Wenn wir in einen Krieg mit Kolumbien ziehen müssen, dann mit Tränen im Herzen, aber wir werden es tun.“

Freizeitcamps für Rebellen

Es ist die fünfte schwere Krise zwischen den beiden Präsidenten. Auslöser dafür war diesmal der Vorstoß des scheidenden kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe bei der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS). Uribe wirft Venezuela vor, die linke Guerilla „Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens“ (Farc) zu unterstützen und rund 1500 Kämpfern Unterschlupf zu bieten. Am Donnerstag legte sein Botschafter bei einer OAS-Sitzung entsprechende Dokumente, Videos und Fotos der „Freizeitcamps“ der Farc in Venezuela vor. Chavez bezeichnete die Vorwürfe als „Lügen“. Sollte es Lager der Farc in Venezuela geben, dann ohne Billigung seiner Regierung. Venezuelas Parlamentspräsidentin bezeichnete das Exposé als „lächerlich“. Uribe, der in den acht Jahren seiner Regierungszeit die Bekämpfung der Guerilla zum obersten Ziel seiner Politik gemacht hatte, will damit das Nachbarland als „Unterstützer des Terrorismus“ international an den Pranger stellen.

Die Beziehungen zwischen beiden Ländern sind seit 2009 auf Sparflamme aufgrund des Ausbaus der US-Militärbasen auf kolumbianischem Territorium. Chavez hatte deshalb die Grenzen geschlossen und die Beziehungen eingefroren.

Die Krise dürfte die erste Herausforderung für Kolumbiens neuen Präsidenten Juan Manuel Santos sein, der am 7. August sein Amt antritt. Er hatte sich einst als Verteidigungsminister scharfe Wortgefechte mit Chavez geliefert. Chavez ließ die Tür noch ein Stück offen: „Ich hoffe, der neue Präsident führt Kolumbien wieder auf den Weg des Verstandes zurück, dass wir uns irgendwann einmal hinsetzen und miteinander reden können.“