merken

Dresden

Zehn Veranstalter und die Corona-Krise

Seit 19. März herrscht in Sachsen absolutes Veranstaltungsverbot. In dieser Zeit sind zehn Interviews mit besonders Betroffenen entstanden - der Wochenrückblick.

War einer der ersten, der uns in der Corona-Krise Einblick in seinen Alltag gab: Tom Pauls.
War einer der ersten, der uns in der Corona-Krise Einblick in seinen Alltag gab: Tom Pauls. © Robert Jentsch

Tom Pauls, Thomas Stelzer, Thomas Schuch, dazu die Intendanten vom Theaterkahn Dresden und vom Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen, die Geschäftsführer der Sachsenarena Riesa und der Kulturfabrik Hoyerswerda, Puppentheatermacher Marco Vollmann und die Dresdner Klub-Betreiber Mirko Glaser (Blue Note) und Klaus Körner (Groove Station) - sie alle haben zweierlei gemeinsam: Die Corona-Krise sorgt für nie dagewesene Einschnitte in ihrem Berufsleben - und sie haben darüber in einem Gespräch auf sieben Fragen Auskunft gegeben. Wir zitieren im folgenden eine Antwort aus jedem Gespräch - die kompletten Interviews zum Nachlesen gibt es hier: Anruf bei...


Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Holger Böhme, Theaterkahn Dresden

Am 20. März auf die Frage: Was macht Ihnen Hoffnung?

Die Reaktion unserer Zuschauer die beispielsweise zu einem großen Teil ihre gekauften Karten in Gutscheine oder sogar in eine Spende zugunsten des Theaterkahns umwandeln. Das ist für uns eine wichtige finanzielle Hilfe, vor allem aber eine anrührende Geste der Solidarität.

Holger Böhme
Holger Böhme © PR/Theaterkahn

Thomas Schuch, Friedrichstatt Palast Dresden

Am 21. März auf die Frage: Gibt es schon einen Plan, wie Sie die unerwartete freie Zeit nutzen?

Ein Konzept entwickeln, und während wir das tun, haben wir schon damit begonnen es umzusetzen: Wir bieten „Coronagerechtes Theater“! Über unsere Webseite posten wir jeden Tag neue Filme von Szenen, die wir spielen ohne einander zu begegnen. Zu dem Zwecke, dass unsere lieben Zuschauer und Fans Kultur bekommen, bevor sie zu Hause während der Ausgangssperre den Rappel kriegen. (...)

Thomas Schuch
Thomas Schuch © PR/Friedrichstatt Palast

Tom Pauls, Tom Pauls Theater Pirna

Am 22. März auf die Frage: Können Sie schon generelle Lehren aus dieser Erfahrung ziehen?

Für generelle Erfahrungen ist es noch zu früh. Wir sind ja noch am Anfang, Erfahrungen in dieser außergewöhnlichen Situation zu machen. Diesmal wissen wir nur, dass es alle betrifft: Vor Corona sind alle gleich. Das macht es zum einen schwerer, zum anderen kann sich keiner raushalten. Wir müssen auf dieses Phänomen gemeinsam Antworten finden. Aber wie sagte schon die wunderbare sächsische Dichterin Lene Voigt:

„Das gonnte noch viel schlimmer gomm,

so feixen richdsche Sachsen.

Was andre forchtbar schwär genomm’,

dem fiehlnse sich gewachsen."

Tom Pauls
Tom Pauls © Robert Jentsch

John Jaeschke, Sachsenarena Riesa

Am 23. März auf die Frage: Gibt es schon einen Plan, wie Sie die unerwartete freie Zeit nutzen?

Soviel freie Zeit ist es am Ende nicht, da es zur Verschiebung der Prioritäten kommt. Der Blick auf die Zahlen, mit der dazugehörigen Risikobewertung ist noch gewichtiger als sonst. Über allem steht die Liquiditätssicherung.

John Jaeschke
John Jaeschke © FVG/Fotodesign Falko Müller

Mirko Glaser, Blue Note Dresden

Am 24. März auf die Frage: Wie geht es Ihnen angesichts des absoluten Veranstaltungsverbots?

Endlich mal Ruhe. Keine zu laute Musik, Vogelgezwitscher, die Natur erholt sich. War eh immer alles viel zu anstrengend. Spaß beiseite, es ist sehr angespannt. Selbst für optimistische Menschen wie mich ist der Alltag gerade sehr nervenaufreibend, da eine permanent auf der Schulter sitzende Existenzbedrohung nicht sehr zuträglich ist, wenn man eigentlich Kultur veranstalten will.

Mirko Glaser
Mirko Glaser © PR/Blue Note

Uwe Proksch, Kulturfabrik Hoyerswerda

Am 25. März auf die Frage: Was macht Ihnen Hoffnung?

Die vielen kreativen Ideen, die im Netz aufploppen, oder Aktionen, die Menschen trotz Kontaktsperre zueinander bringen. Momentan wird hier gerade an einer Initiative gearbeitet, HOYERSWERDA - MIT ABSTAND – ZUSAMMENRÜCKEN, da wollen wir natürlich mit dabei sein. Hoffnung macht auch der sich scheinbar wandelnde umsichtigere Umgang der Menschen untereinander und auch im Netz (auffällig weniger Hass und dummes Zeug).

Uwe Proksch
Uwe Proksch © PR/Kufa Hoyerswerda

Lutz Hillmann, Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen

Am 25. März auf die Frage: Gibt es schon einen Plan, wie Sie die unerwartete freie Zeit nutzen?

Ich kann mich über mangelnde Arbeit gegenwärtig nicht beschweren. Wir sind optimistisch und bereiten den 25. Bautzener Theatersommer vor. Den Startschuss für den Kartenvorverkauf gibt es am 4. April an der Theaterkasse - leider ohne Publikum - dafür live gestreamt.

Lutz Hillmann
Lutz Hillmann © Deutsch-Sorbisches Volkstheater Bautzen

Marco Vollmann, Puppentheatermacher Dresden

Am 26. März auf die Frage: Lässt sich der zu befürchtende finanzielle Verlust irgendwie ausgleichen?

Wohl nicht. Für uns Künstler gibt es ein paar einkommensstarke Zeiten im Jahr, zu denen für Puppenspieler*innen auch die Oster- und Kindertagszeit gehört. Vorstellungen, die hier ausfallen, bedeuten einen herben Verlust. Werden hierfür Ersatztermine gesucht, kommen die allenfalls wieder zu o.g. und eben nicht zu dünner belegten Zeiten infrage. Da diese aber eh gut ausgebucht sind, bedeutet das, dass der Verlust bestehen bleibt. Aus dem Grund sind auch Kredite keine wirkliche Lösung für uns.

Marco Vollmann
Marco Vollmann © Puppentheater Marco Vollmann

Klaus Körner, Groove Station Dresden

Am 26. März auf die Frage: Gibt es schon einen Plan, wie Sie die unerwartete freie Zeit nutzen?

Wir überlegen ob und wie wir, zusammen mit dem Klubnetz Dresden, Streaming Session mit DJs, Livemusik und Poetry durchführen können. Wir haben in der letzten Woche an vier Tagen Dj-Sets live ins Internet übertragen.

Klaus Körner
Klaus Körner © PR/Groove Station

Thomas Stelzer, Musiker und Bandleader Dresden

Am 27. März auf die Frage: Was werden Sie heute tun?

Ich und meine Kati arbeiten seit Jahren als „home office“ - ergo: nix Neues für uns. Ich komme allerdings derzeit zu Dingen, die ich schon lange einmal angehen wollte. Noten und Texte sortieren, einen „Grund reinbring’“, wie der Sachse sagt, und ich schreibe gerade meine Erlebnisse aus 40 Jahren Bühne auf (mithilfe vieler ewig alter und zerfledderter Kalender).

Thomas Stelzer
Thomas Stelzer © PR/Thomas Stelzer

Alle Interviews im kompletten Wortlaut finden Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden