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Piraterie bleibt großes Problem

Von spektakulären Piratenüberfällen wie vor einigen Jahren ist aktuell wenig zu hören. Doch das heißt nicht, dass die Seeräuber von den Weltmeeren verschwunden sind. Deutsche Reeder warnen.

© dpa

Hamburg/London. Der Verband Deutscher Reeder (VDR) hat vor einem Nachlassen im Kampf gegen die Piraten am Horn von Afrika gewarnt. „Die Präsenz der Marinestreitkräfte im Golf von Aden und ihre Luftüberwachung - kombiniert mit den Schutzmaßnahmen der Reeder - nimmt den Verbrechern in Somalia erfolgreich den Sauerstoff“, teilte Ralf Nagel vom VDR am Dienstag in Hamburg mit. Insgesamt gleiche die Situation jedoch einem Schwelbrand, warnte er. Sollte der Schutz nachlassen, „werden die Flammen schnell wieder auflodern“.

Der Beitrag der Deutschen Marine im Rahmen der EU-Mission „Atalanta“ sei für den Schutz der Seeleute von großer Bedeutung, betonte Nagel. Hinzu komme die abschreckende Wirkung privater bewaffneter Sicherheitskräfte an Bord der Handelsschiffe. Weiterhin befänden sich aber 29 asiatische Seeleute in der Hand von Geiselnehmern in Somalia.

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Nach Angaben des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB) wurden im vergangenen Jahr weltweit 15 Schiffe entführt und 271 Seeleute als Geiseln festgehalten. 2014 waren es 21 Entführungen und 442 festgehaltene Besatzungsmitglieder. Insgesamt meldeten Schiffseigner 246 Überfälle, nach 245 im Jahr 2014. In 203 Fällen gelangten die Piraten 2015 an Bord, ein Besatzungsmitglied wurde getötet, wie das zur Internationalen Handelskammer (ICC) gehörende Büro in London mitteilte.

Die Region vor Somalia bleibe ein Hochrisikogebiet, warnte das IMB. Vor Nigeria in Westafrika und vor Vietnam am Südchinesischen Meer gab es demnach sogar mehr Attacken. Die meisten Überfälle registrierte erneut Südostasien, wie es heißt. Das Piracy Reporting Centre des IMB registriert Piratenüberfälle seit 1992.

Die Geiselnahmen und auch die Tötung eines Seemannes erfolgten laut VDR im Golf von Guinea, vor Nigeria und Ghana. In der Region gebe es keinen zuverlässigen Schutz durch Marine und Küstenwache der Anrainerstaaten. Die Reedereien dürften ihre Schiffe zudem nicht mit ihren eigenen Sicherheitskräften beschützen, weil das die Küstenstaaten dort nicht zuließen. „Die Bundesregierung muss sich über die Europäische Union dringend für die Zulassung privater bewaffneter Sicherheitskräfte an Bord unserer Schiffe durch die Anrainerstaaten am Golf von Guinea einsetzen“, sagte Nagel.

Die Deutsche Marine will sich nun doch nicht mit einem U-Boot an der Anti-Piraten-Mission vor der Küste Somalias beteiligen. „Der Einsatz von U34 von März bis August wurde aus operativen Gründen abgesagt“, sagte ein Sprecher des Marinekommandos in Rostock. Grund seien die Belastungen durch den Anti-IS-Einsatz und die Operation „Sophia“ im Mittelmeer gegen Schleuser. Vor Somalia kämen nun lediglich die Fregatte „Bayern“ und der Tanker „Spessart“ zum Einsatz. (dpa)